Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Hessen Mobil rät von Minikreisel ab
Landkreis Hinterland Hessen Mobil rät von Minikreisel ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:58 06.01.2021
Ein Kreisel an der Kreuzung von Ferdinand-Köhler-Straße, Burgstraße und Mozartstraße ist aus Sicht von Hessen Mobil nicht erforderlich. Im Sommer soll die Kreisstraße 117 in Gladenbach saniert werden.
Ein Kreisel an der Kreuzung von Ferdinand-Köhler-Straße, Burgstraße und Mozartstraße ist aus Sicht von Hessen Mobil nicht erforderlich. Im Sommer soll die Kreisstraße 117 in Gladenbach saniert werden. Quelle: Foto: Michael Tietz
Anzeige
Gladenbach

Ein weiterer Minikreisel ist in der Gladenbacher Innenstadt nicht erforderlich. Zu diesem Ergebnis kommt Hessen Mobil, nachdem Vertreter des Stadtparlaments und des Ortsbeirats einen Kreisverkehr an den Zufahrten zu den beiden Schulstandorten angeregt hatten. Die Straßenbaubehörde sieht an dem Knotenpunkt keine Missstände, die einen größeren Umbau der Kreuzung rechtfertigen würden.

Im Sommer soll die Sanierung der Kreisstraße 117 in Gladenbach anlaufen. Betroffen ist der komplette Abschnitt von der Einfahrt an der Biedenkopfer Straße (Bundesstraße 453) bis vor die Tore Kehlnbachs. Dann werden Fahrbahn, Versorgungsleitungen und Gehwege wieder in Schuss gebracht. Die Bauzeit beträgt rund ein Jahr.

Die Gladenbacher Stadtverordneten hatten sich auf Initiative von SPD und Freien Wählern im August einstimmig dafür ausgesprochen, dass im Zuge der Arbeiten auch die Kreuzung von Kehlnbacher Straße, Burgstraße, Ferdinand-Köhler-Straße und Mozartstraße sicherer gestaltet wird. Der Magistrat sollte deshalb prüfen, ob an dieser Stelle ein Kreisel – ähnlich der beiden Anlagen vor dem Rathaus und am Schwimmbad – entstehen kann.

Hessen Mobil hat zu den Plänen aus Gladenbach nun Stellung bezogen. Grundsätzlich spreche nichts gegen einen Minikreisverkehr. Allerdings ergebe aus Sicht der Straßenbaubehörde ein solcher nur dann Sinn, wenn damit Missstände an der Kreuzung behoben werden können.

Dies sind beispielsweise eine auffällige Unfallsituation, überhöhte Geschwindigkeiten und die mangelnde Akzeptanz einer bestehenden Vorfahrtsregelung. Auf den Kreuzungsbereich der vier Straßen in Gladenbach trifft dies laut Hessen Mobil aber nicht zu. „Es ist weder erkennbar, dass der Knotenpunkt nicht leistungsfähig noch ein Unfallschwerpunkt ist“, fasste Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) das Ergebnis des Prüfauftrages zusammen. Ein Umbau zum Minikreisel sei deshalb nicht erforderlich, so das Fazit von Hessen Mobil.

Falls dennoch ein Kreisverkehr gewünscht ist, muss dieser „ordnungsgemäß nach Richtlinien geplant werden“. Entwürfe für zwei mögliche Ausbauvarianten des Knotenpunktes mit einer runden Verkehrsführung liegen auch vor. Diese weisen laut der Straßenbaubehörde allerdings „keine optimalen Geometrien“ auf. In beiden Fällen ist ein „Bypass“ zum Kreisel vorgesehen. Dieser wird für Busse und Lastwagen notwendig, damit die aus Richtung Schwimmbad kommenden großen Fahrzeuge problemlos die Kurve hinauf zur Kehlnbacher Straße nehmen können.

Hessen Mobil verweist darauf, dass dieser „Bypass“ in der Praxis auch von Autos genutzt werde. Und damit erübrige sich die eigentliche Funktion des Kreisels.

Die Straßenbaubehörde sieht weiteres Konfliktpotenzial in den beiden Ausbauvarianten. So sei auf der Hauptachse (obere Burgstraße zur Ferdinand-Köhler-Straße) eine sehr lenkintensive Fahrweise erforderlich, um den Innenring des Kreisels zu passieren. Der Fußgängerverkehr von der Ferdinand-Köhler-Straße zur Mozartstraße könne nur „ungünstig“ über die Insel abgewickelt werden.

Hans-Jürgen Tiefau vom beauftragten Planungsbüro Zick-Hessler aus Wettenberg hatte den Gladenbacher Parlamentariern Ende Oktober eine weitere Ausbaumöglichkeit vorgestellt. Anstelle des Kreisels ist nur eine Verengung in Höhe der Einmündung zur Mozartstraße vorgesehen. Mit dieser „Nase“ soll verhindert werden, dass Autos geradewegs von der abschüssigen Kehlnbacher Straße über den Kreuzungsbereich in die Burgstraße rasen. Sie sollen künftig einen kleinen Schlenker um den verbreiterten Bürgersteig machen. Hessen Mobil sieht in dieser Variante keine grundsätzlichen Bedenken. Alle Fahrbeziehungen könnten damit gut abgewickelt werden, hieß es.

Den Bau eines Minikreisels müsste die Stadt Gladenbach komplett aus eigener Tasche bezahlen – Fördermittel gibt es dafür nicht. Wie hoch die Kosten sind, konnte das angefragte Planungsbüro kurzfristig nicht beziffern. Außerdem müsste für den Kreisel erst einmal Baurecht geschaffen werden. Damit wäre der geplante Baubeginn in der Kreisstraße im Juli hinfällig. „Da können wir dann ein Jahr dranhängen“, sagte Kremer.

Der Gladenbacher Verkehrsausschuss will über den Ausbau der K 117 sowie über das Für und Wider eines Kreisels noch einmal beraten.

Von Michael Tietz

03.01.2021