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Hinterland Ein Waschbecken für alle Fälle
Landkreis Hinterland Ein Waschbecken für alle Fälle
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16:58 13.06.2020
Mit einem solchen mobilen Handwaschbecken will Karussellbauer John Heinz nicht nur die Corona-Krise überstehen, sondern sich auch ein zusätzliches Standbein aufbauen. Quelle: Frank Rademacher
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Oberdieten

Mit der Corona-Pandemie erlebt das Händewaschen eine Renaissance. Was zu so etwas wie der obersten Bürgerpflicht geworden ist, scheitert in der Öffentlichkeit aber nicht selten an der Gelegenheit. Wenn sich das jüngste Projekt von Karussellbauer John Heinz aus Eibelshausen durchsetzt, wird sich das bald ändern. In seiner Firma in Oberdieten baut er seit Kurzem auch mobile Handwaschbecken im Pylonen-Design.

Auf die Idee habe ihn ein Frankfurter Schausteller gebracht, erzählt Heinz und bekennt, davon zunächst nicht wirklich überzeugt gewesen zu sein. Mittlerweile aber ist er sich sicher, nicht nur eine Marktlücke entdeckt zu haben, sondern auch ein nachhaltiges Produkt im Angebot zu haben, das diese Lücke schließen kann.

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Normalerweise dauere es von der Idee bis zur serienreifen Produktion mindestens zwei Jahre, erklärt der Unternehmer. Diesmal aber war der erste Prototyp schon nach einer Woche fertig. Der Vogelpark in Heiligenkirchen, einem Stadtteil von Detmold, ist der erste Kunde, der jetzt mit einem mobilen Handwaschbecken aus Oberdieten aufwarten kann.

„In vielen solcher Freizeitparks wird gerade jetzt darauf hingewiesen, dass man sich die Hände waschen soll, aber häufig gibt es gar keine Gelegenheit dazu oder die sind irgendwo am Rande versteckt“, berichtet Heinz. Der Eibelshäuser ist zugleich davon überzeugt, dass der Hygiene auch nach Überwindung der Corona-Pandemie eine sehr viel größere Bedeutung zukommen wird – vor allem dort, wo sich viele Menschen gleichzeitig aufhalten.

Deshalb kann er sich gut vorstellen, dass sein mobiles Waschbecken nicht nur in Parks, sondern auch bei größeren Festen wie etwa dem Hessentag, bei Konzerten oder auch in Fußgängerzonen einmal Standard werden kann. „Wie kann man Hygiene besser machen?“, habe als Fragestellung hinter dem Projekt gestanden.

Die mehr als mannshohen und damit gut sichtbaren Pylonen werden im Faserspritzverfahren hergestellt. Der glasfaserverstärkte Kunststoff ist witterungs- und chemikalienbeständig, stabil und zugleich verhältnismäßig leicht. Montiert sind sie auf einem Untergestell aus Metall, das schon zwei Aussparungen für einen Gabelstapler aufweist, sodass sich die Waschbecken leicht transportieren und versetzen lassen.

Die Halbschalen können sowohl an eine Wand gestellt werden als auch im Doppel als kompletter Pylon frei für sich stehen. Auf jeder Seite sind dann zwei Waschbecken in unterschiedlicher Höhe – für Kinder und Erwachsene – angebracht. Aussparungen im Boden und an der Kegelspitze bieten den Platz für die benötigten Anschlussleitungen für Wasser und gegebenenfalls auch für Strom. „Wir sind noch gar nicht so weit, dass wir begreifen, dass wir das in Zukunft brauchen“, sagt Heinz. Er geht davon aus, dass sich die Nachfrage nach seinem neuen Produkt erst noch entwickeln wird. Man habe bislang aber auch noch nicht groß Werbung für die mobilen Waschbecken gemacht, weil seine Firma noch andere Großaufträge habe abwickeln müssen.

Dabei haben die Beschränkungen als Folge der Corona-Pandemie seine Kunden besonders hart getroffen. Deshalb ist Heinz auch froh, dass zumindest die Freizeitparks jetzt wieder öffnen dürfen. „Da gibt es zumindest ein Gefühl von Normalität“, beschreibt er seine Eindrücke von ersten Besuchen dort. Noch kritischer sehe es bei den Schaustellern aus. „Wie lange wird es dauern, bis die sich erholt haben, wenn sie es denn überhaupt schaffen?“, fragt sich der Karussellbauer mit Blick auf Schausteller, die überwiegend auch Kleinunternehmer sind.

Zu diesen Schwierigkeiten kommt noch der Umstand hinzu, dass Heinz auch Kunden im europäischen Ausland und sogar in Paraguay hat, was in Corona-Zeiten für zusätzliche Hindernisse sorgt. Da könnten die mobilen Waschbecken am Ende die rettende Idee sein.

Von Frank Rademacher

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