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Hinterland Installierte Apotheker Kamera auf Toilette?
Landkreis Hinterland Installierte Apotheker Kamera auf Toilette?
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14:00 29.02.2020
In einer Apotheke soll der Chef mittels installierter Kameras seine Mitarbeiterinnen beobachtet haben.  Quelle: Christoph Soeder
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Hinterland

Ein Apotheker soll im Hinterland Angestellte mit versteckt angebrachten Kameras beobachtet haben, die vermutlich unter anderem in einer Mitarbeitertoilette installiert waren. Es werde gegen den Mann ermittelt, bestätigte die Staatsanwaltschaft in Limburg. Zunächst hatte der „Hinterländer Anzeiger“ über den Fall berichtet.
„Es gab eine Durchsuchung“, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Herrchen. Dabei seien zwar keine Kameras gefunden worden, aber Speichermedien. Sie wurden sichergestellt. Die Polizei habe darauf Hinweise entdeckt, dass Bilder in einer Apotheke gemacht wurden. Es habe sich offenbar um mehrere Kameras gehandelt.Ob auch Kunden der Apotheke gefilmt wurden, sagte Jurist Herrchen nicht. Er bestätigte jedoch, dass unter anderem im Bereich einer Toilette gefilmt wurde.

„Wir sind noch am Anfang des Ermittlungsverfahrens“, sagte Herrchen. Der Apotheker habe sich bislang gegenüber den Behörden nicht zu den Vorwürfen äußern wollen. Aus diesem Grund ist auch das Motiv noch unklar.
Ermittelt wird gegen den Mann wegen der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“. Das Strafmaß sieht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor.

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Apotheker wird nochmals angehört

Laut Oberstaatsanwalt Herrchen handelt es sich um ein sogenanntes Antragsdelikt. Das heißt, die Behörden verfolgen die Straftat nur, wenn eine oder mehrere Angestellte einen Strafantrag gegen den Apotheker stellen. Weil die Ermittlungen noch laufen, hat die Staatsanwaltschaft bislang keine Anklage gegen den Apotheker erhoben.

In welchem Zeitraum die Aufnahmen erfolgten, sagte Herrchen nicht. Zunächst werde nochmals der Apotheker angehört, ebenso würden die Mitarbeiterinnen zu den Vorwürfen gegenüber ihrem Chef befragt. „Das sind die nächsten Schritte“, sagte der Oberstaatsanwalt.

Der entsprechende Paragraf 201a des Strafgesetzbuchs war in den vergangenen Monaten häufiger Thema in Medien: Er greift auch, wenn Gaffer Filme oder Bilder an Unfallorten machen.

Allerdings gibt es eine Gesetzeslücke: Das Filmen von Toten steht derzeit nicht unter Strafe. Deshalb werden immer wieder Forderungen nach einer Verschärfung des Gesetzes laut.

von Mark Adel    

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