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Hinterland Asylbewerber muss in die Psychiatrie
Landkreis Hinterland Asylbewerber muss in die Psychiatrie
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16:54 29.10.2021
Vor dem Landgericht Marburg endete am Freitag ein Prozess wegen versuchten Mordes in Biedenkopf.
Vor dem Landgericht Marburg endete am Freitag ein Prozess wegen versuchten Mordes in Biedenkopf. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die 6. Strafkammer des Marburger Landgerichts verfügte am Freitag die Einweisung eines 25-jährigen Asylbewerbers aus Afghanistan in eine Psychiatrie. Damit endete ein zweitägiger Prozess wegen versuchten Mordes (die OP berichtete), bei dem insgesamt sieben Zeugen und zwei Sachverständige gehört wurden.

Dem 25-Jährigen wurde versuchter Mord vorgeworfen. Das Gericht unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Dr. Frank Oehm sah es als erwiesen an, dass der Mann, der 2016 über die Balkanroute nach Deutschland floh, im Asylbewerberheim in Biedenkopf einen 48-jährigen Besucher aus dem Iran mit einem Küchenmesser attackiert und ihn an Kopf, Schulter und Ellenbogen verletzt hat.

Schuldunfähig wegen Schizophrenie

Allerdings war der Mann nach Ansicht des psychiatrischen Gutachters Andreas Angelov zum Tatzeitpunkt schuldunfähig, weil er unter einer akuten paranoiden Schizophrenie leidet. Dieser Auffassung schlossen sich die Staatsanwaltschaft, die Verteidiger Thomas Strecker und auch das Gericht an. Der 25-Jährige war schon zuvor zweimal in stationärer psychiatrischer Behandlung – wegen des Verdachts einer Schizophrenie verbunden mit erheblichem Drogenkonsum. Angelov sprach von Cannabis- und Amphetaminmissbrauch. Allerdings schloss der Facharzt für Psychiatrie nach seiner Begutachtung des Beschuldigten eine drogeninduzierte Psychose aus. Der Beschuldigte litt nach Auskunft des Gutachters zunehmend an paranoiden Wahnvorstellungen, zumal er auch seine Medikamente abgesetzt hatte. Russlands Präsident Putin habe ihm eine Frau versprochen, er werde überwacht, Bundeskanzlerin Merkel wisse alles über ihn. Insbesondere von Menschen aus dem Iran fühlte er sich verfolgt und bedroht. Sein späteres Opfer habe versucht, ihn mit Medikamenten oder Drogen zu vergiften, die er ihm mit Tee verabreicht habe, lautete eine der Wahnvorstellungen. Am Ende, so Richter Oehm, habe für den 25-Jährigen festgestanden: er oder ich.

Derzeit ist der 25-Jährige in der Psychiatrie in Hadamar untergebracht. Dort wird er nach Ansicht des Gerichts bleiben, bis er keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellt. Dafür aber müsse er erkennen, so Richter Oehm, dass er krank sei und ein Leben lang Medikamente gegen die schizophrene Psychose nehmen müsse. Dies sei nicht leicht, denn der Beschuldigte habe keine Schulbildung und die Sprachbarriere erschwere den Prozess zusätzlich. Er wird in Hadamar erst einmal Deutsch lernen müssen – die Klinik sei darauf eingerichtet, hieß es in dem Prozess.

Der Beschuldigte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen. Das Urteil ist rechtskräftig, denn der 25-Jährige wird nicht in Revision gehen.

Von Uwe Badouin

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