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Hinterland Neue Idee für alten Bahnhof
Landkreis Hinterland Neue Idee für alten Bahnhof
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10:56 02.08.2020
Im ehemaligen Bahnhofsgebäude der Stadt Gladenbach könnte ein Kindergarten entstehen. Quelle: Michael Tietz/Archiv
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Gladenbach

„Es brennt“, so umschreiben die Vertreter der Zählgemeinschaft von SPD und Freien Wählern (FW) in der Gladenbacher Stadtverordnetenversammlung die Situation der Prognosen zu den Kindergartenplätzen in der Kernstadt.

Die vom parteilosen Bürgermeister Peter Kremer vorige Woche im Ältestenrat vorgelegten Zahlen sprächen eine deutliche Sprache. Es müsse jetzt gehandelt werden, um auch in den nächsten Jahren der gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen, für jedes Kind im Alter von 0 bis 6 Jahren einen Krippen- beziehungsweise Kindergartenplatz zur Verfügung zu stellen.

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Der Erste Stadtrat Armin Becker, der derzeit den Bürgermeister vertritt, findet es gut, dass die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung nun die Möglichkeit haben, das Thema zu diskutieren und gemeinsam eine Lösung zu finden. Bisher, so der Sozialdemokrat, haben die Kommunalpolitiker nämlich auf einen Vorschlag der Verwaltung warten müssen.

Dennoch hat die jetzige Situation für Becker auch Unerfreuliches: CDU und Grüne nannten schon mögliche Liegenschaften, die allerdings noch in Privatbesitz sind. Sollte es zu einem Kauf kommen, führe das zwangsläufig zu steigenden Preisen und das „ist für die Stadt total schädlich“, sagt Becker.

Bahnhof ist seit 1998 ungenutzt

Klaus-Dieter Knierim, ehemaliger CDU-Bürgermeister der Stadt und jetziges Mitglied der Freien Wähler, wertet dieses Vorgehen als „nicht professionell“. Deshalb nenne die Zählgemeinschaft, die zwei Möglichkeiten im Auge habe, nur diejenige Liegenschaft, die schon im Besitz der Stadt ist – das ehemalige Gladenbacher Bahnhofsgebäude.

Der Bahnhof ist seit 1998 ungenutzt, das gesamte Areal kaufte die Stadt im Jahr 2012 auf. Doch mehrere Versuche, das Gebäude zu verkaufen, scheiterten. Zuletzt das Projekt eines Altenpflege-Unternehmens an Problemen mit dem Denkmalschutz und der Aufsichtsbehörde, das Regierungspräsidium in Gießen.

Das Bahnhofsgebäude ist „schwer zu vermarkten“, stellt Becker fest, aber das Eigentum verpflichte die Stadt auch, es zu erhalten und nutzen. Dazu bringe der Denkmalschutz zwar Auflagen, aber auch Zuschüsse mit sich. Und es sei auch zu prüfen, ob noch weitere Fördertöpfe anzuzapfen wären, ergänzt SPD-Fraktionschef Robby Jahnke.

Knierim: Das Geld ist vorhanden

Knierim sieht am Standort Bahnhof lauter Vorteile für einen Kindergarten: Wir brauchen kein Grundstück zu erwerben, es können Wände verrückt werden und es gebe genügend Parkmöglichkeiten. Zudem wird der Standort im nächsten Jahr durch eine Buslinie erschlossen, ergänzt Jahnke. Und der Stadtverordnetenvorsteher Roland Petri (SPD) ist überzeugt: „Das Projekt lässt sich schnell realisieren.“

Der Grundsatzbeschluss könnte nach einem Meinungsaustausch der Fraktionen in der zweiten Sitzung der Stadtverordneten nach der Sommerpause gefasst werden, meint Knierim. Danach könnte umgehend die Planung eingeleitet werden. Geld, um das Projekt zu verwirklichen, sei durch den Verkauf der Grundstücke im Baugebiet Niemczastraße vorhanden.

Kremer: Vorbehalt der Stadt getilgt

Rund 1,2 Millionen Euro nehme die Stadt dort ein, erklärt Becker. In diesem Zusammenhang stellen die Vertreter der Zählgemeinschaft aber auch gleich fest, was es ohne ihre Mehrheit im Parlament nicht geben wird: eine Kindertagesstätte in diesem Baugebiet.

Es sei doch ein Unding, dass ein Teil des Geländes wegen einer angeblich zu hohen Belastung mit Arsen für Kinder ungeeignet sei, nun aber der Bürgermeister eine Kindertagesstätte dort ins Gespräch bringt, ergänzt FW-Vorsitzender Helmut Brück.

Bürgermeister Peter Kremer ließ beim Verkauf der südlichsten Grundstücke ein Vorrecht der Stadt vermerken, damit dort ein Kindergarten gebaut werden könnte. Laut Kremer ist dieser Vorbehalt aber schon wieder getilgt, da es für die Stadtverordneten keine Möglichkeit gegeben hätte, innerhalb der vorgegebenen Frist darüber zu debattieren und eine Entscheidung zu treffen.

Idee wurde im Ältestenrat geboren

Wie die OP berichtete, erklärte die Gießener Aufsichtsbehörde in einem Schreiben, dass das Teil des Gebietes wegen der Schieferablagerung und der Belastung mit dem Gift Arsen für eine Nutzung als Garten- und Kinderspielfläche ungeeignet sei.

Deshalb empfiehlt die RP-Mitarbeiterin einen Bodenaustausch. Diesen hätte die Stadt dann, nach Kremers Vorstellung, auf ihrem Grundstück vorgenommen. Die Zählgemeinschaft teilte als Befürworter des Baugebiets eher die Ansicht des von der Stadt beauftragten Gutachters, als die des RP.

Freuen dürfte sich der Bürgermeister darüber, dass die Zählgemeinschaft nun die von ihm am 23. Juli in der Ältestenratssitzung geäußerten Idee mit dem Bahnhofsgebäude aufgreift und seinen Vorschlag annimmt, darüber in den Fraktionen zu diskutieren.

Von Gianfranco Fain