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Hinterland Kaputte Kirche: Reparatur oder Abriss?
Landkreis Hinterland Kaputte Kirche: Reparatur oder Abriss?
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20:59 12.11.2019
Durch den Aufprall des Führerhauses eines Lastwagens verschob sich die Holzbalkenkonstruktion der Kirche auf dem Sockel um einige Zentimeter. Da die Wand eines benachbarten Stalles ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde, stützte das THW diese ab, weshalb die Straße nur noch halbseitig befahrbar ist. Quelle: Foto: Gianfranco Fain
Hommertshausen

Am Tag nach dem Unfall und nachdem der Lastwagen aus der Hauswand gezogen ist, sind die Schäden am kleinen Kirchlein im Dautphetaler Ortsteil deutlich zu erkennen. Am Montagmorgen, 11. November, kam ein mit Muldencontainern beladener, abwärts fahrender Lastzug nach einer Linkskurve nach rechts von der Landesstraße 3042 ab und streifte zwei Gebäude, bevor die Front des Lastwagens in die Barock-Kapelle knallte (die OP berichtete).

Nach einem Tag der Sperrung ist die L 3042, die in Hommertshausen Schelde-Lahn-Straße heißt, nun einspurig befahrbar. An der Unfallstelle errichteten Helfer des Technischen Hilfswerkes eine Holzkonstruktion, um die Wand einer Scheune zu stützen und so vor einem Einsturz zu bewahren. Die Stützkonstruktion ragt jedoch in die Fahrbahn, weshalb eine Ampel den Verkehr einspurig vorbeileitet. Wie lange dies der Fall sein wird, ist noch offen.

Gutachter anderweitig beschäftigt

Ebenfalls offen ist die Schadenshöhe und die Ursache des Unfalls. Diese werde noch untersucht, erklärt Jörg Reinemer, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Mittelhessen in Gießen. Derzeit wird eine nicht ausreichend gegen Verrutschen gesicherte Ladung als Ursache vermutet. Der Lastwagen transportierte Metallschrott.

Ob die Kapelle zu reparieren ist oder abgerissen werden muss und wie hoch der Schaden zu beziffern ist, sollte eigentlich am Dienstag Vormittag feststehen. Doch die Mitarbeiter des Dautphetaler Bauamts warteten vergeblich auf diejenigen des Kreises. Die mussten zum abgebrannten Fachwerkhaus nach Neustadt eilen.

Kirchenkonservator: Keine Einsturzgefahr

An der Kapelle in Hommertshausen weist aber ein Schild der Bauaufsicht auf das Betretungsverbot hin. Heute sollen die Schäden im Gebäude mit den Vertretern der Bauaufsicht begutachtet werden. Nach Ansicht der äußeren Schäden habe sich der Kirchenrestaurator Franziskus Hartmann zuversichtlich geäußert, dass die Kirche wiederhergestellt werden könne, heißt es von Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung.

Denn der Lastwagen habe zwar beim Aufprall die Fachwerkkirche auf dem Steinsockel um einige Zentimeter verschoben, doch das Holzgerippe habe die Energie des Aufpralls besser absorbiert als die Steinmauer des Nachbargebäudes.

Auch wenn die Giebelwand der Kirche eingedrückt ist und ein Loch darin klafft, geht der Kirchenkonservator nicht davon aus, dass die Mauer einsturzgefährdet ist. Das verhindern die Verstrebungen des Fachwerks. Wie es sich allerdings mit dem Trägerbalken unter der Empore verhält, ist noch zu untersuchen. Der Balken wurde durch den Anprall so sehr verschoben, dass er die gegenüberliegende Wandseite nach außen drückt.

von Gianfranco Fain