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Hinterland Kita: Sanieren ja, aber zu welchem Preis?
Landkreis Hinterland Kita: Sanieren ja, aber zu welchem Preis?
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13:55 10.01.2020
Der Kindergarten in Mornshausen muss saniert werden. Die Kosten belaufen sich auf 585.000 Euro. Auf die Stadt Gladenbach entfallen 60 Prozent der Kosten. Deshalb tut sich die Stadtverordnetenversammlung schwer, einen Beschluss zu fassen. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
Gladenbach

Anfang November sollten Gladenbachs Stadtverordnete eigentlich schon über die notwendige Sanierung des evangelischen Kindergartens „Eichwäldchen“ im Gladenbacher Stadtteil Mornshausen entscheiden. Vertraglich ist so weit alles klar. Die Stadt hat 60 Prozent der anfallenden ­Sanierungskosten zu tragen. Das geht aus einem Vertrag zwischen der evangelischen Kirche als Besitzerin des Gebäudes und der Stadt Gladenbach hervor, der seit 1999 besteht.

Allerdings stoßen die geplanten Kosten für die Sanierung, die ein Planungsbüro aus Wettenberg auf 585.000 Euro festgesetzt hat, den Stadtverordneten bitter auf. Bereits in der ersten Beratung kamen viele Fragen auf: Warum jetzt, warum so aufwändig und warum so kostspielig?

Statt über die Vorlage zu entscheiden, folgte Ende November ein Vorort-Termin mit den Planern. Dabei kam raus: Dach, Fassade und Fenster sind marode, es fehlt teilweise die Dämmung und ein Schallschutz. Besonders gravierend: Feuchtigkeit dringt in das in den 1970er-Jahren errichtet Gebäude. Die Abdichtung des Sattel- und Flachdaches aus Bitumen-Platten ist porös, einige Stellen weisen Risse auf.

Deshalb ist die Dachsanierung dringend erforderlich.
Das Sanierungskonzept sieht vor, das Flachdach in ein Pultdach umzubauen. Die Lichtkuppeln, die mittlerweile undicht sind, sollen entfernt werden. Stattdessen ist geplant, Tageslichtkamine einzubauen. Die Kosten der Dachsanierung belaufen sich auf 222.000 Euro.

Neubau: 3 Millionen Euro

Auch die Betondachkonstruktion über den Gruppenräumen, die optisch ansprechend ist, bedarf einer Schönheitskur. Dort soll eine Dämmung aufgebracht werden. Dieses Vorhaben zieht eine weitere Investition nach sich. Da die Fenster bis zur ­Decke reichen, müssen neue eingebaut werden.

Auch das Äußere des Gebäudes hat schon bessere Tage erlebt. Deshalb soll ein neuer Anstrich das Haus wieder aufwerten – zumal auch der Putz Mängel aufweist. Das Sanierungkonzept soll gleich doppelt wirken – optisch und energetisch: Die Wärmedämmung soll verbessert werden.

Auch die Akustik ist im Gebäude nicht die beste. Deshalb haben die Planer vorgesehen, im Flur und in den Gruppenräumen Akustikdecken einzuziehen, um den Lärm zu dämmen. Die Gesamtkosten für das Vorhaben belaufen sich auf 585.000 Euro, ein Neubau würde laut Planer drei Millionen Euro kosten. Die Sanierungsdauer wird auf etwa ein Jahr geschätzt. Vermutlich kann der Betrieb des Kindergartens während der ­Sanierungsphase weiterlaufen wie gewohnt.

Da die Kostenfrage noch nicht geklärt ist, wird sich die Stadtverordnetenversammlung in einer Sondersitzung am Donnerstag, 16. Januar, mit ihr beschäftigen. Die Höhe der Kosten von 351.000 Euro erscheint den Stadtverordneten auch nach dem Vorort-Termin als zu hoch. Auch, dass die Stadt die Kosten tragen, aber bei der Umsetzung nicht mitzureden hat, stößt im Gremium auf Unverständnis. Die Stadtverordneten vermissen bei der Planung alternative Vorschläge, um Kosten zu senken. Für die Fraktionsmitglieder ist zudem unverständlich, dass die Schäden nun quasi über Nacht gehäuft aufgetreten sind. Sie kritisieren das Vorgehen der evangelischen Kirche. Von „Missmanagement“ bei der Instandhaltung des Gebäudes war die Rede in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung.

FW-Fraktionsvorsitzender und Architekt Helmut Brück hat deshalb eine eigene Kostenrechnung aufgestellt. Laut seiner Berechnung wären fast die Hälfte­ der Gesamtkosten einzusparen. Somit müsste die Stadt nur 195 000 Euro zahlen. Die Vorlage, über die am 16. Januar abgestimmt werden soll, basiert aber auf den ursprünglichen Planungskosten der evangelischen Kirche.

  • Die Stadtverordneten tagen ab 19 Uhr in der Kulturscheune in Frohnhausen.

von Silke Pfeifer-Sternke