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Hinterland In Wallau fällt das Osterfeuer aus
Landkreis Hinterland In Wallau fällt das Osterfeuer aus
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00:18 22.04.2019
Ein Foto des Osterfeuers in Wallau aus dem Jahr 2011. An diesem Karsamstag werden die Flammen am Sportplatz am „Erlenacker“ nicht lodern. Quelle: Michael Hoffsteter
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Wallau

Die Burschen waren immer sehr stolz auf ihr Osterfeuer. Hunderte Besucher kamen alljährlich zum Sportplatz am „Erlenacker“. Das hatte auch mit dem besonderen Engagement der Wallauer zu tun. Schon lange vor Karsamstag fingen die jungen Männer und Frauen an, Paletten und Stämme zu sammeln, um sie in der Karwoche aufzustapeln. Das Ergebnis war stets beeindruckend. „Was die Höhe und den Durchmesser anbelangt, war es sicherlich das Größte im Hinterland“, ist Burschenführer Robin Birkelbach überzeugt.

Vor zwei Jahren hatten die Mitglieder der Burschenschaft „Eintracht“ 1895 Wallau rund.1 000 aussortierte Paletten für ihr Osterfeuer bei den Betrieben in der Umgebung eingesammelt. Zusätzlich brachten Wallauer Bürger Baum- und Strauchschnitt zum Sportplatz. Nicht zuletzt gingen die Burschen mehrfach in den Wald, um lange Pfähle zu schneiden, damit die Feuerstelle auch von außen betrachtet gut aussieht. Diese Stämme bildeten einen runden Kranz um den breiten Kern aus Paletten.

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"Unser Konzept geht nicht mehr auf"

Die Wallauer fingen schon viele Tage vorher an, das Holz aufzuschichten. Auch wurde überprüft, ob sich keine Tiere eingenistet hatten. Darüber hinaus hielten die jungen Männer in der letzten Woche durchgängig Nachtwache. Zu oft schon hatten sie es seit dem ersten Feuer im Jahr 1996 erleben müssen, dass Unbekannte das Holz vorab ansteckten. Über die ganze Arbeit sagt Robin Birkelbach: „Wir haben das immer gern gemacht.“ Viele der heutigen Burschen hätten die Osterfeuer schon in jungen Jahren staunend miterlebt – und diese schöne Kindheitserfahrung auch den heutigen Kindern gerne ermöglicht. „Wir verstehen unsere Burschenschaft ja als Verein fürs Dorf“, unterstreicht Birkelbach.

Das Problem ist allerdings: Die Umstände haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Die Zahl der Besucher sei gesunken, erzählt Julian Roth, der Vorsitzende der Burschenschaft. Das habe sich auch im Erlös niedergeschlagen. Ein zweiter wesentlicher Punkt seien die höheren behördlichen Auflagen.

Nun ist laut Roth eine weitere Vorgabe hinzugekommen: Die Feuerstelle müsse von der Zufahrt in Richtung Vereinsheim verlagert werden. Dadurch bliebe aber kaum noch Platz für den bisherigen Eingangsbereich. „Unser Konzept geht nicht mehr auf“, bedauert Roth.

Hinzu kommt noch ein Problem, das auch viele andere Vereine und Gruppen kennen: Die Zahl derer sinkt, die sich engagieren. Was dazu führt, dass die Fülle der Arbeit auf immer ­weniger Schultern verteilt werden muss. Alle Aspekte zusammengenommen haben nun zu der Entscheidung geführt, dass es in diesem Jahr in Wallau kein Osterfeuer geben wird.

von Hartmut Bünger

Tipp des RP

Experten des Regierungspräsidium (RP) Gießen haben eine Reihe von Tipps aufgelistet, was zu beachten ist, um Osterfeuer vorzubereiten:
„Um einen Schaden an Umwelt und Besuchern zu vermeiden, darf für ein Osterfeuer lediglich unbehandeltes Holz oder auch Ast- und Strauchschnitt verwendet werden, das trocken ist“, sagt Marlies Melo, Dezernatsleiterin für kommunale Abfallwirtschaft im RP Gießen. Sperrmüll und Altreifen beispielsweise gehörten nicht ins Feuer. Bei Verstößen drohen den Veranstaltern erhebliche Bußgelder. Pflanzliche Abfälle dürfen nur im Ausnahmefall verbrannt werden.

Laut Dr. Thomas Stumpf, Leiter des für Brandschutz zuständigen RP-Dezernats, gehört ein Sicherheitsstreifen von fünf Metern Breite, um ein direktes Übergreifen des Feuers zu vermeiden. Er kann durch Umpflügen oder Fräsen angelegt werden. „Achten Sie auf einen ausreichenden Abstand zum Feuer, vor allem bei Kindern oder angetrunkenen Gästen“, rät Stumpf.
Die Feuerstelle darf erst am Tage des Anzündens aufgeschichtet werden. Ansonsten können Tiere darin ­einen Unterschlupf suchen und qualvoll verbrennen.