Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland O-Läg: Hotspot für Drogen und Alkohol?
Landkreis Hinterland O-Läg: Hotspot für Drogen und Alkohol?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 06.11.2019
Im Jugendcafé O-Läg möchte der Stadtjugendpfleger Karlheinz Nickel das Personal an den Freitagen aufstocken auf zwei Mitarbeiter – aus Sicherheitsgründen. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
Gladenbach

Eher unbeabsichtigt rückte das Jugendcafé O-Läg in den Focus im Jugendausschuss. Stadtjugendpfleger Karlheinz Nickel machte in seinem Kurzbericht auf ein personelles Defizit aufmerksam. Während der Öffnungszeit an den Freitagen (von 17 bis 21 Uhr) sei es für einen Mitarbeiter allein nicht mehr tragbar, die Jugendlichen im Jugendcafé zu betreuen. Grund seien Hasch- und Alkoholkonsum sowie die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen.

Nickel schlug vor, das Personal um einen weiteren Mitarbeiter aufzustocken. An 40 Öffnungstagen pro Jahr rechnet Nickel mit Mehrkosten für die Stadt Gladenbach von rund 4.000 Euro, um die Sicherheit zu erhöhen. Derzeit wechseln sich die Mitarbeiter an den Freitagen ab: Zum Einsatz kommen im Wechsel zwei Honorarkräfte sowie der Stadtjugendpfleger Nickel. Bis Februar wird das Personal noch von einem Praktikanten unterstützt.

Stadtjugendpfleger: Personal verdoppeln

Laut Nickel sind die Besucher des Jugendcafés im Alter von 12 bis 24 Jahre. Ein Großteil habe einen Migrationshintergrund. Vor allem der Freitag bereite derzeit aufgrund des Umgangs mit Drogen und ­Alkohol Probleme. Um den Jugendlichen einen Raum zu bieten, hält Nickel es dennoch für wichtig, am Wochenende das Jugendcafé zu öffnen – zukünftig aber lieber in Doppelbesetzung.

„Drogen, Alkohol, Gewalt – ich frage mich, ob wir im Café O-Läg dafür einen Hotspot schaffen. Und frage mich, wie können wir darauf reagieren?“, fragte Steffen Düppers (SPD). Nickel versuchte die Situation im Jugendcafé etwas zu entschärfen. Seit drei Jahren werde dort freitags auch Alkohol verkauft. Allerdings nutzten dieses Angebot nur die wenigsten der Jugendlichen. Die meisten trinken Wodka – und zwar bevor sie sich auf den Weg ins ­Jugendcafé machen, erklärte ­Nickel.

Das Bier vor Ort zu kaufen, sei für sie zu teuer. Für viele sei das Jugendcafé zudem ein Ort, an dem sie sich mit Freunden treffen können. In den ­zumeist Großfamilien müssten sich viele ein Zimmer mit Geschwistern teilen und hätten keine Privatsphäre. Auch das Thema Gewaltbereitschaft versuchte er etwas zu relativieren. Es seien Jugendliche unter den Besuchern, von denen er wisse, dass sie schon mal zuschlagen – einmal im Jahr.

Nickel: Wichtige Anlaufstelle für Jugendliche

Vielfach gehe es dann „um die Wurst“, wie bei der Riesenkeilerei während des Oktoberfestes in Lohra, sagte Nickel. Er gab auch zu, dass die Jugendlichen oft laut seien, vor allem diejenigen, die die Volksdroge Hasch konsumierten. Dennoch würden sie nicht fortwährend Passanten belästigen. Nickel warb noch mal nachdrücklich dafür, dass das Café O-Läg trotz dieser Negativmeldung eine wichtige Anlaufstelle für die Jugendlichen ist.

Düppers beruhigten Nickels Worte wenig. „Ich kann nicht akzeptieren, dass wir einen Raum schaffen, wo gekifft und getrunken wird. Der Gedanke des Jugendcafés sei ursprünglich gewesen, einen Ort zu schaffen, wo sich die Jugendlichen treffen können. Er wisse nicht, was er jetzt davon halten solle, sagte Düppers. Die auffälligen Jugendlichen kämen vor allem aus der Kernstadt und seien nicht mehr in den Vereinen aktiv.

„Ohne das Café O-Läg würden sie im Stadtgebiet abhängen. Viele kommen mit ihren Problemen zu uns“, berichtet Nickel. Die Mitarbeiter der Stadtjugendpflege seien natürlich keine Drogenberater, aber bei Bedarf vermittelten sie entsprechende Kontakte. Düppers nahm die Ausführungen Nickels zum Anlass, um drauf hinzuwirken, dass sich die Stadtverordneten dem Problem von Drogen, Alkohol und Gewalt im Jugendcafé annehmen müssen.

von Silke Pfeifer-Sternke