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Hinterland Der Schlüssel zum Glück
Landkreis Hinterland Der Schlüssel zum Glück
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14:51 25.01.2020
Wie man glücklich wird, lehrt die Biedenkopferin Ursula Cyriax Lehrern und Erziehern im „Schulfach Glück“ in Berlin. Quelle: Thorsten Richter
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Biedenkopf

Die Nachrichtenflut in sozialen Netzwerken, falsche Ernährung, Mobbing, Bewegungsmangel und Stress: Es ist nicht leicht, ein Teenager zu sein. Um das Gefühlsleben der Heranwachsenden wieder ins Lot zu bringen, braucht es nicht viel, nur etwas Glück. Der Duden beschreibt Glück nüchtern als ein Zusammentreffen besonders günstiger Zustände. In der Psychologie ist glücklich, wer mehr angenehme als unangenehme Gefühle hat.

„Tatsächlich können wir ein Stück weit lernen, Glück zu empfinden und in die Welt zu tragen“, sagt Thilo Straub vom Staatlichen Schulamt in Marburg. Deshalb beschäftigten sich der Landkreis und die Stadt Marburg zusammen mit dem Staatlichen Schulamt mit dem Thema und boten einen Vortrag mit Sandra Wick an. Die Diplompsychologin erläuterte­ 80 Vertretern aus Schule – Erwachsene und Jugendliche – in der Gesamtschule in Niederwalgern die positiven Auswirkungen von Glück auf Gesundheit und Lebenskompetenz von Schülern.

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Glück als Schulfach mit dem Lernziel Lebensfreude verbreitet sich mehr und mehr im Bundesgebiet. In Berlin bildet die Biedenkopferin Ursula Cyriax (Archivfoto) derzeit Lehrer und Erzieher im „Schulfach Glück“ aus. Die Glücks-Trainerin setzt die heutige Überflutung durch die Digitalisierung mit einem Tsunami gleich. Kaum einer finde noch den Ausschalter. „Es ist deshalb wichtig, in den Schulen aktiv etwas für die Gesundheitsförderung zu tun und auch zum Glücksempfinden der Schüler beizutragen“, sagt auch der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow.

"Glück kann man lernen"

Positive Gefühle entstehen durch positive Gedanken. 1954 war die Geburtsstunde der positiven Psychologie, gut 40 Jahre später wurde sie wieder aufgegriffen, und Glück, Optimismus und die individuellen Stärken rückten in die Fokus der Seelenkunde. Methoden zu vermitteln, um glücklich durchs ­Leben zu gehen, gehört für Cyriax auf den Stundenplan – genauso wie Mathe, Bio und Physik. „Glück kann man lernen wie Tennis, Klavier oder Spanisch“, sagt sie.

Um Glück zu fühlen, diene der Blick nach innen: die eigenen Stärken und Schwächen kennen. Auch Ziele im Auge zu behalten, sei elementar, um lebensfroh zu sein. Im Unterrichtsfach Glück werde geübt, dass Ziele nicht nur Träume bleiben. Entscheidend sei aber, dass die Schüler verstehen, dass das Leben aus vielen kleinen Glücksmomenten besteht. „Zum Beispiel, wenn wir ein Kompliment erhalten oder uns einen neuen Pulli leisten“, sagt Cyriax. Durch das ausgeschüttete Dopamin entstehen gute Gefühle. Diese sind nur von kurzer Dauer. Nach zehn Tagen sind sie verpufft. Das lang anhaltende Glücksgefühl hingegen entsteht nur, wenn man seinem ­Leben einen Sinn gibt.

Cyriax kennt die Glücksformel

„Nicht alle Menschen finden eine Berufung. Manche finden nur einen Job“, sagt Cyriax. Damit man mit dem Job glücklich wird, sei es wichtig, die Routine zu durchbrechen, zum Beispiel indem man der alleinstehenden Nachbarin einmal pro Woche etwas vorliest oder für sie Wege erledigt. Um glücklich zu sein, braucht es nicht viel. Ursula Cyriax kennt auch die Glücksformel: positive Gefühle, Engagement, Freundschaften, dem Leben einen Sinn geben und Ziele erreichen. Diese fünf Säulen stehen auf dem Lehrplan im „Schulfach Glück“.

Für Schuldezernent Zachow stellt sich weniger die Frage, ob es Glück als reguläres Schulfach, als AG oder Projekt gibt, sondern Wicks Vortrag habe gezeigt, dass es um einen Perspektivwechsel geht: in Schule Raum für Achtsamkeit zu geben. Gefühle und Empfindungen sollten in Schule und Unterricht eine Rolle spielen. „Bildung muss Menschen mit all seinen Bedürfnissen in den Blick nehmen“, sagt Zachow.

von Silke Pfeifer-Sternke