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Hinterland Herzhäuser Windparkgegner fordern Transparenz
Landkreis Hinterland Herzhäuser Windparkgegner fordern Transparenz
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13:57 28.05.2020
In Herzhausen gibt es Ärger um einen geplanten Windpark. Die Bürgerinitiative vermisst Transparenz. Quelle: Uwe Zucchi/dpa/Themenfoto
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Herzhausen

Nicht nur die Pläne des Windparkprojektierers PNE stoßen den Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI) Holzhausen übel auf, auch das Vorgehen des Projektierers, der Gemeinde und des „Bürger Energieforum Energieland Hessen“ (BFEH) lässt den Vorsitzenden Reinhold Leinweber zu dem Schluss kommen, dass „Bürgernähe, Transparenz, und Akzeptanz zu schaffen, offensichtlich wieder einmal nur Plattitüden sind“.

Leinweber ärgert sich über die Chronologie der Ereignisse. Die BI habe erst Ende 2019 und das auch noch inoffiziell erfahren, was PNE im April dieses Jahres öffentlich bekannt gab, nämlich dass der Projektierer bereits seit dem Jahr 2018 einen Windpark in diesem Gebiet plane.

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Hinzu kam die Erklärung zur Veröffentlichung und Präsentation des Projektes im Internet unter www.energieland.­hessen.de/dautphetal. Die Überschrift und die ersten Sätze lauten: „BFEH unterstützt Politik und Verwaltung in Dautphetal.

Auf den Gemeindeflächen von Dautphetal gibt es geeignete Standorte für die Nutzung von Windkraft. Diese Flächen liegen nahe des Ortsteils Herzhausen. Die Gemeinde möchte mit Unterstützung des BFEH die Öffentlichkeit über das Vorhaben informieren.“

„Mal wieder vor vollendete Tatsachen gestellt“

Dazu Leinweber verwundert: „Nachdem seit 2018 geplant wird und rund zwei Jahre vergangen sind, möchte die Gemeinde mit Unterstützung des BFEH die Öffentlichkeit über das Vorhaben informieren?“ Wie dem Terminplan zu entnehmen sei, sind die Planungen beendet und der Antrag ist auf dem Weg zur Behörde, dem Regierungspräsidium in Gießen.

„Was will man noch informieren?“, fragt Leinweber. Die Bürger würden „mal wieder vor vollendete Tatsachen gestellt“ und ein politischer Beschluss der Gemeinde stelle sich als nichtig heraus. Denn es liege ein Grundsatzbeschluss der Gemeinde Dautphetal vor, der besage, dass Planungen von weiteren Windparks durch externe Projektierer auf gemeindlichen Gebiet abgelehnt werden.

Kritik an den Projektinitiatoren

Eine kritische Begleitung sei offenbar ohnehin nicht erwünscht. Wie aus einer Notiz aus April 2020 zu entnehmen sei, hätten sich die Projektinitiatoren und deren Begleiter ohnehin gegen eine Teilnahme der Bürgerinitiative an den bisherigen Besprechungen ausgesprochen und es werde noch „über eine Teilnahme der BI an den weiteren Planungen beraten“.

Umso mehr verwundert die BI die neuen Pläne, da es schon im Jahr 2012 Bestrebungen gab, in diesem Vorranggebiet einen Windpark zu errichten. Diese wurden aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter verfolgt. Ebenso endeten ein paar Jahre später die Bestrebungen der Firma Juwi, die sogar ganzjährige Brutvogelerfassungen und Raumnutzungsanalysen von Gutachtern anfertigen ließ. Dabei wurden Rotmilane als Brutvögel und Schwarzstörche als Nahrungsgäste festgestellt.

Ort „massiven Immissionen ausgesetzt“

Für den Abschied vom Projekt spielte sicherlich auch eine Rolle, vermutet Leinweber, dass dieses Vorranggebiet rund 120 Meter tiefer und vollkommen im Windschatten der Windparks Rachelshausen und Hilsberg liege.

Für Holzhausen würde ein weiterer Windpark im Osten bedeuten, dass der Ort praktisch umzingelt wäre. Dies von Süd/West durch die Windparks Rachelshausen, Hülshof, Hilsberg mit unterschiedlich hohen Windrädern, im Norden durch die Windparks Weißenberg und Schwarzenberg, und dann im Osten in rund 1.800 Metern Entfernung im Vorranggebiet 3123 zunächst sechs neue Anlagen. Dadurch werde der Ort „weiteren massiven Immissionen ausgesetzt“. Dabei würden die zulässigen Lärmwerte nach Messungen der BI in Holzhausen bereits erheblich überschritten.

Bürgermeister will sich an Beschluss halten

Der BI gehe es nicht darum, ob man die Anlage sehe oder nicht, sondern darum, ob die Belastungen für Mensch und Umwelt im Verhältnis zum Nutzen stünden. So seien die Flächen um den Hilsberg bis heute nicht endgültig bilanziert. Unter dem Windpark-Bau habe besonders der Wald gewaltig gelitten. Nun werde „die nächste katastrophale Rodung“ geplant und neue Einschnitte getätigt, bevor die alten Wunden geschlossen sind.

Bürgermeister Bernd Schmidt erklärt auf Anfrage der OP, dass er sich an den Grundsatzbeschluss der Gemeindevertretung hält. Er habe nur befördert, dass die Öffentlichkeit endlich über das Projekt informiert wird.

Von Gianfranco Fain

28.05.2020
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