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Hinterland Hinterländer Firmen wollen helfen
Landkreis Hinterland Hinterländer Firmen wollen helfen
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15:20 18.03.2022
Sie haben ihr Zuhause verloren. Hunderttausende Menschen sind seit Beginn des Krieges aus der Ukraine geflüchtet. Dazu, die Not zu lindern, wollen auch Hinterländer Unternehmen und die IHK Lahn-Dill beitragen.
Sie haben ihr Zuhause verloren. Hunderttausende Menschen sind seit Beginn des Krieges aus der Ukraine geflüchtet. Dazu, die Not zu lindern, wollen auch Hinterländer Unternehmen und die IHK Lahn-Dill beitragen. Quelle: Foto: Michael Kappeler
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Hinterland

Die Not der Menschen, die aus der Ukraine flüchten, lindern – dabei helfen auch Unternehmen im Hinterland. Elkamet, die Roth-Werke, C+P und andere Firmen sind bereits am Start. Es geht um Sach- und Geldspenden, um Unterkünfte, um Praktika und Jobs für Menschen, die flüchten mussten. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lahn-Dill hat ein regionales Netzwerk „#WirtschaftHilft“ gestartet, um die Aktionen der verschiedenen Firmen zu bündeln.

Wie nah der Ukraine-Krieg ist, das spüren die Mitarbeiter der Firma Elkamet ganz besonders. „An unserem tschechischen Standort arbeiten 40 Menschen aus der Ukraine“, berichtet Unternehmenssprecherin Sophie Cyriax. In Windeseile hatte Elkamet den Kollegen bereits geholfen und auch einen Hilfstransport auf den Weg gebracht (die OP berichtete).

Hilfe angeboten 

Nah ist der Krieg auch für das Breidenbacher Unternehmen C+P. Der Hersteller von Möbelsystemen betreibt eine Niederlassung in Legnica in Polen. Dort arbeiten etwa 40 Menschen aus der Ukraine. Geschäftsführer Tomas Kirschenfauth hat seiner Betroffenheit in einem internen Newsletter Ausdruck gegeben. „Niemand in meiner Generation hat damit gerechnet, dass es mitten in Europa noch einmal einen Überfall eines Landes auf seine Nachbarn geben würde. Sogar mit dem russischen Atomarsenal wird gedroht“, schreibt er in dem Newsletter. Und: „Ich bin fassungslos.“ Den ukrainischen Mitarbeitern gelte die volle Unterstützung. Kirschenfauth: „Wir haben ihnen Hilfe bei der Ausreise ihrer Familien, deren Unterbringung und deren Transport angeboten.“

Das Unternehmen hat bislang vier ukrainischen Familien in Polen eine Unterkunft zur Verfügung gestellt, berichtet Marketingleiterin Johanna Hübel. „Des Weiteren zeigen unsere Kolleginnen und Kollegen in Polen hohes Engagement“, sagt Hübel. „Sie holen regelmäßig Menschen von der Grenze ab und kümmern sich um deren Versorgung.“

Auch die Roth-Werke mit Sitz im Dautphetaler Ortsteil Buchenau beteiligen sich an der gemeinsamen Aktion der Wirtschaftsunternehmen. „Wir engagieren uns derzeit parallel in verschiedene Richtungen, die zusammen eine komplexe Hilfsaktion für die Ukraine und die Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet ergeben“, sagt Unternehmenssprecherin Jaqueline Lachwa. „Daran beteiligen sich die deutschen Roth-Unternehmen, und auch die Roth-Auslandsgesellschaften engagieren sich in der Ukraine-Hilfe.“

Betriebe wollen unbürokratisch handeln

Zudem wolle Roth bei Bedarf die Einrichtung von Unterkünften mit seinen Produkten unterstützen und stimme sich dafür eng mit dem Landkreis ab. „Darüber hinaus setzen wir uns mit Geldspenden bei bekannten Hilfsorganisationen für spezielle Projekte ein, etwa für die Versorgung mit medizinischer Hilfe“, ergänzt sie.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lahn-Dill weiß noch von viel mehr Hilfsaktionen heimischer Unternehmen zu berichten. Das Wetzlarer Unternehmen Messe-Pro Becker & Heinrich etwa habe Hilfsgüter an die Grenze geschickt. Und die Isabellenhütte Dillenburg biete mit ihren Mitarbeitern einer geflüchteten Familie Unterkunft und Hilfe. IHK-Hauptgeschäftsführer Burghard Loewe sagt: „Bei unseren Mitgliedsunternehmen erleben wir eine große Solidarität und Hilfsbereitschaft.“ Sei es mit Spenden, Unterkunftsmöglichkeiten oder Hilfstransporten an die Grenze. Loewe erklärt: „Wir stehen geschlossen an der Seite der Ukraine und setzen alles daran, die Not der Menschen zu lindern.“

Die heimische Wirtschaft zeige sich zudem mit Angeboten zur Arbeitsmarktintegration mit den Menschen in der Ukraine und den Geflüchteten solidarisch, erklärt IHK-Pressesprecherin Iris Baar.

Um die Unternehmen dabei zu unterstützen, hat die IHK Lahn-Dill im Rahmen der bundesweiten Aktion „#WirtschaftHilft“ ein regionales Netzwerk auf die Beine gestellt. Firmen, die die Möglichkeit haben, Geflüchtete in ihre Belegschaft zu integrieren, können sich auf der Internetseite www.ihk-lahndill.de/wirtschafthilft listen lassen. Auf diese Weise solle der Zugang zum regionalen Arbeitsmarkt schnell und unbürokratisch möglich werden. Die Seite wird von der IHK täglich aktualisiert.

Zum Angriff Putins auf die Ukraine erklärt der Präsident der IHK Lahn-Dill, Eberhard Flammer: „Wir unterstützen die Maßnahmen der Bundesregierung und der internationalen Gemeinschaft, der Ukraine angesichts dieses brutalen Überfalls zur Seite zu stehen.“ Auch wenn die Konsequenzen die Unternehmen hart träfen. „Der Angriffskrieg macht uns fassungslos, aber nicht hilflos. Freiheit und Demokratie haben einen hohen Preis, wir sind bereit, diesen mitzutragen“, sagt Flammer.

Von Susan Abbe, Mark Adel und Markus Engelhardt

17.03.2022
17.03.2022