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Hinterland Große Hoffnung auf Biergartenwetter
Landkreis Hinterland Große Hoffnung auf Biergartenwetter
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12:00 22.04.2022
Die heimischen Gastronomen wünschen sich viele Gäste wie vor der Corona-Krise.
Die heimischen Gastronomen wünschen sich viele Gäste wie vor der Corona-Krise. Quelle: Sven Hoppe/dpa/Archivfoto
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Hinterland

Keine Maskenpflicht, keine Kontrolle des Impfstatus: In der Gastronomie sind wie fast überall die Hygienevorgaben aus der Corona-Pandemie weggefallen. Was bedeutet das für die Gastronomen im Hinterland?

„Wir setzen darauf, dass beim nahenden Frühlingswetter der Biergartenbetrieb an Fahrt gewinnt“, sagt Patrick Werner, Inhaber des gleichnamigen Gastronomiebetriebs in Dautphetal-Mornshausen. Bereits jetzt sei die Reservierungslage durchaus stabil. „Wenn das Wetter mitspielt, was wir natürlich hoffen, wird unser Maifest mit Livemusik gut laufen“, zeigt Werner sich optimistisch.

Gute Auftragslage

Und auch die Auftragslage sei als gut zu bezeichnen: „Es werden Hochzeiten geplant, in der üblichen Größe von 70 bis 120 Leuten.“ Für ihn stehe fest, dass die Menschen wieder feiern wollten. Er gehe davon aus, dass sich die Situation noch weiter verbessere, wenn die Inzidenzen fallen und das Wetter wärmer werde, erklärt Patrick Werner.

In den bislang zwei Jahren Corona-Krise habe der Familienbetrieb einige Veränderungen durchlaufen, von denen manche erhalten bleiben. „Man erfindet sich neu, sucht andere Wege und Lösungen“, beschreibt der Gastronom seine Strategie der vergangenen Monate. Unter anderem hat er das Geschäft etwas weg vom Hauptstandbein Catering und hin zu Übernachtungen verlagert.

Seinen Mitarbeitern stelle er frei, eine Maske zu tragen, wovon einige auch Gebrauch machten, berichtet er und erwähnt in diesem Zusammenhang ein Thema, das ihm Sorge bereite: „Es ist schwer, professionelles Personal zu finden“, bedauert Werner. So sei sein Gastronomie-Unternehmen bereits seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Koch. Und allem Optimismus zum Trotz: Das Einkommensniveau der Zeit vor Corona sei längst nicht wieder erreicht. „Wir sind etwa bei 30 bis 50 Prozent von dem vor der Krise“, fasst er zusammen.

Luftreiniger bleiben bei Ferron in Betrieb

Sehr positive Erfahrungen in den vergangenen zwei Wochen hat Michael Ferron gemacht. Der Inhaber des nach ihm benannten Restaurants und Bistros in der Bad Endbacher Lahn-Dill-Bergland-Therme sei sehr froh über die aktuelle Entwicklung, berichtet er. „Die Leute kommen wie früher“, freut er sich.

Dieses Verhalten habe sich bereits mit den ersten Lockerungen im März angedeutet, aber ab 2. April – also mit dem Wegfall der Vorgaben – habe das noch einmal spürbar angezogen, was ihn überrascht habe. Auch Ferron wird in seinem Unternehmen eigenen Angaben zufolge einige der eingeführten Änderungen beibehalten, erklärt er und erwähnt als Beispiel die eigens angeschafften Luftreiniger, die weiterhin in Betrieb bleiben sollen.

Für Gliesche seien noch nicht alle Probleme gelöst

Mit dem Wegfall der Vorschriften seien längst nicht alle Probleme für die Gastronomie gelöst, sagt hingegen Marita Gliesche. Sie betreibt das Wirtshaus Frauental in Biedenkopf, sei allerdings als Rentnerin nicht auf das entsprechende Einkommen angewiesen, erklärt die Wirtin.

„Wäre ich 20 Jahre jünger, hätte ich durchaus Zukunftsangst“, betont die Biedenkopferin. Als Gründe dafür nennt sie die Preiserhöhungen für Nahrungsmittel und Energie, die als Folge des Kriegs in der Ukraine zu bewältigen seien. Zudem gebe es bei einigen Produkten wie Speiseöl massive Lieferprobleme. All das müsse sich auf die Preisentwicklung im Betrieb niederschlagen, sagt Gliesche. Und das wiederum werde nicht von allen Gästen mit Verständnis für die Situation der Gastwirte aufgenommen. „Ich setze meine Hoffnung auf den Biergarten, habe da allerdings ein weiteres Problem“, erklärt sie. Denn auch ihr Betrieb finde kein geeignetes Personal, weswegen der Biergarten im Sommer möglicherweise in Selbstbedienung angeboten werden müsse.

Auch die Speisekarte werde wohl reduziert, kündigt die Wirtin an, die froh ist, sich auf ihre Stammgäste verlassen zu können. „Es werden auch die ersten Feiern angefragt“, fügt sie hinzu. Etwa die Hälfte ihrer Mitarbeiter verzichte darauf, eine Maske zu tragen, sagt Marita Gliesche. Eine Tradition im Frauental soll im Sommer fortgesetzt werden: Die Konzertreihe „Gude Musik“ werde nach der Corona-Pause wiederbelebt, sagt sie.

Von Markus Engelhardt