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Hinterland "Wir treten in große Fußstapfen"
Landkreis Hinterland "Wir treten in große Fußstapfen"
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14:00 12.12.2019
Dr. Rainer Häußermann (links) und Professor Axel Hegele (Zweiter von rechts) und sind ab 1. Januar im Hinterland tätig. Dr. Heinz Kuhl (rechts) und Dr. Jörg von Stehnkuhl (ab Zweiter von links) beenden dann ihre Arbeit. Cornelia Bönnighausen und Dr. Matthias Theiß sind sehr erfreut über diese Lösung. Quelle: Hartmut Bünger
Biedenkopf

Professor Axel Hegele und Dr. Rainer Häußermann betreuen zusammen mit Dr. Matthias Theiß eine gemeinsame Praxis. Nach den Regularien der Kassenärztlichen Vereinigung handelt es sich um ­eine sogenannte überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft. Konkret: Die beiden Standorte in Gladenbach und Biedenkopf bleiben erhalten, die drei Mediziner bieten künftig an beiden Orten Sprechstunden an.

Die personelle und organisatorische Neuorientierung geht einher mit Investitionen des DRK-Krankenhauses in Biedenkopf. Dort nutzt das „Urologische Zentrum Mittelhessen“ 18 Belegbetten. Ein neuer Laser, mit dem sich Steine im Harntrakt zertrümmern lassen, ist schon vorhanden. Möglich werden soll bald auch die Fusionsbiopsie der Prostata.

Das dazu nötige Gerät ist laut Cornelia Bönnighausen, der Vorstandsvorsitzenden des DRK-Kreisverbands Biedenkopf, bestellt. Die Fusionsbiopsie kombiniert laut Professor Hegele eine Biopsie mit einer Magnet­resonanztomografie (MRT). Normalerweise gleiche eine Biopsie, also die Entnahme von Proben, eher einem „Blindflug“.

"Zauberlicht" um Tumore sichtbar zu machen

Mithilfe des MRT sei dagegen eine gezieltere Entnahme von Gewebe möglich. Dadurch falle es leichter, bösartige Zellen und wirklich relevante Tumore zu entdecken. „Das ist die neueste Technologie, um Tumore zu erkennen“, betont der Leitende Oberarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie in Mar
burg.

Doch auch beim Blasenkrebs wollen die Mediziner einen Schritt nach vorne tun. Standard sei bislang, in den Körper hineinzuschauen, fasste Hegele das Verfahren in einfache Worte. Die Photodynamische Diagnostik (PDD) mache dagegen mit chemischen Substanzen auch jene Tumore sichtbar, die man sonst nicht sieht. Von „Zauberlicht“ sei oft etwas vereinfachend die Rede, sagte Hegele.

Dr. Matthias Theiß weist zudem auf die Möglichkeiten der Lasertherapie hin. Mit ihr könne man Steine zertrümmern – „auf sämtlichen Etagen des Harntrakts“, angefangen von der Niere über die Blase bis hin zum Harnleiter. „Es gibt keinen Ort des Harntrakts, an dem wir einen Stein nicht erreichen.“ Stoßwellen und endoskopische Verfahren könnten so manche Schnitt-Operation ersparen, erklärte Theiß.

Heinz Kuhl, der seit rund 30 Jahren als Urologe in Gladenbach tätig ist, sagt: „Ich erwarte mir die modernste Therapie.“ Auch Matthias Theiß, der zum Jahresende seinen Kollegen Jörg von Stehnkuhl in der Gemeinschaftspraxis verliert, begrüßt die Entwicklung. Standortnah werde man den Patienten die bestmögliche Versorgung bieten können.

Zweite Meinung inklusive

Der Biedenkopfer Arzt weist auch auf die besonderen Vorteile des Belegarztsystems hin, mit dem am DRK-Krankenhaus gearbeitet wird. Jeder Patient wisse genau, wer ihn ambulant, im Krankenhaus und in der Nachsorge behandelt. Theiß: „Das ist gut für das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient – und das ist das, was wir wollen.“

Der Urologe sieht in der neuen Konstellation noch einen weiteren Vorteil, um eine optimale Versorgung auf dem aktuellen Stand der Medizin zu gewährleisten. „Wir können komplizierte Fälle miteinander besprechen“, sagte Theiß. Ein Patient bekomme damit quasi in einer Praxis noch eine zweite Meinung – und das von Medizinern, die allesamt jahrelang als Oberärzte gearbeitet haben.

Ein Gedanke, der Kuhl von einer „urologischen Hochburg“ sprechen ließ, die im Hinterland entstehe. Hegele möchte darüber hinaus Angebote im Hinterland etablieren, mit denen er schon in Marburg gute Erfahrungen machte. Dazu gehören Infoveranstaltungen und Spezialsprechstunden zu Erkrankungen, aber auch gemeinsame Wanderungen von Ärzten und Patienten.

Häußermann unterstreicht, dass weder Hegele noch er die Urologie im Hinterland neu erfinden müssten. Dort sei sehr gute Arbeit geleistet worden. „Wir treten in große Fußstapfen.“ Das stellt auch Hegele heraus: „Was hier geleistet wurde, ist toll.“ Nun gehe es darum, neue Impulse zu setzen und weiter mit der Zeit zu gehen. Bönnighausen wertet die Nachfolgeregelung seitens des DRK als „freudiges Ereignis“. Noch dazu, da es gelinge, in Gestalt von Hegele und Häußermann zwei ausgewiesene Koryphäen im besten Alter zu gewinnen. 

von Hartmut Bünger