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Hinterland Hotelerweiterung mit Einschränkung
Landkreis Hinterland Hotelerweiterung mit Einschränkung
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18:00 11.06.2021
Die Inhaber wollen das Hotel Heckenmühle erweitern, allerdings in geringerem Umfang als bisher vorgesehen.
Die Inhaber wollen das Hotel Heckenmühle erweitern, allerdings in geringerem Umfang als bisher vorgesehen. Quelle: Gianfranco Fain
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Bad Endbach

Die Familie Yilmaz kann verstärkt hoffen, ihre Pläne zum Erweitern des Hotels Heckenmühle bald umzusetzen. Am Mittwochabend sprachen die Mitglieder des Bauausschusses den Gemeindevertretern mehrheitlich eine Annahmeempfehlung aus. Allerdings dies auch nur für eine geänderte Vorlage des Gemeindevorstandes. Dieser schlug unter anderem auch vor, im Zuge der erneuten Offenlage zur 15. Änderung des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Bad Endbach im Bereich des Hotels Heckenmühle, diese Zone von einem Kur- und Sondergebiet in ein allgemeines Wohngebiet umzuwandeln.

Dieses Ansinnen bot einigen Diskussionsstoff. Sabine Assmann monierte, dass diese Änderung mit nur einem Ereignis im „Oxygen“ begründet werde, als es während einer Feier zu laut wurde. Das Erreichen eines Schallpegels von mehr als 35 Dezibel nach 22 Uhr sei von einem Naturhotel nicht zu erwarten, die Änderung auf 40 Dezibel deshalb nicht nachvollziehbar, meinte die Fraktionsvorsitzende der FWG. Das Umwandeln in ein allgemeines Wohngebiet sei kontraproduktiv für die Gemeinde, sagte ihr Fraktionskollege Arndt Räuber. Bad Endbach habe ein größeres Interesse, Kurgebiet zu bleiben, schließlich werbe die Gemeinde mit der Ruhe eines Kurortes, ergänzte Sabine Assmann.

Man spreche nicht vom Oxygen, sondern von der Mehrzweckhalle, bemerkte Bürgermeister Julian Schweitzer. Damit gab es Konfliktpotenzial und um das auszuschalten, wolle man die Nutzungsart des Gebiets ändern, ergänzte der Sozialdemokrat. Räuber gab mit Blick in die Zukunft zu bedenken, dass die Gemeindevertretung noch über den Verbleib des KSF-Zentrums sprechen müsse und in einem Kurgebiet nun mal höhere, sensiblere Werte gelten. Woraufhin Schweitzer sagte, dass auch für ein allgemeines Wohngebiet ein strenger Rahmen vorliege.

Erster Plan sah ­Erweiterung auf 30 Betten vor

Wenn es beim derzeitigen Stand bleibe, dürften in dem Gebiet keine Feiern mehr stattfinden, meinte Jörg Jakob. Er sehe einen großen Nachteil, wenn die Sportstätte nicht genutzt werden könne, fügte der Sozialdemokrat an. Nach fast 45 Minuten schlug Vorsitzender Jürgen Plaum von der FWG eine Änderung des Antrags in einem Punkt vor, nämlich mit dem Aufrechterhalten der Zone im Status als Kur- und Sondergebiet.

Dies empfehlen die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses der Gemeindevertretung zur erneuten Offenlage des Flächennutzungsplanes mit vier Ja- und drei Neinstimmen. Dass es einer erneuten Offenlage bedarf, liegt an einer Feststellung der Unteren Naturschutzbehörde während der ersten Offenlage im Dezember. Da fiel auf, dass zwei vorgesehene Ausgleichsflächen für den Eingriff in die Natur bereits seit 20 Jahren belegt sind, woraufhin das Ingenieurbüro Müller zwei andere Flächen aussuchte. Zudem bat die Familie Yilmaz am 6. Januar, auch zu prüfen, ob eine Erweiterung im kleineren Umfang nicht auch ohne die Ausgleichsflächen erfolgen könne.

Mit ihrem ersten Plan beabsichtigte die Familie Yilmaz, die Kapazität des 30-Betten-Hotels Heckenmühle zu verdoppeln, nun würden den Betreibern auch 20 neue Betten beziehungsweise zehn Zimmer genügen. Hintergrund für den Sinneswandel ist, dass die Hoteliers auf einer Fläche zwischen der Lahn-Dill-Bergland-Therme und dem KSF-Zentrum ein weiteres Gästehaus errichten könnten.

Das Vermeiden von Ausgleichsflächen sei möglich, wenn die zu bebauende Fläche von der Baugrenze im Norden her zurückgenommen und zugleich die Geschossflächenzahl von Norden nach Süden verringert werde, erklärte der Vertreter des Ingenieurbüros. Da dies die Grundzüge der ursprünglichen Planung berühre, bedarf es, abgesehen vom Ändern der Nutzungsart des Gebietes, einer erneuten Offenlage des Planes.

Gemeindevertretung ­entscheidet am Montag

Diese Absicht zur Erweiterung des bestehenden und die Bereitschaft zum Bau eines weiteren Hotels bekräftigte der per Video aus der Türkei zugeschaltete Dr. Yasar Yilmaz, als es um die Änderung des Bebauungsplanes ging. Seine Nachkommen wollen in Bad Endbach bleiben und die Erfahrungen des Familienbetriebes in der West-Türkei nutzen.

Jedoch sei das kleine Hotel Heckenmühle erweiterungsbedürftig, was man, möglichst ohne die Natur zu berühren, tun wolle. 30 Betten seinen keine vernünftige Zahl, um ein Hotel zu betreiben, fügte Geschäftsführerin Eylem Yilmaz an.

20 Betten würden aber reichen, um etwas anderes anzubieten, erklärte sie. Der Anbau soll zudem einen Mehrzweckraum enthalten, der als Speise- oder Veranstaltungssaal für Hotel- und Tagesgäste genutzt werden könne. Auch ein Parkplatz sei vorgesehen.

Das Ändern des Bebauungsplanes empfiehlt der Bauausschuss einstimmig der Gemeindevertretung. Diese tagt am Montag, 14. Juni, ab 19.30 Uhr im Kursaal des Bürgerhauses Bad Endbach.

Von Gianfranco Fain