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Hinterland Hoffnung auf Einvernehmen schwindet
Landkreis Hinterland Hoffnung auf Einvernehmen schwindet
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18:52 04.08.2020
Die Vertreter der Zählgemeinschaft aus SPD und Freien Wählern (von links) Helmut Brück, Robby Jahnke, Armin Becker und Klaus-Dieter Knierim präsentierten am Dienstag die Idee zum Umbau des alten Bahnhofs (im Hintergrund) in eine Kindertagesstätte. Bei den Oppositionsfraktionen kommt das nicht gut an, weil es eine Idee des Bürgermeisters ist. Quelle: Michael Tietz
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Gladenbach

Alle Fraktionen der Gladenbacher Stadtverordnetenversammlung möchten die Kinderbetreuung in der Stadt zukunftssicher gestalten. Alle verkünden, darüber mit den anderen Fraktionen offen debattieren und möglichst eine gemeinsame Lösung finden zu wollen. Doch Äußerungen nach dem Bekanntwerden der Lücke von rund 100 Betreuungsplätzen deuten darauf hin, dass es mit der Einvernehmlichkeit schwierig werden könnte.

Während Vertreter der Zählgemeinschaft aus SPD und Freien Wählern (FW) bei einem Pressetermin am Dienstagabend monierten, dass CDU und Grüne bereits Liegenschaften als mögliche Objekte nannten, die nicht im Besitz der Stadt sind, was zu steigenden Preisen führen würde (die OP berichtete), stößt bei CDU und Grünen auf, dass die Zählgemeinschaft am selben Abend einen möglichen Umbau des alten Bahnhofsgebäudes zu einer dreigruppigen Kindertagesstätte als ihre Idee präsentierte.

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„Das ist eine Idee des Bürgermeisters“, stellt Edmund Zimmermann klar. Wie der Fraktionsvorsitzende der Grünen äußert sich auch der CDU-Stadtverordnete Marc Bastian. Der fraktionslose Bürgermeister Peter Kremer habe diesen Vorschlag in der vergangenen Woche im Ältestenrat gemacht und alle Fraktionen darum gebeten, darüber nachzudenken. Dies haben offensichtlich alle getan. Diese Möglichkeit müsse „auf jeden Fall geprüft werden“, sagt zum Beispiel Zimmermann. Denn die Stadt verfüge nicht über viele freie Flächen oder Gebäude in ihrem Besitz.

Die Gladenbacher CDU begrüßt, dass nun alle Fraktionen Vorschläge machten, und „ist generell für alle Varianten offen“, meint Marc Bastian. Wie und wo eine neue Kindertagesstätte entstehe, müsse im Parlament beraten werden. Das Umsetzen könne aber erst erfolgen, „wenn die Kosten- und Machbarkeitsfragen geklärt sind“.

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende äußert sich trotz der Misstöne zuversichtlich, dass „alle am selben Seil in eine Richtung ziehen“. Zimmermann hat jedoch Zweifel an einer gemeinsamen Lösung. Zu diesem Schluss komme er, wenn er zum Beispiel lesen müsse, dass die Zählgemeinschaft bis zur Kommunalwahl im nächsten Jahr alles durchsetzen wolle. Der CDU- und der Grünen-Vertreter betonen aber, offen für Gespräche zu sein.

Das taten auch die Spitzen von FW und SPD am Dienstagabend. Marc Bastian plädiert gar für einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen. Er setzt dabei auf Gespräche, die in den vergangenen Jahren mit führenden Fraktionsmitgliedern der Zählgemeinschaft stattfanden, als die Defizite schon bekannt waren.

Über die Zuspitzung des Mankos in der Kinderbetreuung informierte Bürgermeister Peter Kremer die Fraktionsvorsitzenden während der Sitzung des Ältestenrats am 1. Juli, präsentierte am Donnerstag, 23. Juli, konkrete Zahlen zu Auslastung und fehlenden Plätzen in den sechs Kindertagesstätten der Stadt. Dabei schlug Kremer den Fraktionsvorsitzenden vor, das Bahnhofsgebäude als möglichen Standort zu überdenken. Als Vorteile werden von mehreren Seiten genannt: gut erreichbar, viel Platz und auch Parkraum, Busanbindung ab dem nächsten Jahr, Zuschüsse des Denkmalschutzes für den Umbau und womöglich auch aus anderen Töpfen, kein Grunderwerb nötig.

Von Gianfranco Fain

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