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Hinterland Keine Chance für E-Tankstelle
Landkreis Hinterland Keine Chance für E-Tankstelle
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15:58 07.09.2021
Eine öffentliche Ladestation wie hier im Einkaufszentrum in Dautphe wird es in Angelburg nicht geben. Sie wurde von CDU und BGL/FWG mehrheitlich abgelehnt.
Eine öffentliche Ladestation wie hier im Einkaufszentrum in Dautphe wird es in Angelburg nicht geben. Sie wurde von CDU und BGL/FWG mehrheitlich abgelehnt. Quelle: Sascha Valentin
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Nun steht es fest: Angelburg wird doch keine kommunale Ladesäule für E-Autos und Fahrräder bekommen. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung stimmte die Mehrheit der Abgeordneten von CDU und BGL/FWG mit zehn zu sieben Stimmen gegen die entsprechende Vorlage des Gemeindevorstandes, die in den vergangenen Monaten immer wieder Gegenstand der Diskussion in den parlamentarischen Gremien war.

Zu Beginn der aktuellen Sitzung informierte Marcus Schwarz (CDU) darüber, dass im Bau- und Umweltausschuss eine Verlegung des geplanten Standorts auf die Seite des Pflege- und Seniorenwohnheims Assmanns Mühle angeregt wurde. Auf diese Weise könnten dort auf gemeindlichen Flächen drei bis vier neue Parkplätze entstehen.

21.300 Euro für den Klimaschutz

Die Mehrkosten für die Verlegung beliefen sich auf rund 500 Euro. Diese kommen dadurch zustande, dass an dem bisherigen Standort gegenüber der Pflegeeinrichtung ein direkter Anschluss an eine Trafostation möglich gewesen wäre. Dieser Zugang müsste auf der anderen Seite erst erstellt werden. Bürgermeister Thomas Beck (SPD) machte dabei deutlich, dass der Förderantrag, den die Gemeinde 2018 für den Bau einer E-Ladesäule gestellt habe, zwar im November dieses Jahres auslaufe, das Geld aber nicht verloren sei, wenn der Antrag erst später umgesetzt werde. „Dann muss nur ein neuer Antrag gestellt werden“, so Beck.

Der Bürgermeister teilte weiter mit, dass die ursprüngliche Fördersumme in Höhe von 15.900 Euro mittlerweile aufgestockt wurde. Demnach stünden der Gemeinde nun 21.300 Euro für Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Klimaschutz zur Verfügung. „Wir könnten also die E-Ladesäule, die rund 12.000 Euro kostet, als Initialprojekt nutzen und zusätzlich noch eine weitere Maßnahme beantragen“, regte er an.

Keinen Sinn am Standort

Nach einer Sitzungsunterbrechung ergriff Julian Schneider (BGL/FWG) das Wort und betonte, dass derzeit weder Sinn noch Nachhaltigkeit in dem Bau einer E-Ladesäule in Angelburg zu sehen sei. „Das würde da Sinn machen, wo sie auch genutzt wird“, ergänzte Jörg Schwarz. Und das sei an dieser Stelle nicht der Fall. Da half es auch nichts, dass Alexander Gerhardt (SPD) darauf verwies, dass der Geschäftsführer von Assmanns Mühle überlege, einen E-Bus für die Einrichtung anzuschaffen, der dann an der Säule neben dem Haus geladen werden könnte. Und auch Wilhelm Düringers (SPD) Hinweis, dass die Gemeinde Angelburg durch den Bau einer E-Ladesäule eine gewisse Vorbildfunktion für Nachhaltigkeit und den Klimaschutz einnehme, fruchtete nicht.

Stattdessen hatte Matthias Beck (BGL/FWG) zuvor noch darauf hingewiesen, dass die Beispiele anderer Gemeinden den Schluss nahelegten, dass Ladesäulen mit einer Bezahlfunktion seltener genutzt werden. „Wer ein E-Auto hat, der hat meistens auch eine Wallbox zu Hause und braucht dann keine Ladestation“, erklärte Beck.

Gegen eine Ladesäule

Schließlich sprach sich auch Eugen Reichwein (CDU) gegen die Ladesäule aus. „Lieber sollten wir uns eine förderfähige Maßnahme aussuchen, die der Gemeinde auch eine Einsparung bringt – zum Beispiel eine Umstellung auf LED-Licht“, sagte Reichwein. Eine E-Ladesäule könne auch zu einem späteren Zeitpunkt noch gebaut werden, wenn die E-Mobilität weiter fortgeschritten sei. Im Haupt- und Finanzausschuss war das Thema kontrovers diskutiert worden. Vom Tisch schien da bereits eine zuvor gewünschte Kombilösung aus E-Bike- und Autoladestation.

Auf Vorschlag von Julian Schneider fasste der Ausschuss keinen Beschlussvorschlag. Stattdessen sollte nach dem Willen des Gremiums ein runder Tisch oder eine Kommission Vorschläge zu energetischen Einsparmöglichkeiten erarbeiten. Und die Gemeindeverwaltung wollte prüfen, ob die Fördermittel für andere Projekte als Ladestationen verwendet werden können. Der Bauausschuss hingegen hatte seinen Beschluss vom Juni erneuert und weiterhin den Bau einer Ladesäule empfohlen, hatte Bürgermeister Beck auf eine Nachfrage der Presse mitgeteilt. Die Mitglieder hätten zuvor den vorgesehenen Standort besichtigt.

Von Sascha Valentin und Mark Adel