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Hinterland Wiesenbach kritisiert Wasserkosten
Landkreis Hinterland Wiesenbach kritisiert Wasserkosten
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10:00 04.12.2019
Im Ortsbeirat wurde „steigende Abhängigkeit“ von der Wasserversorgung aus dem Siegerland beanstandet. Quelle: Thorsten Richter
Wiesenbach

Der Blick in den Gemeindehaushalt des nächsten Jahres hat die alten Wunden aufgerissen. Unter anderem sind 680.000 Euro für die Erweiterung des Hochbehälters an der Hornhecke zwischen Kleingladenbach und Achenbach vorgesehen – aufgeteilt auf drei Jahre; 30.000 Euro im Jahr 2021, 300.000 Euro für 2022 und 350.000 Euro 2023.

Eine dritte Wasserkammer soll gebaut werden, um mehr Wasser vom Wasserverband Siegerland speichern zu können. Die Mitglieder des Gremiums stören sich zudem daran, dass die Gemeinde mehr Geld für den Wasserbezug von dem Wasserverband zahlt.

242.000 Euro waren es in diesem Jahr, für 2020 sind 268.000 Euro veranschlagt: ein Anstieg um 10,7 Prozent. „Das eigene Wasser war vielleicht doch billiger“, sagte Ulrich Schneider in der jüngsten Ortsbeiratssitzung unter der Zustimmung der anderen Mitglieder. Er kritisierte zudem die „steigende Abhängigkeit“ von der Wasserversorgung aus dem Siegerland.

Hochbehälter hätte saniert werden müssen

Etwa 75 Prozent des Breidenbacher Trinkwassers kommen aus dem Nachbarkreis. Im Herbst 2004 war die 30 Kilometer lange Verbundleitung zum Wasserverband Siegen-Wittgenstein in Betrieb genommen worden, die Gemeinde hatte verschiedene eigene Brunnen und Hochbehälter stillgelegt. Wiesenbach war zwar an die Verbundleitung angeschlossen worden, bekam sein Wasser aber weiterhin aus dem Tiefbrunnen Boxbach.

Der Schließung dieses Brunnens im Jahr 2017 war eine lange Diskussion vorausgegangen. Der Wiesenbacher Ortsbeirat hatten sich intensiv dafür eingesetzt, die eigene Wasserversorgung aufrechtzuerhalten.

Allerdings hätte der mehr als 50 Jahre alte Hochbehälter saniert werden müssen. Auf mindestens 170.000 Euro waren die Kosten veranschlagt worden. Für weitere 100.000 Euro hätte eine neue Filteranlage zur Reinigung des Wassers eingebaut werden müssen.

"Wir halten das für den sichersten Weg"

Der Entschluss, den Tiefbrunnen nicht nochmal in Betrieb zu nehmen, war vor zwei Jahren mit großer Mehrheit im Gemeindeparlament gefallen. Seit April 2017 war der Ortsteil an die Verbundleitung angeschlossen.

Die Mitglieder des Ortsbeirats hatten daraufhin unter anderem mit einer Unterschriftensammlung gegen die Schließung protestiert. 413 Bürger hatten sich beteiligt. Anschließend hatte sich das Parlament nochmals mit dem Thema befasst, aber seine erste Entscheidung bestätigt.

„Über allem steht die Sicherstellung der Wasserversorgung für Haushalte und Gewerbe“, sagte Breidenbachs Bürgermeister Christoph Felkl (SPD) auf Nachfrage. „Wir halten das für den sichersten Weg.“

Der Wasserverband Siegen-Wittgenstein denke über eine dritte Talsperre nach, und angesichts der Trockenheit sei die Wasserversorgung schwieriger: „Und Preissteigerungen gibt es auch in anderen Bereichen.“

Bedarf könnte nicht mit eigenen Brunnen gedeckt werden

Eine Abhängigkeit der Gemeinde bestehe ohnehin, weil Breidenbach niemals den gesamten Wasserbedarf mit eigenen Brunnen decken könnte. Er finde den Begriff Abhängigkeit ohnehin nicht gut: „Wir haben einen starken Vertragspartner, und von dem bekommen wir unser Wasser.“

Die Gemeindegremien hatten unter anderem argumentiert, dass durch die Sanierung des Wiesenbacher Hochbehälters Kosten entstehen, die letztlich von allen Gebührenzahlern getragen werden müssten.

Schon damals hatte Bürgermeister Felkl allerdings darauf hingewiesen, dass Investitionen in die bestehenden Hochbehälter nötig sind. „Das haben wir seriös gemacht“, sagte der Verwaltungschef mit Verweis auf die intensiven Beratungen. Ob die Erweiterung des Hochbehälters Hornhecke tatsächlich kommt, ist laut Bürgermeister Felkl aber noch nicht entschieden.   

von Mark Adel