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Hinterland Heck + Becker startet wieder durch
Landkreis Hinterland Heck + Becker startet wieder durch
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13:58 16.03.2021
Das Dautpher Traditionsunternehmen Heck + Becker hat sich nach seinem Insolvenzverfahren neu aufgestellt und konzentriert sich nun verstärkt auf die Entwicklung von Prototypen.
Das Dautpher Traditionsunternehmen Heck + Becker hat sich nach seinem Insolvenzverfahren neu aufgestellt und konzentriert sich nun verstärkt auf die Entwicklung von Prototypen. Quelle: Sascha Valentin
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Dautphe

Die Firma Heck + Becker wird Ende März ihr Insolvenzverfahren beenden. Eine entsprechende Anhörung, bei der den Gläubigern der Insolvenzplan vorgestellt wurde, hat bereits Ende Februar vor dem Amtsgericht Marburg stattgefunden. Dabei haben alle Beteiligten dem vorgelegten Plan zugestimmt, sodass das Unternehmen ab dem 1. April wieder eigenständig operieren kann.

Baumann: Keine einfache Entscheidung

„Die Entscheidungen, die wir im vergangenen Jahr treffen mussten, waren sicherlich keine einfachen“, betont Geschäftsführer Martin Baumann. Sich von Mitarbeitern trennen zu müssen – darunter teils auch langjährigen – sei „die schwerste Entscheidung in unserem Unternehmerleben gewesen“, sagt Baumann.

Aber letztlich habe es keine andere Möglichkeit gegeben, Heck+Becker wieder auf eine solide Grundlage zu stellen und dadurch auch vielen Arbeitsplätzen eine Perspektive für die Zukunft zu geben. „Verfahren dieser Art sind leider auch immer mit schweren Entscheidungen verbunden“, sagt auch Gordon Geiser von der Berliner Kanzlei GT Restructuring, der das Eigenverwaltungsverfahren des Unternehmens begleitet hat. „Aber hätte man nur abgewartet und auf eine Verbesserung des Marktes gehofft, hätte das Traditionsunternehmen Heck+Becker wahrscheinlich nicht überlebt.“

Positionieren bei den alternativen Antriebsarten

Dass das Verfahren vom Zeitpunkt der Antragstellung bis zum Abschluss nicht einmal ein halbes Jahr gedauert hat, wertet Geiser als deutliches Zeichen für die gute Unternehmenssubstanz. Darüber hinaus hätten aber auch die Mitarbeiter trotz der „ungewöhnlichen Umstände einen außergewöhnlich guten Job gemacht“, ergänzt Martin Baumann und fügt hinzu: „Nicht zuletzt waren dies auch die Voraussetzungen für die einstimmige Entscheidung der Gläubiger.“

Doch was hat sich bei Heck+Becker nun gegenüber früher verändert? „In der alten Struktur mussten wir aufgrund unserer Kapazitäten auch viele sogenannte ,Built to print‘-Aufträge annehmen“, erklärt Baumann. Dabei handelt es sich um Formen, die nach bereits bestehenden Zeichnungen und Daten der Kunden gefertigt werden müssen. „Hier ist kein spezifisches Know-how nötig, und diese Aufträge werden nur über den Preis vergeben – weltweit“, betont Baumann.

Baumann: Standard-Formenbau ohne Zukunft in Europa

Angesichts der niedrigen Preise etwa in den asiatischen Ländern könnten europäische Unternehmen mit solchen Aufträgen aber kein Geld verdienen. Das beste Beispiel liefere ein direkter Nachbar von Heck+Becker. Das Unternehmen lasse seine Spritzgussformen in China produzieren und bereite sie dann im heimischen Werk lediglich noch für den europäischen Markt auf.

Baumann ist sich sicher: „Der Standard-Formenbau hat in Europa keine Zukunft mehr; wer keine Nische zum Überleben findet, wird es sehr schwer haben.“ Deswegen konzentriert sich Heck+Becker künftig stärker auf die Entwicklung von Prototypen sowie komplexer Formen und Werkzeuge, die spezielles Fachwissen erfordern.

Geuser: Vorteil ist eigenes Druckguss-Technologie-Center

Für Gordon Geiser der richtige Weg: „Hier sehe ich den großen Vorteil des Unternehmens, da es seine Stärken mit der hohen Innovationskraft und dem eigenen Druckguss-Technologie-Center voll ausspielen kann.“

Hauptpartner wird aber weiter die Automobilindustrie bleiben, sagt Martin Baumann. Gerade dort seien aufgrund der Umwälzungen der vergangenen Jahre bei den alternativen Antriebsarten der Fahrzeuge innovative Partner sehr gefragt – und als solcher werde sich Heck+Becker zweifelsohne positionieren.

Familienunternehmen bleibt am Standort Dautphe erhalten

Neben der neuen Unternehmensausrichtung gibt es aber auch in der Geschäftsführung eine Veränderung. Gordon Geiser wird das Unternehmen nämlich auch nach Abschluss des Verfahrens als Vorsitzender eines Beirats begleiten. Zudem konnte mit Professor Martin Fehlbier, dem Fachgebietsleiter Gießereitechnik an der Universität Kassel, ein international anerkannter Experte in diesem Bereich für die Mitarbeit in dem Beirat gewonnen werden.

Mit diesen Personalentscheidungen wollen Martin Baumann und Dieter Becker als Geschäftsführer auch ein Bekenntnis abgeben, Heck+Becker auch künftig als Familienunternehmen am Standort Dautphe zu erhalten. Es habe nämlich auch schon Gerüchte gegeben, dass die Firma verkauft werden solle, betont Baumann. Dem sei aber nicht so.

Banken unterstützten den Betrieb

Dieses Bekenntnis sei auch von den langjährigen Geschäftspartnern schon honoriert worden, so Baumann weiter. Trotz der während des Insolvenzverfahrens angespannten finanziellen Lage hätten die Lieferanten auf die sonst übliche Vorauskasse verzichtet und die Banken hätten den Betrieb vorbildlich unterstützt.

Von Sascha Valentin

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