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Hinterland Schreiben gegen „Gift des Nationalsozialismus“
Landkreis Hinterland Schreiben gegen „Gift des Nationalsozialismus“
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10:57 20.06.2020
In seinen Büchern 11 und 12 stellt Fritz Runzheimer die Schönheit des Hinterlandes vor und rechnet mit den „ewig Unverbesserlichen der AfD“ ab. Quelle: Sascha Valentin
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Holzhausen

Zu seinem 80. Geburtstag hat sich Fritz Runzheimer selbst ein Buch geschenkt. Kein gekauftes Exemplar aus der Buchhandlung, sondern ein selbst geschriebenes.

Auch wenn es bereits das Zwölfte ist, das der Holzhäuser in den vergangenen 20 Jahren verfasst hat, ist „80 geschenkte Jahre“ doch ein besonderes. Denn anders als in seinen bisherigen Werken, schlägt Runzheimer hier einen deutlich schärferen Ton an. „Gerade als Schriftsteller hat man in dieser Zeit eine Verpflichtung, Stellung zu beziehen“, sagt Runzheimer.

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Gemeint ist die Zunahme rechtspopulistischen Gedankenguts und Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft, die beide durch das Auftreten der AfD genährt werden.

„Es bereitet mir Sorge, dass das Gift des Nationalsozialismus durch die ewig Unverbesserlichen der AfD wieder in die Debatten sogar in den Bundestag einfließt“, betont Runzheimer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Autobiographische Züge

Dem eigentlichen Buch, das viele autobiografische Züge enthält, hat er deswegen ein komplettes Kapitel vorangestellt, in dem er an die deutsche Geschichte erinnert. Jemandem wie Runzheimer, der mitten in den Zweiten Weltkrieg hineingeboren wurde, liegt es besonders am Herzen, dass dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.

„Denn nur, wenn man sich daran erinnert, kann man auch dafür sorgen, dass so etwas nicht wieder passiert“, sagt der Autor. Deswegen geht er in „80 geschenkte Jahre“ auch unverblümt und hart mit Funktionären der AfD wie Alice Weidel ins Gericht. „Das zu sagen, ist wichtig“, ergänzt er.

Denn Runzheimer versteht sein neuestes Werk vor allem als ein Dankeschön an das Leben – und das hätten die Nationalsozialisten und nun auch ihre Nachfolger allzu oft mit Füßen getreten. „Mit 80 Jahren ist man auf der Zielgeraden seines Lebens angekommen und kann rückblickend viele Geschichten erzählen und beurteilen, wie wunderbar dieses Leben ist“, sagt Runzheimer.

Die Schönheit der Heimat

Das Bild der Zielgeraden hat der 80-Jährige nicht zufällig gewählt. Immerhin ist er früher selbst Marathons gelaufen und vergleicht sein Leben auch ein Stück weit mit dieser Herausforderung. Da sind die Hochgefühle, wenn man im Flow ist und alles läuft, aber auch die Rückschläge, wie etwa seine frühere Krebserkrankung, die einen runterziehen und die Kraft zum Weitermachen rauben.

„Doch wenn man das Ziel erreicht hat, weiß man, dass sich all die Mühen gelohnt haben“, sagt Runzheimer. Weil er diese Einsicht auch anderen vermitteln will, die nicht unbedingt seine Biografie lesen wollen, bringt er zeitgleich mit seinem zwölften Buch noch einen weiteren Band heraus: „Mit offenen Augen sehen und staunen“ ist ein Bildband, den Runzheimer der Schönheit seiner Heimat widmet.

Darin vereint er Tier-, Pflanzen- und Landschaftsaufnahmen aus allen Jahreszeiten mit kleinen Sinnsprüchen zu einer Komposition der Heimatliebe. „Bildbände über Seen und Berge hat doch gefühlt jeder zu Hause im Regal stehen“, sagt Runzheimer. Dabei habe das Hinterland mindestens genauso viele schöne Plätze und ein ebensolches Flair zu bieten. Man muss es nur sehen und wahrnehmen.

Von Sascha Valentin

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