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Hinterland Ruhestand mit bitterem Beigeschmack
Landkreis Hinterland Ruhestand mit bitterem Beigeschmack
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15:00 21.07.2019
Die letzten Akten auf seinem Schreibtisch müssen noch abgearbeitet werden – doch dann ist für Eberhard Scholl Schluss mit dem Job als Schulleiter der LTS Biedenkopf. Quelle: Sascha Valentin
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Biedenkopf

37 Jahre lang war Dr. Eberhard Scholl am Gymnasium Lahntalschule (LTS) tätig, davon 16 als Schulleiter oder dessen Stellvertreter. Dass der Abschied Scholls nicht ganz geräuschlos verlief, lag auch daran, dass es zuletzt Differenzen zwischen ihm und dem staatlichen Schulamt gab.

Scholl selbst hätte seine Dienstzeit gerne noch um ein Jahr verlängert. „Ein Schulleiterwechsel ein Jahr später wäre sinnvoller gewesen, weil dann G8 komplett abgewickelt gewesen und auch noch einige laufende Baumaßnahmen weitgehend abgeschlossen wären“, erklärt er.

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Doch Schulamt und Kultusministerium verwehrten ihm seinen Wunsch. „Sie meinten, dass es dafür kein dienstliches Interesse gebe“, erzählt Scholl. So bekommt sein Ausscheiden aus dem Dienst nach 43 Jahren einen leicht bitteren Beigeschmack, „aber Abschied nehmen tut nun auch mal ein bisschen weh“, gibt er zu.

Stolz auf die Entwicklung der Schule

Vor allem die Begegnungen mit den Menschen werde er vermissen. „Mich haben morgens, wenn ich unser Gebäude betreten habe, viele erwartungsvolle Kinderaugen begrüßt. Das hat mir immer wieder neuen Mut gemacht, diese Arbeit zu tun“, sagt er. Dabei habe er immer versucht, Schule nicht nur zu verwalten, sondern auch zu gestalten und sie dadurch zukunftsfähig zu machen.

So war Scholl von 1987 bis 2003 auch erster pädagogischer Leiter des Schulbiologiezentrums des Landkreises, das an der LTS untergebracht ist, und versuchte in dieser Funktion, den Schülern die Gesichtspunkte der Umweltbildung zu vermitteln. „Was man kennt und schätzt, ist man auch bereit, zu schützen“, erklärt er seine Motivation dazu.

Über die Jahre habe es so viele Entwicklungen gegeben, die zu einer hohen Akzeptanz der LTS in der Region geführt hätten, sagt Scholl und hebt etwa die Vielzahl verschiedener Bildungsschwerpunkte wie Sport, Musik oder Fremdsprachen hervor.

Anders als Schulen im städtischen Umfeld, wo es per se ein größeres Bildungsangebot gebe, müssten die Schulen auf dem Land dafür sorgen, diese Angebote im Sinne der Schüler zu bündeln und ihnen zugänglich zu machen. Denn Schüler bräuchten nicht nur Leitlinien und Vorbilder, sondern auch Vielfalt, um sich entfalten zu können. Deswegen freut sich Scholl auch, wenn der LTS von außen bestätigt werde, „dass sie eine gute Atmosphäre hat, die sich der Probleme der Kinder annimmt“.

Scholl wird seine Aufgabe als Lehrer und Schulleiter vermissen

Genau darum gehe es im Bildungswesen: „Die Schüler müssen merken, dass man sie wahrnimmt und sich für sie interessiert.“ Er habe einmal einem Schüler einfach nur gesagt, dass bei ihm noch mehr drin sei, erinnert sich Scholl. Danach habe der sein schulisches Engagement merklich gesteigert und seine Leistungen deutlich verbessert.

Wie es mit der Pädagogik an den Schulen weitergeht, kann sich Scholl angesichts aktueller Büchertitel wie „Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?“ oder „Deutschland verdummt – Wie das Bildungssystem die Zukunft unserer Kinder verbaut“ nur schwer vorstellen.

Doch seinen Kollegen gibt er mit auf ­ihren weiteren Weg, sich Neuem nicht zu verschließen, ihm aber auch nicht auf Gedeih und Verderb nachzujagen. „Seien Sie achtsam in dem, was sie tun, und hinterfragen Sie den Nutzen“, sagt er.
Auch wenn Scholl seine Aufgabe als Lehrer und Schulleiter vermissen wird, so freut er sich doch auch auf das, was vor ihm liegt.

„Ich werde jetzt endlich mal Zeit für andere Dinge haben und diese auch zu Ende bringen zu können, ohne immer von den Anforderungen des Berufs unterbrochen zu werden“, lacht er. Liebgewonnenes hinter sich lassen zu können und sich daran zu erinnern, während man sich neuer Aufgaben widmet – das mache schließlich das ­Leben aus.

von Sascha Valentin