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Hinterland Heimischer Hotelier macht das Rennen
Landkreis Hinterland Heimischer Hotelier macht das Rennen
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12:58 12.09.2021
So könnte das Hotel neben der Therme einmal aussehen. Familie Yilmaz darf nun ihre Pläne weiter verfolgen (Illustration).
So könnte das Hotel neben der Therme einmal aussehen. Familie Yilmaz darf nun ihre Pläne weiter verfolgen (Illustration). Quelle: Rosner-Architekten
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Bad Endbach

In nur wenigen Minuten stellten die Gemeindevertreter die Weichen für zwei Großprojekte in Bad Endbach. Das Familienunternehmen Yilmaz kann seinen Plan, neben der Lahn-Dill-Bergland-Therme ein Hotel zu bauen, weiterverfolgen. Das entschied das Gemeindeparlament einstimmig bei einer Enthaltung. Die zweite Entscheidung betrifft die Sportstätten. Mit einem Betrag von 1,9 Millionen Euro beteiligt sich Bad Endbach am Bau einer Vier-Felder-Schulsporthalle in Hartenrod.

Sie darf – wenn nicht gerade Sportunterricht an der Mittelpunktschule ist – von den Bad Endbacher Vereinen mitbenutzt werden. Mittelfristig steht damit eine Umgestaltung der Sportstättenlandschaft in der Gemeinde an. Die Gemeindevertreter beschlossen mehrheitlich die Beteiligung an der Schulsporthalle. Gegenstimmen gab es aus den Reihen von CDU und FWG. Mit diesen Beschlüssen folgte das Kommunalparlament den Empfehlungen aus einer gemeinsamen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses mit dem Bau- und Planungsausschuss.

Einige Fragen

Man habe „intensiv mit Herrn Yilmaz diskutiert und einige Fragen abgearbeitet“, sagte der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses Rolf Bernshausen (SPD) mit Blick auf den Hotelneubau. Der zweite Vorhabenträger, die Projektentwickler Rechtsanwalt Sven Ludwig und sein Partner German Halcour, waren in der Ausschusssitzung nicht da gewesen.

Die Gemeinde Bad Endbach besitzt neben der Therme ein Grundstück von insgesamt 25.500 Quadratmetern. Ein Teil dieser Fläche – die Rede ist von rund 6.000 Quadratmetern – ist für einen Hotelneubau gedacht. Wie groß die Teilfläche sein wird, die Yilmaz für sein Gesundheitshotel letztendlich erwerben möchte, steht noch nicht fest. Der Text der Exklusivitätsvereinbarung, die jetzt mit Yilmaz getroffen werden soll, lässt dies noch offen.

Idee zur Planungsreife

Im Kern bedeutet eine solche Vereinbarung, dass ein Interessent seine Idee zur Planungsreife entwickeln kann, inklusive Businessplan und finanzieller Absicherung seines Vorhabens. In diesem Zeitfenster haben potenzielle Konkurrenten keinen Zugriff auf das Grundstück. Die Absichtserklärung ist auf ein Jahr befristet. Wenn in diesem Zeitraum kein Kaufvertrag zustande käme, hätte die Naturmed GmbH die Möglichkeit, vor Ablauf dieser Frist, eine Verlängerung um ein weiteres Jahr zu beantragen.

Ursprünglich war in der Vereinbarung vorgesehen, dass dafür nicht das Votum der Gemeindevertretung notwendig sein soll. Jochen Lang von der CDU beantragte, den Passus zu streichen. Er habe gelesen, es gehe um die Vergabe des „Sahnestücks“ der Gemeinde. Es habe ja schon einmal eine Exklusivitätsvereinbarung gegeben, die aus „welchen Gründen auch immer ausgelaufen“ sei. Deshalb solle nun die Gemeindevertretung dazu entscheiden.

Absichtserklärung mit der Gemeinde

Anfang 2020 hatte Yasar Yilmaz eine Absichtserklärung mit der Gemeinde abgeschlossen. Im Herbst 2020 trat ein zweiter Interessent für das Grundstück neben der Therme auf den Plan. Die erste Exklusivitätsvereinbarung ließ die Gemeinde zum Jahresende 2020 auslaufen. Dass Yilmaz eine Verlängerung benötigt, ist eher unwahrscheinlich. Der Hotelbetreiber und Arzt machte im Ausschuss deutlich, dass er schnell mit der Umsetzung seiner Pläne starten will. Vorgesehen sind erst einmal 33 Doppelzimmer.

Familie Yilmaz betreibt an der westtürkischen Küste ein Hotel, die Naturmed GmbH ist auch Eigentümerin des Hotels „Heckenmühle“ in Bad Endbach. Es soll von heute 18 auf dann 40 Doppelzimmer erweitert werden. Der dafür notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplans Sebastian-Kneipp-Straße stimmten die Gemeindevertreter einstimmig zu. In dem dazugehörigen städtebaulichen Vertrag geht es auch um die Frage, bis wann die „Heckenmühle“ erweitert werden soll. Innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten des Bebauungsplans muss ein genehmigungsfähiger Bauantrag gestellt werden.

Gemeinde soll Bedarf prüfen

Spätestens zwei Jahre nach der Erteilung der Baugenehmigung muss demzufolge die Umsetzung des Bauvorhabens beginnen. September 2027 wäre der Termin für die Inbetriebnahme der erweiterten „Heckenmühle“. „Sehr gut“ fand Sabine Aßmann, Vorsitzende der FWG-Fraktion, den Zusatz, der eine Verlängerung dieser Fristen vorsieht, wenn Yilmaz das neue Hotel neben der Therme baue. Dann verschiebt sich die Frist für die „Heckenmühle“ auf den 30. September 2031.

Es handle sich um eine eingefügte Option für den Bauherrn, sagte Bürgermeister Julian Schweitzer (SPD). Sollte es mit dem Neubau neben der Therme aber nicht klappen, will sich die Gemeinde Handlungsspielraum bewahren – damit es beim Ausbau der „Heckenmühle“ vorangeht.

Vier-Felder-Schulsporthalle in Hartenrod

Voran geht es mit der Vier-Felder-Schulsporthalle in Hartenrod. Die Gemeindevertreter stimmten für die Verwaltungsvereinbarung mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Halle soll nach Abzug des Bundeszuschusses nach bisheriger Schätzung 5,57 Millionen Euro kosten. Bad Endbach steuert dazu 1,9 Millionen Euro bei. Den Großteil übernimmt der Kreis, der auch für den Unterhalt aufkommt. Mittelfristig werden wohl die sanierungsbedürftige Volkshalle in Hartenrod und der Sportpark nicht mehr für den Vereinssport zur Verfügung stehen.

Auf Antrag von CDU und FWG soll der Raumbedarf der Vereine ermittelt werden. Die Belegungspläne für den Sportpark seien vor der Corona-Pandemie „rappelvoll“ gewesen, sagte Aßmann. Es sei nicht sicher, ob alle in der neuen Sporthalle zum Zug kämen.Bürgermeister Schweitzer bestätigte in der Sitzung, dass die bestehenden Hallen rege genutzt würden. Die Gemeinde verfüge aber etwa mit den Dorfgemeinschaftshäusern noch über andere Räumlichkeiten. Man könne, ist sich Schweitzer sicher, den Bedarf steuern.

Von Regina Tauer

08.09.2021