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Hinterland Los entscheidet über Autoscooter
Landkreis Hinterland Los entscheidet über Autoscooter
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06:45 22.11.2018
Das Fahren im Autoscooter ist für den Kirschenmarkt 2019 gesichert. Nach einer gerichtlichen Vereinbarung zwischen Schausteller Herbert Kreuser und der Stadt Gladenbach drohen gegen die Auswahl der Stadt keine Klagen mehr. Quelle: Thorsten Richter
Gladenbach

Nach zwei Terminen mit zwei Güterichtern am Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel willigten am Mittwoch die Vertreter der Stadt Gladenbach und der im Stadtteil Diedenshausen ansässige Schausteller Herbert Kreuser im Streit um die Teilnahme am Kirschenmarkt in eine gütliche Einigung ein.

Diese kippt nach OP-Informationen das ganze bisherige Auswahlverfahren, das hauptsächlich für die Bewerbungen um den Autoscooter-Standplatz betrieben wurde. Dem Ergebnis der Mediation zufolge bleibt nur der Probeaufbau der Fahrgeschäfte bestehen. Damit will die Stadtverwaltung sicherstellen, dass die Autoscooter der auszuwählenden Bewerber auch tatsächlich problemlos auf den traditionellen Standplatz passen. Die restlichen Auswahlkriterien wie Zustand der Fahrzeuge, Beleuchtung oder optischer Eindruck entfallen.

Deutschlandweit wohl einmaliger Probeaufbau

Stattdessen gibt es ein Losverfahren unter notarieller Aufsicht unter allen Bewerbern, die einen Probeaufbau absolvierten. Diese Pflicht gilt aber nur für Neubewerber, erklärte Hauptamtsleiterin Bianka Möller-Balzer schon vor einiger Zeit unabhängig vom jetzigen Beschluss. Das heißt: Wer schon einmal auf dem Platz stand oder am Probeaufbau teilnahm, ist davon befreit. Das trifft bisher nur auf Kreuser mit seinem Zwei- und dem Acht-Säulen-Autoscooter zu sowie dem Zwei-Säuler von Sascha Kalbfleisch, der bis zu diesem Jahr in einer gemeinsamen Gesellschaft mit seinem Schwager und Generalpächter Konrad Ruppert den Autoscooter aufstellte.

Bisher gingen Kalbfleisch/Ruppert aus Bad Wildungen bis auf einmal immer als Sieger aus dem Auswahlverfahren hervor. Nur im Jahr 2017 war das nicht der Fall, als der Westfale Thomas Hammecke gewann. Sein Fahrgeschäft war aber trotz gegenteiliger Beteuerungen zu groß, der Umlauf ließ sich nicht vollständig ausklappen und auch Äste von Bäumen wurden gekappt. Das führte zum vielbeachteten, weil deutschlandweit wohl einmaligen Probeaufbau.

Doch wer auch immer im Auswahlverfahren siegte – Kreuser ging gerichtlich gegen die Bewertungen der Stadt vor. Die Verfahren gingen jeweils über zwei Instanzen der Verwaltungsgerichte, mal obsiegte die Stadt vor dem Verwaltungsgericht in Gießen, dafür Kreuser vor der letzten Instanz, dem VGH in Kassel, oder anders herum.
Das war jedes Jahr kurz vor Beginn des größten Volksfestes der Region nervenaufreibend für die Verantwortlichen der Stadt, band durch das Auswahlverfahren und die juristischen Auseinandersetzungen viel Arbeitszeit – Bürgermeister Peter Kremer sprach einmal von Hunderten Stunden – und auch Geld. Insgesamt um einen hohen fünfstelligen Betrag geht es, der durch die noch offenen Verfahren anfallen könnte. Dies ist nun Geschichte.

Kreuser optimistisch, Ruppert sieht keine Zukunft

Im Gegenzug für das für ihn aussichtsreichere Losverfahren willigte Kreuser ein, alle offenen Rechtsstreitigkeiten zurückzu­ziehen. Dabei handelt es sich um drei Berufungen zu Zulassungsverfahren vor dem VGH, ein noch offenes Verfahren um die Vergabe der Generalpacht – ebenfalls vor dem VGH – sowie eine Nichtzulassungsbeschwerde, die beim Bundesgerichtshof anhängig ist.

„Jetzt ist endlich Schluss mit der Klagerei“, sagt Herbert Kreuser. Er sei froh, dass eine gütliche Einigung zustande kommt und könne mit dem Ergebnis der von den VGH-Richtern initiierten Mediation leben. Nun könne es beim Kirschenmarkt endlich wieder darum gehen, worauf es ankomme, nämlich den Menschen ein unbeschwertes, heiteres Fest zu bieten.

Das ist Generalpächter Ruppert allerdings verdorben. Er habe zwar Verständnis für die Stadt, die in die Enge getrieben sei, doch „das Losverfahren ist eine ganz schlechte Lösung“, sagt er auf Anfrage. „Das kann nicht die Zukunft sein“, meint Ruppert, denn ein Losverfahren biete den Schaustellern keine Planungssicherheit, erschwere
zum Beispiel das Verhandeln mit den Banken.

Weder Bürgermeister Peter Kremer noch die Hauptamtsleiterin Möller-Balzer waren gestern am späten Nachmittag für eine Stellungnahme zu erreichen. Sie vertraten die Stadt auch gestern in der Mediation, nachdem der Magistrat die in der vergangenen Woche von den Richtern vorgeschlagene Lösung billigte.

Mehr als 100 Bewerber für Kirschenmarkt 2019

Nun kann auch die Ausschreibung für den Kirschenmarkt 2019 erfolgen. Diese lag offensichtlich wegen der laufenden Mediation auf Eis. Hauptamtsleiterin Bianka Möller-Balzer erklärte der OP vorige Woche ohne Angabe von Gründen nach der noch nicht erfolgten Ausschreibung, dass man durchaus noch im Rahmen sei. Es sei schon einmal eine Ausschreibung im Dezember
erfolgt.

Die jetzige werde noch dieses Jahr im Amtsblatt und auf der Homepage der Stadt veröffentlicht. Ganz unabhängig davon lägen der Stadt schon mehr als 100 Bewerbungen vor, darunter eine Handvoll für den Autoscooter-Standplatz.

von Gianfranco Fain