Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Ideen und Informationen werden gefordert
Landkreis Hinterland Ideen und Informationen werden gefordert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:58 23.11.2020
In einem der vier Wahllokale der Gladenbacher Kernstadt zählten die Helfer am Sonntagabend die Stimmen der Stichwahl zwischen Amtsinhaber Peter Kremer und Robert Wolfgram aus. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
Anzeige
Gladenbach

Am Sonntagabend gab es weder eine Wahlparty noch eine Feier im Hause Kremer. „Ich habe noch gekocht und mit einem Glas Sekt mit meiner Ehefrau auf den Sieg angestoßen“, berichtet der im Amt bestätigte Bürgermeister der Stadt Gladenbach.

Auch im Foyer des Hauses des Gastes war die Zahl der Gratulanten sehr überschaubar. Stil bewiesen zumindest die Vorsitzenden der CDU- und SPD-Fraktionen. Hans-Hermann Ullrich und Robby Jahnke gratulierten direkt nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses dem Sieger. Von den anderen Fraktionen ließ sich niemand blicken.

Anzeige

Jahnke äußerte seine Freude über den von beiden Stichwahl-Kandidaten fair geführten Wahlkampf und seine Erwartung an eine „gute Zusammenarbeit“ mit Bürgermeister Peter Kremer in den nächsten sechs Jahren.

Diese Zusammenarbeit habe sich in letzter Zeit schon verbessert, erklärte gestern Ullrich auf OP-Anfrage – „wenn wir auf ihn zugegangen sind“. „Die Kommunikation muss eindeutig besser werden“, fordert Ullrich von Kremer und: Man habe auch schon angemahnt, dass die Informationen aus dem Magistrat zu spät kommen, was zu unnötigen Diskussionen führe. Dem CDU-Fraktionschef ist klar, dass die Voraussetzungen aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie erst mal nicht besser werden, die Stadt sich aus finanziellen Gründen vermutlich nur „auf das Wichtigste beschränken muss“. Dennoch hat er Wünsche an den neuen, alten Bürgermeister.

Die Stadtverordneten sollen früher in das Aufstellen des städtischen Haushalts einbezogen werden und nicht erst vier Wochen vor dessen Verabschiedung. Auch eine Prioritätenliste, was angepackt werden soll, zum Beispiel Kitaplätze, Feuerwehr, Baugebiete, erwartet die CDU.

Edmund Zimmermann von den Grünen bemerkt, dass die Gladenbacher Peter Kremer mit einer erschreckend niedrigen Wahlbeteiligung für die nächsten sechs Jahre wieder ins Amt wählten. Man kenne Kremer schon sehr lange und werde ihn in der zweiten Amtszeit konstruktiv, aber kritisch begleiten, kündigt Zimmermann an, um so „mehr zustande zu bekommen, als in den vergangenen sechs Jahren“. Deshalb würden die Grünen nicht wie einige andere Fraktionen nur kontra geben, sondern „wenn es passt“ Kremer auch unterstützen.

„Der Bürgermeister muss Ideen entwickeln, die das Parlament absegnen kann“, meint Helmut Brück. Der Vorsitzende der Freien Wähler (FW) wertete das Ergebnis des Sonntags als „ganz klaren Warnschuss der Wähler“. Die FW erhoffen sich in den nächsten sechs Jahren keinen erneuten Stillstand. Kremer müsse die im Wahlkampf versprochene Empathie nun praktizieren, indem er anders mit den Fraktionen umgehe, sie besser informiere. Einen Weg dazu sieht Brück in frühzeitigen Gesprächen mit den ehrenamtlichen Mandatsträgern. Man reiche dem Bürgermeister die Hand zur Zusammenarbeit, er müsse sie nur annehmen.

Von Gianfranco Fain

23.11.2020
22.11.2020
23.11.2020