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Hinterland Prozess für Familie Ermagan beginnt
Landkreis Hinterland Prozess für Familie Ermagan beginnt
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07:58 17.02.2020
Mehrere Fernsehsender, darunter auch SAT1, drehten auf dem kontaminierten Grundstück von ­Familie Ermagan in Wommelshausen-Hütte.  Quelle: Archivfoto: Silke Pfeifer-Sternke
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Schlierbach

Die vierköpfige Familie Ermagan hatte einen Traum: ein Einfamilienhaus in der Ortsrandlage ihrer Heimatgemeinde Bad Endbach. Im Dezember 2014 setzten Süheyla und Habib Ermagan ihre Unterschrift unter den Kaufvertrag für eigenen Grund und Boden in Wommelshausen-Hütte.

Dass sich der Traum vom Eigenheim zu einem Albtraum entwickelt, hätten sie damals nicht gedacht. Mittlerweile sitzen sie auf einem Schuldenberg von 100.000 Euro und einem mit Altlasten kontaminierten Grundstück.

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Ermagans Schicksal erregte bundesweit Aufsehen

Das Schicksal der vierköpfigen Familie erregte bundesweit mediale Aufmerksamkeit. Mehrere Fernsehsender berichteten über das Schicksal der Schlierbacher Familie. 

Am Montag beginnt der Prozess vor dem Amtsgericht Biedenkopf gegen die Verkäuferin. Ihr wird von der Staatsanwaltschaft Betrug vorgeworfen. Der Zivilprozess auf Schadensersatz ist auf Mitte des Jahres geschoben. Die Ermagans klagen auch gegen die Gemeinde Bad Endbach, weil in der Stellungnahme zur Bauanfrage eine mögliche Belastung des Grundstücks nicht gekennzeichnet war, obwohl per Gesetz ein Altlastenkataster zu führen ist.

Das Drama nahm seinen Anfang, als bei Erdarbeiten Ölrückstände gefunden wurden. Wie sich herausstellte besitzen Ermagans ein Grundstück, auf dem früher eine Heizölfirma ihre Tanks lagerte und auf dem die Deutsche Bahn Bahnschwellen tauchte. Noch bevor die Baugrube ausgehoben wurde, zahlten Ermagans 16.000 Euro für die Entsorgung der kontaminierten Erde.

Doch damit nicht genug: Im Erdaushub fanden sich dann noch Bauschutt, Teppiche, Eternitbruchstücke, Kohle, Schlacke, Gießereialtsand, Metallschrotte, Glas und Kunststoffe. Das Regierungspräsidium Gießen stufte die fein verteilten Bruchstücke von Asbest-Faserbeton (Eternit) als gefährlichen Abfall ein. Da Ermagans das Grundstück gehört, sind sie für die Entsorgung des Sondermülls verantwortlich.

Bürgermeister sagte Grundstückstausch ab

Eine Lösung schien in Sicht als Altbürgermeister Markus Schäfer (CDU) Ermagans ein 500 Quadratmeter großes städtischen Grundstück zum Tausch gegen das dreimal so große Bauland anbot. Es war eigentlich alles schon unter Dach und Fach, doch dann kam der nächste Rückschlag: Kurz vor dem Notar-Termin sagte Schäfers Nachfolger Julian Schweitzer (SPD) den Tausch per E-Mail ab.

Schweitzer vertrat auf Anraten des Hessischen Städte- und Gemeindebunds die Auffassung, dass zunächst die Schuldfrage geklärt werden müsse – notfalls gerichtlich. Ein Grundstückstausch käme einem Schuldgeständnis gleich, sagte er im Januar 2019 im Gespräch mit der OP.

Schweitzer argumentierte damit, dass es durch den Grundstückstausch nicht sicher sei, welche Kosten auf die Gemeinde zukommen, die dann als Eigentümerin für die Entsorgung der belasteten Erde zu sorgen habe. Auch gegen die Gemeinde haben Ermagans Klage eingereicht.

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von Silke Pfeifer-Sternke

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