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Hinterland Schuldigkeit getan: Soll der Mohr gehen?
Landkreis Hinterland Schuldigkeit getan: Soll der Mohr gehen?
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00:17 01.06.2019
Der Mohr gehört, wie die Wettläufer, zu den Symbolfiguren des Biedenkopfer Grenzgangs. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
Biedenkopf

Auf wenig Verständnis stoßen in Biedenkopf Äußerungen des Marburger Ausländerbeirats. Ein Sprecher des 
 dortigen Organs nahm mangels Existenz eines Biedenkopfers gegenüber des Hessischen Rundfunks Stellung zu der Frage, ob eine der Hauptfiguren 
des Grenzgangs, der Mohr, noch in die heutige Zeit passt.

„Der Begriff Mohr ist diskriminierend. Hart gesagt rassistisch“, ist von Shérif Korodowou in dem Beitrag zu hören. Korodowou stammt aus Togo, ist Marburger Integrationsbeauftragter und Mitglied im Ausländerbeirat. Er wirft den Biedenkopfern keinen bewussten Rassismus vor, wohl aber ein „leichtfertiges Spiel mit Bildern und Farben“, weil viele Menschen mit schwarzer Haut noch Negatives verbänden.

Funk: Mohr ist hoch angesehen

Auch in Biedenkopf gebe es Schwarze, warum frage man nicht sie, was von der Figur des Mohren zu halten ist, fragt Korodowou, der sich wünscht, mehr schwarze Menschen beim Planen von Festen einzubeziehen. Was der Mohr für den Grenzgang bedeute und wie er verstanden werde, sei aus der Distanz schwer zu verstehen, meint Bürgermeister Joachim Thiemig. Die historische Figur werde verehrt, von Rassismus könne da keine Rede sein.

Das sieht Uwe Funk ebenso. Der Vorsitzende des Grenzgangvereins findet Korodowous Äußerungen „ein bisschen verwunderlich“. Schließlich arbeite man mit der Flüchtlingsinitiative zusammen und von der Jugendarbeit in den Vereinen profitierten auch Kinder mit Migrationshintergrund, die wiederum Mitglieder der Grenzgangvereine wurden und so das Fest unterstützen. Auch weil der Ursprung des Brauches ungeklärt ist, könne man die Ansichten nicht nachvollziehen, sagt Funk: „Der Mohr repräsentiert unser Fest. Der ist bei uns ganz hoch angesehen.“

Die Biedenkopfer Klaus Mälzner (von links), Stefan Fenner und Fritz Schlagowsky verstehen die Rassismus-Vorwürfe gegen die Figur des Mohren nicht. Fotos: Sascha Valentin

Das sehen befragte Biedenkopfer ebenso. Klaus Mälzner (77), Rentner:
„Für mich ist diese Forderung vollkommen unverständlich. Denn das Amt des Mohren ist ja mitnichten etwas Diskriminierendes oder in irgendeiner Form negativ besetzt. Es ist für uns Biedenkopfer eine Tradition, die mit dem Grenzgang verbunden ist. Ein Grenzgang ohne Mohr ist kein Grenzgang.“

Stefan Fenner (60), Selbstständiger:
„Der Mohr beim Grenzgang ist eine Tradition und gehört zu unserer Kultur, wie andere Kulturen auch ihre Traditionen haben. Jeder Mensch sollte seine Kultur leben können. Das erlauben wir auch denjenigen, die zu uns kommen. Deswegen frage ich mich, warum uns unsere Kultur verboten werden sollte. Das sehe ich nicht ein.“

Fritz Schlagowsky (62), Hausmeister:
„Es ist eine Ehre, dem Grenzgang als Mohr vorauszugehen. Der Respekt, den die Bürger gegenüber diesem Repräsentanten­ haben, ist unendlich groß. Ich weiß noch, als unsere Gesellschaft vor sieben Jahren den Mohr stellte, haben wir alle gesagt: Wir sind Mohr! Und ich ­habe gesehen, wie stolz die beiden Jungs des jetzigen Mohren sind.“     

von Gianfranco Fain, Umfrage: Sascha Valentin