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Hinterland Investor plant bei Herzhausen
Landkreis Hinterland Investor plant bei Herzhausen
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10:34 09.04.2020
Eine Windmessstation steht auf einer Wiese im Wald nahe des Gladenbacher Stadtteils Sinkershausen. Quelle: Gianfranco Fain
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Herzhausen

Die Gerüchteküche in dem Dautphetaler Ortsteil brodelt derart, dass Ortsvorsteher Klaus Herrmann eine Spaltung des Dorfes befürchtet, zumal die Informationen zu dem geplanten Windparkprojekt spärlich sind.

Das liegt unter anderem auch daran, dass zwei für Anfang April angekündigte Informationsabende wegen der Corona-Pandemie entfallen. Herrmann befürchtet eine Spaltung des Dorfes, weil diesmal nur wenige Privatwaldbesitzer von den Erträgen der Windräder profitieren würden.

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Projektierer will Bau beantragen

Das sollte in den Jahren ab 2012 dagegen anders laufen. Damals war die Gründung einer Genossenschaft im Gespräch, zu der Grundstückseigentümer und Dorfbewohner beitreten konnten. Ein Teil des Erlöses war dafür vorgesehen, in Herzhausen einen Dorfladen zu betreiben.

Zwar sprachen sich bei der Gründungsversammlung die angehenden Genossen, darunter auch viele aus den Gladenbacher Stadtteilen Runzhausen, Bellnhausen, Sinkershausen und Diedenshausen, mehrheitlich gegen die Aufnahme der Finanzierung eines Dorfladens aus, doch das Ende der Genossenschaftsidee brachten erst im Jahr 2015 die Ergebnisse eines Windgutachtens. Daraus ging hervor, dass die Rentabilität der Anlagen auf dem Dusenberg fragwürdig sei.

Unternehmen lässt Details offen

Das Windaufkommen lässt derzeit offenbar ein Projektierer ermitteln. Mehrfach sichteten Herzhäuser Messeinrichtungen, zum Teil auch an seltsamen Orten, meinen die Beobachter.

Bei dem Projektierer handelt es sich um die PNE AG aus Cuxhaven. Auf Anfrage der OP, unter anderem zu Anzahl der Windräder und der unterzeichneten Pachtverträge sowie dem beabsichtigten Baubeginn, erklärt Unternehmenssprecher Rainer Heinsohn nur, keine Antworten im Detail liefern zu können.

Sechs Windräder in Planung

Heinsohn bestätigt aber, dass die PNE AG plant, für das Windvorranggebiet 3123 einen Antrag für einen Windpark zu stellen. Statt der ausgefallenen Informationsabende in der Gemeinde Dautphetal und der Stadt Gladenbach soll es Informationen in den Amtsblättern geben. Dazu stelle ein Arbeitskreis aus Kommunen, Hessischer Landesenergieagentur und PNE die Angaben her.

Somit ist nach Recherchen der OP bekannt, dass in dem fast 300 Hektar großen Windvorranggebiet 3123 sechs Windräder entstehen sollen. Drei davon würden auf Herzhäuser Gebiet stehen, drei weitere an den Gemarkungsgrenzen zu den Gladenbacher Stadtteilen Runzhausen/Bellnhausen (Breite Erle), Sinkershausen und Diedenshausen.

Die Windräder würden eine Nabenhöhe von 160 und einen Rotordurchmesser von 158 Metern haben und somit insgesamt 240 Meter hoch sein, rund 60 Meter mehr als die Windmühlen auf dem naheliegenden Hilsberg. Im Vorranggebiet gibt es rund 110 Kleinwaldbesitzer, annähernd 40 sollen schon Pachtverträge mit PNE eingegangen sein.

Windvorranggebiet 3123

Das Windvorranggebiet 3123 hat eine Größe von 297 Hektar und erstreckt sich über Bellnhausen, Diedenshausen, Runzhausen, Sinkershausen, Herzhausen in den Kommunen Gladenbach und Dautphetal. Der Waldanteil liegt bei 95 Prozent, wobei es sich um 49 Prozent Misch- und 41 Prozent Laubwald handelt. Der Nadelwaldanteil wird mit 5 Prozent angegeben. Die höchste Windhöffigkeit wird im Zentrum und Südteil des Gebietes angenommen. Auch mit dem Vorranggebiet 3122 (Hilsberg) wird keine Umfassung von Holzhausen und Herzhausen sowie von Bellnhausen gesehen.

Quelle: Auflistung des RP Gießen

Von Gianfranco Fain

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