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Hinterland Kleine Schritte bei der Sackpfeife
Landkreis Hinterland Kleine Schritte bei der Sackpfeife
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10:00 06.04.2022
Dass die alte Sommerrodelbahn und der Lift auf der Sackpfeife noch mal in Betrieb gehen, ist unwahrscheinlich.
Dass die alte Sommerrodelbahn und der Lift auf der Sackpfeife noch mal in Betrieb gehen, ist unwahrscheinlich. Quelle: Mark Adel
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Biedenkopf

Die Stadt ändert die Marschrichtung für die Sackpfeife. Das Parlament berät über ein neues Stufenkonzept für das Freizeitzentrum. Darin rücken teure Projekte wie der Bau einer Ganzjahresrodelbahn nach hinten. Vorrang sollen kleinere, naturnahe und günstigere Projekte haben. Beim Thema Berggaststätte ändert die Mehrheit der Fraktionen ihre Meinung.

Das alte Stufenkonzept für die Sackpfeife aus 2019 wurde von der Realität überholt. Dass die Stadt in absehbarer Zeit genug Geld für teure Freizeitanlagen haben wird, davon spricht nach zwei Jahren Pandemie und angesichts des Ukraine-Krieges niemand mehr. Auch 2022 bleibt die Sommerrodelbahn zu. Die mehr als 40 Jahre alte Anlage fit für die Saison zu machen, ist zu teuer. Die Stadt Biedenkopf plant dieses Jahr, den Kinderspielplatz auf der Sackpfeife für einen fünfstelligen Betrag neu zu gestalten.

Ergebnisse aus Arbeitsgruppen liegen vor

Seit Juni 2021 haben Vertreter aller Biedenkopfer Fraktionen in einer Arbeitsgruppe überlegt, wie es weitergehen kann. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Sie spricht sich dafür aus, „dass in die Bestandsbauten des Freizeitzentrums keine Investitionen mehr getätigt werden“ – was bedeutet, dass die alte Rodelbahn geschlossen bleibt.

Erster Schritt bleibt die Erstellung eines Bebauungsplans. Diese erste Stufe des neuen Konzepts soll 2023 angegangen werden. In Stufe 2 sind viele kleinere naturnahe Projekte vorgesehen – ohne konkrete Termine. Ein Themenwanderweg – zum Beispiel unter dem Motto „Der kleine Rothaar“ – könnte entstehen. Auch ein Erlebnisweg, bei dem über einen Audio-Guide Informationen zu einem Thema gegeben werden, ist im Gespräch.

In Zusammenarbeit mit Schulen und dem Forstamt könnte ein außerschulischer Lernort aufgebaut und ein drei bis vier Kilometer langer Barfußpfad angelegt werden. Die Beschilderung der Wanderwege, die Installation von Fahrradständern, E-Bike-Ladestationen und einem Verkaufsautomaten mit regionalen Produkten sowie die Einrichtung zweier Wohnmobilstellplätze sind weitere Punkte auf der Stufe-2-Liste.

Auch der Umbau der alten Scooter-Anlage zu einem Pump-Track für Mountainbiker und eine Vergrößerung des Kinderspielplatzes werden diskutiert. Veranstaltungen wie Open-Air-Kino, Konzerte oder Wildnis-Camps sind ebenfalls angedacht.

Alle teuren Großprojekte finden sich – ohne Terminierung – weit hinten im neuen Konzept: Errichtung eines Naturlehrhauses, einer Holzkugelbahn, einer Rutschenbahn und einer Spielgolfanlage. In Stufe 4 folgen der Rückbau von Sessellift und Rodelbahn, Bau von Ganzjahresrodelbahn und Kletterturm. In Stufe 3 ist auch der Bau einer neuen Berggaststätte vorgesehen. Bis dahin soll ein Imbisswagen als Übergangslösung auf der Sackpfeife stehen.

Bislang kein Pächter für Gaststätte gefunden

2018 hatte sich das Parlament für einen Gaststätten-Entwurf ausgesprochen: Der Neubau sollte 1,38 Millionen Euro kosten. Voraussetzung war, dass vor Baubeginn ein Pächter gefunden wird, und dass der städtische Anteil an den Baukosten 750 000 Euro nicht überschreitet. Der Rest der Baukosten sollte aus Versicherungsleistungen und Zuschüssen finanziert werden.

Bis heute hat die Stadt aber keinen Pächter gefunden. Und Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) ist da pessimistisch. Auch ZfB, CDU, SPD, UBL, FDP und die Grünen – also fast alle Parlamentsfraktionen – sprechen sich dafür aus, den 2018er Gaststätten-Beschluss komplett aufzuheben.

Die sechs Fraktionen wollen von der Bedingung, vor Baubeginn einen Pächter finden zu müssen, abrücken. Und: Sie stellen den bisher vorliegenden Architekten-Entwurf infrage. „Die vergangenen Sitzungen der AG Sackpfeife haben gezeigt, dass mehrheitlich ein einfacheres und günstigeres Angebot auf der Sackpfeife bevorzugt wird“, erklären die Fraktionen in ihrem Antrag.

Einzig der BB ist dagegen, den 2018er Gaststätten-Beschluss zu kippen. Fraktionschef Michael Miss weist darauf hin, dass mit dem Beschluss auch die Deckelung der städtischen Kosten aufgehoben würde. Das sei mit dem BB nicht machbar. Miss schlug vor, wieder einen Höchstbetrag – zum Beispiel 500 000 Euro – für den städtischen Kostenanteil festzulegen. Dem folgten die anderen Fraktionen aber nicht.

Am Ende sprach sich der Bauausschuss einstimmig für das neue Sackpfeifen-Stufenkonzept aus. Mit deutlicher Mehrheit ist der Ausschuss zudem dafür, den Berggaststätten-Beschluss von 2018 aufzuheben. Die Entscheidung trifft das Stadtparlament am Donnerstag, 7. April, ab 18.30 Uhr im Rathaus.

Bürgermeister Thiemig gab den Fraktionen mit auf den Weg: „Wir müssen uns darüber klar werden, wie groß der Gastronomiebereich sein soll.“

Von Susan Abbe