Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Landkreis startet Projekt gegen Arztmangel
Landkreis Hinterland Landkreis startet Projekt gegen Arztmangel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:15 17.12.2019
Der Landkreis startet sein Versorgungskonzept gegen den Arztmangel in Angelburg und Steffenberg. Quelle: Marijan Murat
Breidenbach

Die Versorgungskoordinatorin Marion Messik (Foto: Fain) stellte gestern Abend auf Einladung den Gemeindevertretern Breidenbachs den Stand des Projektes „Innovative Versorgungsplanung“ des Landkreises vor. Für diese gibt es nun erste Handlungsergebnisse.

Ein prioritärer Handlungsbedarf wird nun in den Gemeinden Angelburg/Steffenberg gesehen, wo mit den derzeitigen örtlichen Akteuren ein Konzept erstellt werden soll, um die medizinisch-pflegerische Versorgung sicherzustellen.

Weiterhin soll es eine finanzielle und organisatorische Förderung von „Nicht-ärztlichen Praxis-Assistentinnen“ (NäPas) geben sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Kompetenz-Zentrum zur Weiterbildung von Allgemeinmedizinern.

Ob Einzel-, Gemeinschafts- oder Zweigstellenpraxen oder gar ein Medizinisches Versorgungszentrum – zu welcher Lösung es letztendlich komme, sei offen, sagte Messik. Derzeit gebe es Gespräche mit den Ärzten vor Ort, um mit diesen einen Weg zu finden. Auch Gespräche mit den Ärzteverbünden ADR und Prima seien in der Folge möglich.

Land Hessen fördert das Projekt

Mit dem vom Land Hessen geförderten Projekt „Innovative Ver­sorgungsplanung“ will der Landkreis in Zu­sammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) dem drohenden Mangel an Hausärzten in ländlichen Regionen entgegenwirken. Die Zahl der Landärzte sei laut Messik in den vergangenen Jahren zwar „relativ gleichbleibend“, doch die Altersstruktur der Ärzte sowie die prognostizierte zunehmende Zahl an Menschen, die älter als 65 Jahre sind, zwingen zum Handeln. Denn es erweist sich als zunehmend schwieriger, einen Nachfolger für eine Solo-Arztpraxis zu gewinnen. Es gebe einen Trend zum Angestelltendasein in ambulanten Praxen und auch zu mehr Teilzeitarbeit von Ärzten, auch weil die Medizin weiblicher werde.

Das Projekt „Innovative Versorgungsplanung“ läuft seit rund einem Jahr. Als Modellregion wählten die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) und der Landkreis den KV-Mittelbereich Biedenkopf aus, zu dem die Kommunen Angelburg, Steffen­berg, Breidenbach, Dautphetal und die Stadt Biedenkopf zählen. Dort sind derzeit sechs Arztsitze unbesetzt.

Schon die im Kreishaus Mitte August präsentierte Bestandsaufnahme zeigte, dass ein Regionales Gesundheitszentrum eine Option sein kann. Zudem stand auch schon fest, dass das Potenzial für Hausbesuche durch NäPas besser auszuschöpfen und die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner in ländlichen Praxen zu verbessern ist.

Positiv für Gladenbach: Das Ändern der Berechnung zur ­Bedarfsplanung führt dazu, dass die Hinterlandstadt statt einer Überversorgung nun einen ­freien Arztsitz aufweist.

von Gianfranco Fain