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Hinterland Häuslebauer können loslegen
Landkreis Hinterland Häuslebauer können loslegen
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12:51 13.10.2021
Die Baustraßen bekommen den letzten Feinschliff. In dieser Woche erfolgt die Endabnahme der Arbeiten.
Die Baustraßen bekommen den letzten Feinschliff. In dieser Woche erfolgt die Endabnahme der Arbeiten. Quelle: Michael Tietz
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Weidenhausen

Die Bagger und Planierraupen rücken vorerst wieder ab. Die erste Bauphase im neuen Wohngebiet „Im oberen Haumbach“ wird in dieser Woche abgeschlossen. Die Versorgungsleitungen sind verlegt, die Baustraße ist asphaltiert. Nun können die Häuser auf den 14 Grundstücken in die Höhe gezogen werden.

Nach mehr als fünf Jahren Planungszeit nimmt das Baugebiet am nördlichen Ortsrand von Weidenhausen konkrete Formen an. Im Februar startete die Firma Hinterlang mit der Erschließung des knapp 1,5 Hektar großen Areals. Ursprünglich sollten die Arbeiten bis Ende September laufen. „Wir liegen zwei Wochen über dem Bauzeitplan“, erklärt Projektleiter Heiko Riehm von der Hessischen Landgesellschaft (HLG). Die HLG ist ein Dienstleister der hessischen Kommunen und entwickelt für sie unter anderem Bauland – vom Grunderwerb über die Erschließung bis zur Vermarktung der Grundstücke. „Dies geschieht in enger Abstimmung mit den Städten und Gemeinden“, sagt Riehm.

Beschwerde über Verzug

Die leichten Verzögerungen in Weidenhausen befinden sich nach Auskunft des Projektleiters im „üblichen Rahmen“. Zum einen habe das Bauunternehmen zusätzliche Arbeitsleistungen erledigen müssen. Dazu gehörte der Einbau einer weiteren Drainage, die zunächst nicht auf dem Plan stand. Sie soll das Oberflächenwasser abfangen, damit es nicht auf die Grundstücke fließt.

„Außerdem gibt es immer mal wieder witterungsbedingte Ausfallzeiten. Wenn es über einen längeren Zeitraum regnet, kann die Baufirma nicht arbeiten“, betont Riehm. Nun sei der Vorstufenausbau aber fertig. Alle Versorgungsleitungen sind im Boden eingebaut. Ende der vergangenen Woche ist die Baustraße mit einer Asphalttragschicht überzogen worden. „Der Baufortschritt war hier lange Zeit sehr bescheiden“, sagt dagegen Werner Rotter. Er wohnt direkt neben der Baustelle. Der Weidenhäuser begleitet seit Jahren kritisch die Entwicklung des neuen Wohnviertels unterhalb von Sportplatz und Friedhof und wehrte sich auch mit einer Bürgerinitiative gegen die Ausweisung des Baugebiets.

Er vermisste die nötige Manpower auf der Baustelle. Dort seien oftmals nur ein Baggerfahrer und ein Gehilfe im Einsatz gewesen. Bei einer besseren Planung hätten die Arbeiten bereits im Juni beendet sein können, schätzt er.

Die Anlieger hätten seit Februar „erhebliche Beeinträchtigungen“ hinnehmen müssen: Sechsmal sei die Straße „Am Haumbach“ aufgebaggert und dann wieder zugeschüttet worden. In mehreren Etappen seien dabei der Kanal verlegt, Schächte und Abläufe gesetzt, weitere Versorgungsleitungen sowie auch die Drainage eingebaut worden. Und immer wieder habe anschließend die Rüttelplatte gerattert.

„Das war eine starke Zumutung, regelmäßig hat das Geschirr im Schrank geklappert“, erzählt Rotter. Um durch Erschütterungen entstandene Schäden an seinem Blockhaus nachzuweisen, nahm ein Gutachter vor dem Baustart das Gebäude in Augenschein. Außerdem wurde ein Seismograf installiert, der die Erdbewegungen aufzeichnet.

Kremer kontert Kritik

„Für die unmittelbaren Anwohner ist eine solche Baustelle immer eine Belastung – wir haben uns dafür auch entschuldigt“, sagt Heiko Riehm. Er verweist allerdings auf einen „normalen Bauablauf“. Dieser sieht auch vor, dass mehrmals eine Baustraße geöffnet werden muss. Im ersten Schritt wird der Oberboden abgeschoben und eine Frostschutzschicht aufgetragen. Dieser Schotter ermöglicht es der Baufirma überhaupt erst, mit Maschinen und Lkw in das Gebiet zu fahren. Anschließend wird der Kanal verlegt.

Später kommen weitere Versorgungsleitungen für Strom, Wasser, Gas und Telekommunikation in den Boden. „Diese haben unterschiedliche Höhenlagen, müssen alle ordnungsgemäß eingebaut und verdichtet werden. Aufgrund der bautechnischen Anforderungen wird eine Straße deshalb mehrfach geöffnet und kann nicht in einem Durchgang von unten komplett hochgebaut werden“, erklärt Riehm.

Die Kritik an den Bauarbeitern weist der Projektleiter zurück. Alle beteiligten Versorgungsunternehmen hätten ihre Arbeiten von der Firma Hinterlang ausführen lassen. „Von deren Seite gab es keine Beschwerden – ebenso wenig von allen übrigen Anliegern“, betont Riehm. Das unterstreicht Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) und spricht ebenfalls von einem „völlig normalen Vorgang“, dass ein Straßenkörper mehrfach zum Verlegen der Versorgungsleitungen geöffnet werden muss.

14 erschlossene Grundstücke mit Größen zwischen 481 und 1 340 Quadratmetern stehen den Häuslebauern nun zur Verfügung. Für fünf Bauplätze sind die Kaufverträge unterzeichnet, für die restlichen neun liegen Reservierungen vor. „Wir werden zeitnah alle Grundstücke verkauft haben“, ist sich Riehm sicher. Denn für einige reservierten Flächen würden die Verträge schon beim Notar zur Beurkundung liegen.

Der Endausbau des neuen John-Scott-Wegs erfolgt, wenn die Flächen überwiegend bebaut sind. Benannt wird die Straße in dem Wohnviertel nach einem britischen Soldaten, der zum Ende des Zweiten Weltkrieges in unmittelbarer Nachbarschaft ermordet worden war.

Von Michael Tietz

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