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Hinterland „Aller guten Dinge sind drei!“
Landkreis Hinterland „Aller guten Dinge sind drei!“
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15:00 21.11.2021
Sophia Krämer absolvierte ihren ersten Termin als Kirschenkönigin 2021 bei der Feier „10 Jahre Fairtrade-Stadt“ in Gladenbach und freut sich über die fair gehandelte Schokolade.
Sophia Krämer absolvierte ihren ersten Termin als Kirschenkönigin 2021 bei der Feier „10 Jahre Fairtrade-Stadt“ in Gladenbach und freut sich über die fair gehandelte Schokolade. Quelle: Foto: Uta Neumann
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Gladenbach

Ein Kindheitstraum ging für sie im Juli 2019 mit der Wahl zur Kirschenkönigin in Erfüllung. Seitdem ist Sophia Krämer im Amt. Da der Kirschenmarkt nach 2020 auch in diesem Jahr wegen der Pandemie abgesagt wurde, übernimmt die 19-Jährige weiterhin gerne hoheitliche Aufgaben. Im Interview erzählt Sophia I. von ihrem neuen Lebensmittelpunkt, ihren Auftritten und geplanten Besuchen in Gladenbach.

Sophia, wie lebt es sich als ­Kirschenkönigin in Leipzig?

Ich habe in diesem Sommer mein Abitur an der Adolf-Reichwein-Schule in Marburg bestanden und bin im August zum Lehramtsstudium nach Leipzig gezogen. Ich hatte noch fast sechs Wochen Zeit bis zum Studienbeginn und konnte mich daher in aller Ruhe umsehen und mich schon gut einleben. Mitte Oktober begann das Semester. Die meisten Veranstaltungen finden in Präsenz statt, nur zwei Vorlesungen werden digital zur Verfügung gestellt. Leipzig hat viele Einkaufsmöglichkeiten, eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten und wundervolle Parks und Grünflächen. Ich habe Leipzig schon als tolle Stadt kennengelernt.

Ist dir der Abschied aus ­Gladenbach schwergefallen?

Der Abschied ist mir nicht unbedingt leichtgefallen. Mit Telefonaten und über soziale Medien halte ich aber regelmäßig Kontakt zu meiner Familie und meinen Freunden. Mein Freund und ich hatten auch bereits Besuch von unseren Familien. Außerdem habe ich das Glück, dass meine Cousine nur zehn Minuten mit der Tram von mir entfernt wohnt und wir uns oft sehen – meist sehr spontan, was ja nun endlich möglich ist. Wie ein Abschied fühlt es sich deshalb gar nicht an, weil ich durch meine Liebsten ausführlich über das Geschehen in Gladenbach informiert werde.

Bereits im Februar hatte der Gladenbacher Magistrat den Kirschenmarkt abgesagt. Musstest du lange überlegen, ob du für eine dritte Amtszeit als Kirschenkönigin zur Verfügung stehst?

Das Amt der Kirschenkönigin habe ich bisher mit viel Herzblut ausgeübt. Diesem Anspruch will ich natürlich weiterhin gerecht werden. Als feststand, dass ich nach dem Abitur wegziehe, habe ich mir schon die Frage gestellt, ob mir dies auch auf die Entfernung gelingen kann. Dann kam die Anfrage der Stadt für eine dritte Amtszeit. Ich schilderte meine Bedenken, vielleicht nur wenige Termine wahrnehmen zu können. In Absprache mit dem Bürgermeister und der SEB entschied ich mich, die dritte Amtszeit anzutreten. Aller guten Dinge sind schließlich drei.

Die Corona-Pandemie schränkte 2021 auch den Wirkungsgrad der Kirschenkönigin enorm ein. Konntest du noch einige Auftritte absolvieren?

Am 2. Juli wäre ja ursprünglich der Markttag des Kirschenmarkts gewesen und abends hätte die Wahl zur Kirschenkönigin stattgefunden. Der Gladenbacher Gewerbeverein versuchte mit einigen Aktionen, an diesem Freitag so etwas wie ein Kirschenmarktgefühl entstehen zu lassen. Eine davon war meine Autogrammstunde vor dem Fotostudio Wiegand. Die Kinder konnten sich mit Umhang, Zepter und Krone fotografieren lassen und auch Fotos mit mir machen. Außerdem war ich zur Eröffnung der Gladenbacher Ferienspiele eingeladen. Urlaubsbedingt konnte ich leider nicht persönlich daran teilnehmen. Ich wollte aber die Kinder gerne – wie in den letzten Jahren auch – begrüßen. Deshalb nahm ich eine Videobotschaft auf, die der Bürgermeister dann bei der Eröffnungsfeier abspielte.

Bot sich anschließend noch die Möglichkeit für eine ­Stippvisite nach Gladenbach?

Ja, zum Jubiläum „10 Jahre Fairtrade-Stadt Gladenbach“ im September. Dazu hatte mich der Magistrat eingeladen. Ich bin deshalb extra mit dem Zug aus Leipzig angereist. Bei herrlichem Sonnenschein konnte ich meine erste Amtshandlung als Kirschenkönigin 2021 wahrnehmen. Es war eine sehr schöne Veranstaltung, an der viele Menschen teilnahmen. Und es tat gut, mal wieder echte Gespräche bei gutem Fairtrade-Kaffee zu führen.

Ruhen deine königlichen ­Aufgaben derzeit?

