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Hinterland Gregor Hofmeyer will Zukunftsthemen anpacken
Landkreis Hinterland Gregor Hofmeyer will Zukunftsthemen anpacken
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14:35 23.10.2020
Gregor Hofmeyer (Bündnis 90/Die Grünen) will in Gladenbach Bürgermeister werden.  Quelle: Thorsten Richter
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Gladenbach

Gregor Hofmeyers politische Karriere ist bisher kurz, aber steil. Erst vor einem Jahr war der Diplom-Journalist, Hausmann und ehemalige Zeitsoldat für die Junge Liste/Die Grünen ins Gladenbacher Stadtparlament nachgerückt – wenige Wochen später wurde er schon Bürgermeisterkandidat.

Wie es zu diesem Senkrechtstart kam, erklärt der 42-Jährige so: „Als meine Kinder geboren wurden, ist mir klar geworden: Das sind die, die nach dir kommen. Die werden in einer Welt leben, die wir gerade zerstören – oder zu retten versuchen.“

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Diese Welt, sagt Hofmeyer, wolle er mitgestalten. Und zwar in Gladenbach, wo er seit 2014 mit seiner Ehefrau und den neun und fast drei Jahre alten Söhnen wohnt und auch in den Jahren 2002 bis 2005 schon gelebt hat – im Haus der Großmutter seiner Ehefrau.

„Im Lokalen kann man die meisten Dinge bewegen“, ist er überzeugt. „Ich lebe sehr gerne hier und möchte, dass andere Menschen auch sehr gerne hier leben. Aber ich bin unzufrieden, dass zukunftsträchtige Themen nicht oder nur zögerlich angepackt werden.“

Verkehrswende mit kleinen Schritten beginnen

Vor allem drei Themen würde Hofmeyer gerne als Bürgermeister anpacken: Klimaschutz, eine kommunale Verkehrswende und mehr Bürgerbeteiligung. „Klimaschutz muss eine neue kommunale Pflichtaufgabe werden“, sagt er und kritisiert Bürgermeister Peter Kremer: „Da kommt vom Amtsinhaber viel zu wenig, obwohl er viele Jahre bei den Grünen war.“ Mit kleinen Schritten könne man die CO2-Bilanz der Stadt verbessern, erklärt Hofmeyer:

Zum Beispiel, indem man städtische Liegenschaften energetisch saniert oder bei der Modernisierung des Fuhrparks alternative Antriebe in Betracht zieht. Auch die Verkehrswende könnte mit kleinen Schritten beginnen: Fahrradparkplätze in der Gladenbacher Innenstadt bauen und Wirtschaftswege zwischen den Stadtteilen als Radrouten ausweisen. Für Senioren könne zum Beispiel ein Bürgerbus, wie ihn andere Kommunen schon haben, Teil der Verkehrswende sein.

Hofmeyer will ein Bürgerforum einrichten

Aus Hofmeyers Sicht sollte ein Bürgermeister „Visionen und Ziele für die Stadt formulieren“, aber er könne nicht allein entscheiden, sondern müsse „die Meinungen und Ideen anderer hinzuziehen“. Deshalb setzt er auf mehr Bürgerbeteiligung: Es müsse in Gladenbach wieder ein Kinder- und Jugendparlament sowie einen Seniorenbeirat geben, die über Anliegen beraten, die ihre Generation betreffen.

Die Idee mit dem Kinder- und Jugendparlament finden auch seine Mitbewerber gut. Hofmeyer will außerdem ein „Bürgerforum“ einrichten, in dem man „wichtige Fragen in einem offenen Rahmen diskutiert“. Bei Projekten wie dem Windpark bei Herzhausen oder Gewerbegebieten würden die Bürger oft erst einbezogen, wenn schon alles geplant sei – und fühlten sich dann überfahren, moniert er.

„Bürgermeister ist kein Ausbildungsberuf“

Hofmeyer, der auch schon vor seinem Einzug in die Stadtverordnetenversammlung bei den Gladenbacher Grünen mitgearbeitet hat, ist im Parlament mittlerweile als versierter Redner bekannt. Seine Ideen trägt der Kandidat im Gespräch routiniert und sachlich, aber mit Überzeugung vor.

Verwaltungsfachmann ist er nicht, doch das sieht er nicht als Manko an: „Als Bürgermeister wird keiner geboren, es ist auch kein Ausbildungsberuf. Es tut dem Amt auch gut, wenn es mal jemand macht, der nicht aus der Verwaltungsschiene kommt.“ Als Journalist habe er die Fähigkeit, sich rasch in neue Themen einzuarbeiten.

Von der Bundeswehr, wo er zuletzt Oberfeldwebel war, habe er Führungserfahrung, „auch wenn man eine Verwaltung nicht mit Befehl und Gehorsam führen kann“. Bei der Bundeswehr habe er sich als Vertrauensperson der Unteroffiziere im ganzen Regiment, im Studium als Fachschaftssprecher für die Interessen anderer eingesetzt – und auch mit Bürokratie zu tun gehabt.

Hofmeyer: Habe Themen, „die alle angehen“

Der Grünen-Politiker ist als einziger Kandidat direkt von einer Partei ins Rennen geschickt worden. Für grüne Themen wie Ökologie, Nachhaltigkeit und Naturschutz hat der gebürtige Mainzer sich schon zu Schulzeiten in einer Umwelt-Arbeitsgemeinschaft begeistert. Später war er Soldat im Sanitätsdienst und hatte Auslandseinsätze in Bosnien und im Kosovo. „Ich habe die Folgen von Krieg, Elend und Not ziemlich unmittelbar erfahren. Das hat mich mit dazu gebracht, mich den Grünen zuzuwenden.“

Als Bürgermeisterkandidat will er aber nicht nur Grünen-Anhänger ansprechen. „Ich glaube, dass ich Themen habe, die alle angehen“, betont er. Als Vater liegt ihm zum Beispiel am Herzen, dass es genug Betreuungsplätze und Ärzte, aber auch Arbeitsplätze in der Stadt gibt. „Als Bürgermeister werde ich unabhängig sein – ich will das tun, was gut für Gladenbach insgesamt ist. Ich versuche, das den Menschen zu vermitteln. Das ist allerdings schwer.“

Corona erschwert den Wahlkampf

Erschwert wird der Wahlkampf für Hofmeyer und seine Mitbewerber durch die Corona-Pandemie. Als im März die Kitas und die Schulen geschlossen wurden, musste Hofmeyer sich noch mehr als sonst um seine Kinder kümmern. Durch die Verschiebung der Wahl zog sich der Wahlkampf in die Länge, doch er plätschert weiter eher dahin.

Es gebe keine große Podiumsdiskussion, auch auf die geplanten Ortsspaziergänge habe er verzichten müssen, bedauert Hofmeyer. „Im Haustürwahlkampf sind viele Leute sehr reserviert, obwohl ich Handschuhe und Maske trage und sofort nach dem Klingeln vier Schritte zurückgehe. Ich versuche, das zu kompensieren durch eine hohe Zahl von Infoständen. Da nehme ich ein großes Informationsbedürfnis wahr.“

Eine Prognose über den Wahlausgang traut er sich auch deshalb nicht zu – „weil Corona die Kommunikation einschränkt, kann man kein richtiges Stimmungsbild herausfühlen“. Er hoffe, dass er in die Stichwahl kommt – und sei „hochmotiviert“, Bürgermeister zu werden: „Ich habe richtig Lust darauf, etwas für Gladenbach zu reißen – am liebsten gemeinsam.“

Von Stefan Dietrich

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