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Hinterland Kehlnbach rüstet sich fürs Jubiläum
Landkreis Hinterland Kehlnbach rüstet sich fürs Jubiläum
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12:54 17.10.2021
Öffentliche Bekanntmachungen und weitere Informationen aus Kehlnbach werden nun regelmäßig im neuen Schaukasten im Bushäuschen am Dorfgemeinschaftshaus ausgehängt.
Öffentliche Bekanntmachungen und weitere Informationen aus Kehlnbach werden nun regelmäßig im neuen Schaukasten im Bushäuschen am Dorfgemeinschaftshaus ausgehängt. Quelle: Michael Tietz
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Kehlnbach

Projekte anstoßen, den Zusammenhalt fördern und den Ort attraktiver machen – dazu will der neue „Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft“ in Kehlnbach beitragen. Viele Bürger aus dem kleinsten Gladenbacher Stadtteil begeistern sich für die Initiative. Fast ein Drittel der Einwohner zählt zu den Gründungsmitgliedern.

„Dass diese Idee so einschlägt, hätten wir nicht gedacht. Der Zuspruch zeigt das Interesse an unserem Dorf“, freut sich Ortsvorsteherin Cornelia Strohauer-Müller. Sie lieferte den Anstoß zur Vereinsgründung. Seit 2019 recherchiert sie in Kirchenbüchern und anderen Quellen die Geschichte der Höfe des Ortes und trägt Fotos zusammen. Bei einem Bürgertreffen im Oktober 2020 stellte Strohauer-Müller interessierten Kehlnbachern einen Teil ihrer Ahnenforschung vor und warb für die Idee einer 700-Jahr-Feier, die 2024 anstehen würde. Einige Wochen später leistete sie weitere Überzeugungsarbeit und präsentierte während einer weiteren Versammlung ein Video mit alten Fotos aus dem Dorf.

Die Historie eines Dorfs

„Conni hat das Ganze ins Leben gerufen und uns mit ihrer Arbeit alle ein bisschen infiziert“, sagt Anette Ullrich, Schriftführerin im Ortsbeirat. Über Whatsapp informiert Strohauer-Müller interessierte Kehlnbacher über die neuesten Erkenntnisse ihrer Recherchen. „Die Geschichte von Kehlnbach bietet spannende Aspekte. Man bekommt eine ganz andere Beziehung zum Dorf, wenn man die geschichtlichen Hintergründe kennt“, sagt Ullrich.

Auf viele interessante Entwicklungen stieß Strohauer-Müller während ihrer Arbeit. In einer Grenzbeschreibung von 1703 entdeckte sie, dass es in Kehlnbach einmal einen Wasserfall samt kleinem See gab. Die Wasserfläche verschwand dann aber wieder, weil die Einwohner das Land zum Anbau von Lebensmitteln brauchten, um ihre Existenz zu sichern. Das älteste noch existierende Haus im Ort stammt von 1806.

„Ich habe Kehlnbach schon immer geliebt – aber die Begeisterung und Faszination für unseren Ort wächst gerade stetig“, erzählt die Ortsvorsteherin. Ein erstes Buch mit alten Aufnahmen ist fertig und liegt im Dorfgemeinschaftshaus (DGH) aus. Für einen zweiten Bildband hat sie 700 Fotos gesammelt, die ihr Familien aus Kehlnbach zur Verfügung stellten. „Das sind kleine Schätze“, freut sich Strohauer-Müller.

Einige großformatige Bilder mit Ortsansichten schmücken nun bereits den großen Saal im DGH. In Zusammenarbeit mit einem Heimatforscher erkundet sie derzeit die Flurnamen und deren Bedeutung. Angedacht ist, die Geschichte von Kehlnbach mit vielen Fotos in einem Buch zusammenzufassen. Dieses könnte im Vorfeld der 700-Jahr-Feier erscheinen.

Voriges Jahr einigte sich die Dorfgemeinschaft darauf, auf ein großes Jubiläumsfest zu verzichten. „Wir planen eine kleine Feier für die Kehlnbacher und die Freunde des Ortes“, erzählt Tobias Schwarz, stellvertretender Ortsvorsteher. Schließlich sollte die Dorfgemeinschaft auch etwas von dem Jubiläum haben und nicht rund um die Uhr in Vorbereitungen und Helferdienste eingebunden sein. „Vielleicht können wir auch einige Traditionen wieder aufleben lassen – wie eine Grenzwanderung oder das Brotbacken“, ergänzt Ullrich.

Die Vereinsgründung

Bei einem Bürgertreff im Juni bereiteten die Kehlnbacher die Vereinsgründung vor. Mindestens sieben Bürger waren nötig. Zu der nun einberufenen Gründungsversammlung kamen aber deutlich mehr Interessierte. „Die Resonanz war überwältigend“, betont Ullrich. 31 Kehlnbacher gehören zu den Mitgliedern der ersten Stunde des „Vereins zur Förderung der Dorfgemeinschaft“. Sie wählten Schwarz zum Vorsitzenden und Andreas Pätkau zu seinem Stellvertreter. Das Amt des Kassenwarts übernimmt Tim Renz, Schriftführerin ist Beate Michel. Als Beisitzerinnen komplettieren Mirjam Wiebeck und Heike Schymura den Vorstand.

Das Gremium reichte bereits beim Amtsgericht einen Antrag zur Eintragung ins Vereinsregister ein. Ist diese Formalie vollzogen, planen die Kehlnbacher eine erste kleine „Willkommensfeier“. Diese könnte an der Dorflinde neben dem DGH stattfinden – mit Glühwein und Gegrilltem.

Den kleinen Platz möchte der Ortsbeirat noch ein wenig aufwerten. Dazu beitragen könnte unter anderem eine Sitzgelegenheit. Weitere Ideen für die Gestaltung könnten während der Feier gesammelt werden. „Unser Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, dass wir Projekte zusammen anpacken, das Dorf gemeinsam verschönern und so attraktiver machen können“, erklärt Schwarz. Einen ersten Arbeitseinsatz regte Strohauer-Müller an. Der Saal im DGH könnte nach 30 Jahren einen neuen Anstrich vertragen. „Die gelbe Farbe ist nicht so toll“, merkte die Ortsvorsteherin schmunzelnd an.

Mit viel Eigenleistung wollen die Kehlnbacher auch die Feuerwehr-Räume im Erdgeschoss des DGH neu gestalten. In der Garage soll ein kleines Dorfmuseum entstehen, nebenan könnte ein Gemeinschaftsraum als Treffpunkt für die Generationen eingerichtet werden. Das Projekt soll, so die Idee, zum Großteil über Fördermittel finanziert werden. Diese müsste die Stadt beim Verein Region Lahn-Dill-Bergland beantragen.

Entworfen hat der Vorstand bereits einen Aufnahmeantrag für weitere Interessierte, die dem neuen Dorfverein beitreten wollen. Das Formular soll in Kürze im Ort verteilt werden. Wichtige Informationen aus Kehlnbach finden die Einwohner ab sofort auch im großen Schaukasten, der im Holzhäuschen neben dem DGH angebracht wurde. „Vielen Dank an den Bauhof, der dies so zügig umgesetzt hat“, lobt die Ortsvorsteherin.

Von Michael Tietz