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Hinterland Kreditgeschäft wächst besonders gut
Landkreis Hinterland Kreditgeschäft wächst besonders gut
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18:55 11.02.2015
Von Astrid Schmidt
Der Vorstand der Sparkasse Marburg-Biedenkopf Rolf Zährl (von links), Vorsitzender Andreas Bartsch und Norbert Höpp, der das Unternehmen zum 31. März verlässt, präsentierten die Bilanz des heimischen Kreditinstituts. Foto: Anna Ntemiris
Der Vorstand der Sparkasse Marburg-Biedenkopf Rolf Zährl (von links), Vorsitzender Andreas Bartsch und Norbert Höpp, der das Unternehmen zum 31. März verlässt, präsentierten die Bilanz des heimischen Kreditinstituts. Quelle: Anna Ntemiris
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Marburg

Auch wenn die Zinsentwicklung sich immer noch auf dem Tiefstand bewegt: Die Kunden bringen ihr Geld weiter fleißig zur Sparkasse Marburg-Biedenkopf. „Denn bei uns ist es gut aufgehoben“, besser als in dubiosen Banken im Ausland oder unter dem Kopfkissen, erklärt der Marburger Sparkassenvorstandsvorsitzende Andreas Bartsch. Das heimische Kreditinstitut ist mit der Bilanz für 2014 mehr als zufrieden. Die Bilanzsumme kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 47,4 Millionen Euro oder 1,5 Prozent auf rund 3,22 Milliarden Euro.

Zuwächse verzeichnete die Sparkasse auch im Einlagengeschäft. Der Bestand stieg um zwei Prozent. Rund 3,1 Milliarden Euro Kundengeld betreut die Sparkasse Marburg-Biedenkopf nun insgesamt. Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus legen Sparer ihr Geld nicht langfristig an, sondern bevorzugen beispielsweise Tagesgeldkonten - dieser Bereich stieg um rund elf Prozent.

Bartsch hob besonders das Wachstum im Immobilien-Kreditgeschäft von 6,2 Prozent hervor. „Darauf sind wir stolz“, sagte er, auch wenn diese Entwicklung wiederum mit den niedrigen Zinsen zusammenhänge. Die Investition in die eigenen vier Wände sei nach wie vor beliebt.

467 Millionen Euro an neuen Darlehen

Ein Plus gab es beim Kreditgeschäft allgemein. Die heimischen Banker bewilligten Darlehen mit einem Volumen von insgesamt 467,3 Millionen Euro. Davon entfielen rund 66 Prozent auf private Haushalte, den Rest nutzten Unternehmen und Kommunen. Zudem wurden 8238 Kontokorrentkredite neu vergeben, verlängert oder aufgestockt. Der Gesamtbestand der Kredite und Darlehen wurde um 3,1 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro gesteigert.

Das Jahresergebnis fließt auch in die Region zurück, erklärt der Vorstand: 4,7 Millionen Euro werden für gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet.

16,5 Millionen Euro flossen an Steuern an das Finanzamt. Und die Sparkasse investierte auch in ihre eigenen Gebäude, so wurden im vergangenen Jahr die Filialen in Neustadt und Gladenbach renoviert sowie die Tiefgarage am Hauptgebäude in der Wilhelmstraße erneuert.

„Unterschied zu Drückerkolonnen“

Die Sparkassenberater vermittelten im vergangenen Jahr mehr Bausparverträge und Versicherungen. Die Senkung des Garantiezinses zum 1. Januar 2015 sei der Hauptgrund dafür, dass viele Kunden 2014 eine Lebensversicherung abschlossen - das Geschäft damit stieg um rund 57 Prozent. „Ein Sondereffekt“, so Vorstandsmitglied Rolf Zährl. Getrübt werde die positive Stimmung durch die ständig wachsenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Um die Bestimmungen und Regularien der Behörden zu erfüllen, müssten Sparkassen genauso wie Großbanken viel Zeit, Kosten und Personal investieren.

„Das trifft uns und die Genossenschaftsbanken besonders“, kritisierte Bartsch, denn diese heimischen Kreditinstitute würden risikoarme Geschäftsmodelle entwickeln und diesen den Bedürfnissen und Zielen der Menschen in der Region anpassen. „Im Unterschied zu den Schattenbanken und Drückerkolonnen wie der DVAG“, sagte Bartsch.

Halte die Niedrigzinsphase weiter an, kommen die regionalen Institute zunehmend unter Druck, sagt Bartsch. „Dennoch, wir halten alles aus was kommt“, so der Vorstandschef optimistisch. Das Vertrauen der Menschen in „ihre“ Bank und die Mitarbeiter vor Ort werde auch im Jahr 2015 zu einem Wachstum in Kredit-, Einlagen- und Wertpapiergeschäft führen. Ein „moderates“ Wachstum sei dabei Ziel, „wir wollen keine Luftnummern an den Kapitalmärkten“, so Bartsch.

Das betonte auch Norbert Höpp, der nach zwölf Jahren zum letzten Mal gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen die Bilanz präsentierte. Er wird das Unternehmen zum 31. März verlassen (die OP berichtete). Auf Anfrage der OP erklärte Bartsch, dass das Auswahlverfahren für die Nachfolge laufe. Es gäbe bereits viele externe und interne Bewerber. Der Verwaltungsrat werde über die Neubesetzung entscheiden.

von Anna Ntemiris