Industrie baut im Corona-Jahr 2 252 Jobs ab
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Hinterland Industrie baut im Corona-Jahr 2 252 Jobs ab
Landkreis Hinterland Industrie baut im Corona-Jahr 2 252 Jobs ab
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15:58 21.04.2021
Vor allem die Metall- und Elektro-Industrie hat im Lahn-Dill-Kreis vergangenes Jahr viele Stellen abgebaut.
Vor allem die Metall- und Elektro-Industrie hat im Lahn-Dill-Kreis vergangenes Jahr viele Stellen abgebaut. Quelle: Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
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Dillenburg

Industriebetriebe im Lahn-Dill-Kreis haben innerhalb eines Jahres insgesamt 2 252 Arbeitsstellen abgebaut. Dagegen haben die öffentlichen Verwaltungen ihr Personal aufgestockt. Das geht aus aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur Wetzlar hervor.

Die Agentur hat die Beschäftigungszahlen im Lahn-Dill-Kreis verglichen: von September 2019 zu September 2020. Es sind dazu die aktuellsten Zahlen der Agentur. Die Daten zeigen somit auch die Entwicklung nach einem halben Jahr Corona. Wenige Branchen haben Stellen geschaffen, vor allem die Industrie und die Leiharbeit haben Jobs gestrichen. Unterm Strich stehen 95 293 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das sind 1 956 weniger als ein Jahr zuvor. Oder anders: minus zwei Prozent.

345 Minijobs im Gastgewerbe gestrichen

Diese Quote ist deutlich schlechter als die hessenweite (minus 0,8 Prozent) und die bundesweite (minus 0,4 Prozent). Dabei habe die Kurzarbeit weitere Arbeitsplatzverluste verhindert, erklärt die Arbeitsagentur. So war im vergangenen September jeder zehnte Beschäftigte im Lahn-Dill-Kreis in Kurzarbeit. Und es sind Vollzeit-Jobs, die im Kreisgebiet gestrichen wurden, Teilzeitstellen wurden sogar noch ausgebaut.

Darüber hinaus gibt es im Kreis noch rund 24 000 Stellen für geringfügig Beschäftigte, also für 450-Euro-, beziehungsweise Minijobber. Hier wurden 4,9 Prozent respektive 1 250 der Stellen gestrichen – davon 260 als Nebenjobs. Dies entspricht etwa dem prozentualen Rückgang für Gesamt-Hessen und Gesamt-Deutschland. Dieses Segment sei durch die Corona-Pandemie besonders betroffen, denn die Minijobs beträfen viele Dienstleister sowie Berufe im Hotel- und Gaststättenbereich, und sie könnten nicht durch Kurzarbeit gestützt werden. Kurzarbeiterregelungen gelten nicht für Minijobs. Aber auch hier entfällt der größte Teil des Stellenabbaus auf die Industrie (minus 424 Minijobs).

Den deutlichsten Rückgang verzeichnet im Lahn-Dill-Kreis die Leiharbeit: Jeder fünfte Job ist weg, insgesamt 428 Stellen weniger. Im Gastgewerbe sind knapp neun Prozent der sozialversicherungspflichtigen Jobs (160 Stellen) und 15 Prozent der Minijobs (345 Stellen) weggebrochen.

Die 2 252 gestrichenen Jobs in der Industrie entsprechen 6,6 Prozent der gesamten Arbeitsplätze in der Branche. Insbesondere die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie sei betroffen (minus 1 773 Stellen). Als Gründe nennt die Agentur Strukturwandel, Krise bei den Fahrzeugherstellern, globalisierte Märkte, Lecks in Lieferketten und auch die Corona-Pandemie.

Fast ausschließlich Männer betroffen

Beim Blick auf die besonders vom Stellenabbau betroffenen Personengruppen zeigt sich: Fast ausschließlich Männer sind betroffen, und am häufigsten verloren Beschäftigte im Alter zwischen 25 und 55 Jahren ihre Arbeit. Stark betroffen seien Fachkräfte (minus 1420). Bei den über 55- bis 65-Jährigen meldet die Arbeitsagentur dagegen ein Plus, 430 Beschäftigte mehr als im Vorjahr.

Anders beim Blick auf die Minijobs: Hier sind vor allem Frauen vom Stellenabbau betroffen. 898 der 1 250 abgebauten Jobs hatten zuvor Frauen.

Arbeitsplatzzuwächse verzeichnen laut Agentur vor allem die öffentlichen Verwaltungen im Lahn-Dill-Kreis. Sie haben ihr Personal innerhalb des einen Jahres um insgesamt 213 Stellen aufgestockt. Danach folgen das Baugewerbe (plus 205 Stellen), der Bereich „Heime und Sozialwesen“ (plus 173) sowie das Gesundheitswesen (plus 152).

Von Jörgen Linker