Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Im Zentrum gibt es eine Radwegelücke
Landkreis Hinterland Im Zentrum gibt es eine Radwegelücke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:41 24.06.2021
In Gladenbach wird über Verbesserungen für den Fahrradverkehr beraten.
In Gladenbach wird über Verbesserungen für den Fahrradverkehr beraten. Quelle: Themenfoto: Britta Pedersen
Anzeige
Gladenbach

Ganze fünf Zuhörer saßen den vier Referenten und Gastgeber Peter Kremer im Haus des Gastes gegenüber, als am späten Mittwochnachmittag die Bürgerkonferenz zum Radverkehr begann. Daraus zu schließen, dass es in der Kirschenmarktstadt nur ein geringes Interesse am Fahrradfahren besteht, wäre jedoch verkehrt. In der Spitze verfolgten bis zu 17 Gladenbacher die Veranstaltung per Livestream und beteiligten sich auch durch Fragen oder Anregungen.

Anders als in der vorigen Woche bei der Auftaktveranstaltung in Biedenkopf erhielten die Teilnehmer jedoch kaum konkrete Beispiele, wo das Radfahren in Gladenbach leichter und sicherer werden könnte. Hagen Schütze vom Planungsbüro VAR+ aus Darmstadt, VAR steht für Verkehrsalternative Rad, das + für plus Zufußgehen, zählte folgende Punkte auf: Eine fehlende Radverkehrsanlage auf der die Stadt durchschneidende Bundesstraße 255 im Abschnitt Gießener Straße in der Höhe des Discounters, ein möglicher Fahrradstreifen oder eine Piktogramm-Kette in der Marktstraße, wo schon Tempo 30 vorgeschrieben ist, oder eine Querungshilfe an der Kreuzung der Bundesstraße 453 in Höhe der EAM, das Abtrennen eines Fahrradstreifens in der Bahnhofstraße in Richtung Mornshausen und das Öffnen von Einbahnstraßen, zum Beispiel die Hoherainstraße.

Eine Radfahrerin im Publikum forderte, allen Einbahnstraßen für Radfahrer in gegensätzlicher Fahrtrichtung zu öffnen, und regte zudem an, an Bushaltestellen Fahrradparkplätze einzurichten. Ein Mann gab zu bedenken, dass Radfahren für Familien in der Marktstraße wegen der parkenden Autos selbst mit einem Fahrradstreifen noch unsicher sei, worauf Hagen Schütze erklärte, die Radfahrer müssten mit den Autofahrern koexistieren, solange die Parkplätze benötigt werden.

Es solle auch nicht der Eindruck entstehen, dass anderen Verkehrsteilnehmern etwas weggenommen werde, unterstrich Hagen Schütze, vielmehr gehe es darum, die schon bestehenden Rechte von Radfahrern im Straßenverkehr sichtbar zu machen und auch zu stärken. Dies kann durch neue Schilder erfolgen, die zum Beispiel einen Radschnellweg oder Fahrradzonen kennzeichnen oder auf ein Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen hinweisen.

Auch Führungsformen wie Schutzstreifen zur Teiltrennung des Verkehrs oder eine Piktogrammkette für den Mischverkehr können die Nutzung von Straßen durch Radfahrer und deren Sicherheit fördern. Zu den weiteren Grundsätzen der Radverkehrsplanung zählen abgestufte Qualitätsstandards für Radweg, ein schulisches Mobilitätsmanagement und der Bau von Fahrradabstellanlagen.

Als erstes Analyseergebnis der Befahrung Gladenbachs im Dezember bezeichnet Hagen Schütze: „Es lässt sich Radfahren, aber es gibt eine Lücke im Zentrum der Stadt.“ Am Entwurf des Radverkehrsnetzes für die Kernstadt können sich die Bürger bis zum 12. Juli per Online-Dialog unter www.mein-marburg-biedenkopf.de beteiligen. Der Kreis ist Auftraggeber des Radverkehrskonzeptes für die Kernstadt von Gladenbach an die Planungsbüros.

Von Gianfranco Fain