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Hinterland Prozess wird neu aufgerollt
Landkreis Hinterland Prozess wird neu aufgerollt
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08:00 16.09.2019
Die beiden Angeklagten betreten den Gerichtssaal. Da der Bundesgerichtshof das Urteil des Landgerichts aus dem Februar 2018 aufhob, muss das Verfahren erneut aufgerollt werden. Quelle: Nadine Weigel
Gladenbach

Die dritte Strafkammer des Marburger Landgerichts verurteilte im Februar des vergangenen Jahres zwei aus Hohenahr und Kassel stammende Schalke-Fans nach Jugendstrafrecht zu einer viereinhalbjährigen Haftstrafe wegen versuchten Mordes. Sowohl die Verteidiger der Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft riefen daraufhin die Revision beim Bundesgerichtshof an. Dieses hob in diesem Frühjahr das Urteil auf und verwies es an eine andere Kammer des Marburger Landgerichts zurück.

Nun befasst sich die erste­ Strafkammer mit dem Fall, der für bundesweites Aufsehen sorgte. Die Tat geschah während des Kirschenmarktes 2017, als drei junge Männer aneinandergerieten. Die beiden angeklagten Schalke-Fans sollen einen 22-jährigen Anhänger des Teams von Borussia Dortmund, der aus der Gemeinde Bischoffen im benachbarten Lahn-Dill-Kreis stammt, schwer verletzt haben.

Der Tat voraus ging laut Anklage eine Aktion am 1. März 2017 anlässlich eines Fußballspiels in München, als einer der Angeklagten einem Fan der gegnerischen Mannschaft ­gewaltsam seinen Fanschal abnahm. In Folge dieser Aktion soll sich der Angeklagte den herbeigerufenen Polizisten gewaltsam widersetzt haben.

Während des Gladenbacher Kirschenmarktes im Juli desselben Jahres sollen die beide Angeklagten den Bischoffener in den frühen Morgenstunden geschlagen und getreten haben. Die Kontrahenten trafen später erneut aufeinander, wobei es wieder Schläge und Tritte gab. Einer der Angeklagten soll das mutmaßliche Opfer durch einen heftigen Tritt gegen den Oberkörper zu Fall gebracht und dabei die Verursachung tödlicher Verletzungen in Kauf genommen haben.

Als der Bischoffener auf dem Boden lag, soll der zweite Angeklagte diesen unter Inkaufnahme tödlicher Verletzungen gegen den Kopf getreten haben. Die beiden Angeklagten befinden sich seit der Tat in Untersuchungshaft.

Richter Thomas Wolf sah einen niederen Beweggrund, der zur Tat führte. Das Opfer erlitt unter anderem einen Schädelbruch und Schwellungen des Hirns und schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Im ersten Prozess plädierten die Verteidiger auf Bewährungsstrafen und gingen nach dem Urteil in Revision. Nun wird der Fall neu aufgerollt, das bedeutet, dass erneut alle 20 Zeugen und drei Sachverständige zu hören sind.

  • Der Prozess beginnt am Montag, 16. September, um 9 Uhr im Saal 101 des Landgerichts und soll nach drei weiteren Terminen am 15. Oktober enden.

von Gianfranco Fain