Ich wurde auch in diesem Jahr zur Tanzgala um den Kirschenpokal eingeladen, konnte aber bedauerlicherweise zu diesem Termin nicht anreisen. Zum Glück durfte ich 2019 gemeinsam mit meinem Kirschenprinzen Lennard diese großartige Veranstaltung schon einmal genießen. Ich habe von der SEB eine kleine Übersicht mit weiteren Terminen für 2021 und 2022 bekommen. Ob diese stattfinden beziehungsweise ob ich diese wahrnehmen kann, müssen wir abwarten.

Bleibt neben dem Studium noch Zeit, sich um das königliche Ehrenamt zu kümmern?

Vor Beginn meines Studiums konnte ich in Gladenbach Fotos für die neuen Autogrammkarten aufnehmen lassen. Meine neue Schärpe mit dem Aufdruck „Kirschenkönigin 2021“ habe ich kurz vor dem Fototermin vom Bürgermeister erhalten. Die Autogrammkarten sind inzwischen gedruckt und können bei der SEB angefragt werden. Auch auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Königinnen habe ich mein Profil bereits mit dem neuen Foto und der aktualisierten Amtszeit ändern lassen.

Hessens Ministerpräsident ­Volker Bouffier hat erneut den Empfang für die hessischen Hoheiten abgesagt. Auf den Besuch in Schloss Biebrich hattest du dich besonders gefreut …

Der Anfang des Jahres angekündigte Empfang der hessischen Hoheiten beim Ministerpräsidenten ist aufgrund der aktuellen Lage leider doch wieder abgesagt worden. Dies ist wirklich sehr schade. Ich hatte gehofft, dass ich unter den einzuhaltenden Sicherheitsmaßnahmen diese Erfahrung doch noch hätte machen können. Als kleine Aufmerksamkeit und zur Entschädigung für den Ausfall der Veranstaltung habe ich ein persönliches Schreiben vom Ministerpräsidenten mit wertschätzenden Worten erhalten. Außerdem bekam ich eine Miniaturdarstellung der lebensgroßen reisenden Hessen-Buchstaben, die anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Landes hessenweit an über 20 Orten aufgestellt wurden.

Ein Besuch in Gladenbachs ­Partnerstadt Monteux war ­während deiner Amtszeit bisher auch nicht möglich …

Das ist wirklich schade. Leider war auch in diesem Jahr keine Reise nach Frankreich möglich und wird es wahrscheinlich auch im nächsten Jahr noch nicht sein. Eines der Highlights der Gladenbacher Kirschenkönigin ist für mich der Besuch in Monteux. Ich glaube, dass der Besuch in Frankreich eine tolle Erfahrung gewesen wäre und mir sehr viel Spaß gemacht hätte.

Du bist jetzt bald 900 Tage als Kirschenkönigin im Amt. Welcher Moment ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Wow! Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die letzte Weihnachtsaktion, bei der ich mit meinem Freund in zwei Gladenbacher Seniorenheimen musiziert habe. Das hat den Bewohnerinnen und Bewohnern viel Freude bereitet. Außerdem denke ich gerne an den Kirschenmarkt-Festzug 2019 zurück, bei dem sich so viele Gladenbacher mit mir über die Wahl gefreut haben.

Du hast viel Herzblut in deine königlichen Aufgaben gesteckt und selbst Aktionen auf die Beine gestellt. Ist das in den nächsten Monaten noch möglich?

Selbst organisierte Aktionen bereiten mir immer wieder große Freude. Auf die doch recht große Distanz und durch meinen vollen Terminplan wegen des Studiums gestaltet sich dies wohl künftig eher schwierig. Mal sehen, was 2022 mit sich bringt. Für dieses Jahr verrate ich nur: Weihnachtszeit – Heimlichkeit.

Gibt es bereits Termine, die du als Kirschenkönigin unbedingt noch wahrnehmen möchtest – wenn es deine Zeit und die ­Corona-Lage denn zulassen?

Am liebsten würde ich alle anstehenden Termine wahrnehmen. Auf meinem vorläufigen Terminplan stehen das Adventskonzert des Musikvereins am 19. Dezember und das Neujahrskonzert am 30. Januar. Die Grüne Woche in Berlin ist für den 21. bis 30. Januar geplant. Die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Königinnen wird voraussichtlich wieder ein Treffen dort organisieren. Berlin ist zwar nur zwei Stunden von Leipzig entfernt, jedoch schreibe ich Anfang Februar eine Reihe Klausuren. Deshalb wird sich eine Teilnahme auch unabhängig von der Corona-Situation eher schwierig gestalten.

Nach dem Jahreswechsel ­stehen auch in Gladenbach ­einige Traditionsveranstaltungen an, bei denen die Kirschenkönigin stets ein gern gesehener Gast war …

Das stimmt. Besonders hoffe ich, an der Verleihung des Dr. Leinweber-Preises am 18. Februar teilnehmen zu können. Mein Opa Jürgen Runzheimer hat diesen Preis 1990 erhalten. Außerdem findet am 27. März der Frühlingsmarkt der Gladenbacher Volkstanzgruppe statt, den ich hoffentlich auch besuchen kann. Die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Königinnen plant dann noch den achten Deutschen Königinnentag bei den Traunsteiner Rosentagen im Juni.

Und was machst du am 30. Juni und 1. Juli?

Am 30. Juni und sicherlich auch das gesamte erste Juliwochenende 2022 bin ich selbstverständlich in Gladenbach und feiere hoffentlich mit der ganzen Stadt unseren heiß geliebten Kirschenmarkt!

Von Michael Tietz