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Hinterland Bürgermeister stellt Millionenfrage
Landkreis Hinterland Bürgermeister stellt Millionenfrage
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11:55 24.06.2020
Badegäste kühlen sich in einem Schwimmbecken ab. Quelle: Christoph Soeder/dpa/Archiv
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Weidenhausen

Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) will von den Abgeordneten wissen, ob die Stadt bis zu 2,5 Millionen Euro für die gewünschte Modernisierung des Freibades Weidenhausen bereitstellen soll.

Groß muss die Überraschung bei vielen Parlamentariern gewesen sein, als sie Ende der vergangenen Woche ihre Unterlagen für die nächste Sitzung auf digitalem Weg zugestellt bekommen haben.

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Denn darunter befand sich auch eine Beschlussvorlage zum Freibad. Über deren Inhalt und seine möglichen Folgen für die Kommune ist bisher in den politischen Gremien nicht diskutiert worden.

Darüber beraten wird der Haupt- und Finanzausschuss am 30. Juni und die Stadtverordnetenversammlung am 2. Juli. So sieht zumindest der Plan des Bürgermeisters aus. Ob die ehrenamtlichen Politiker diesem Weg folgen oder die Beschlussvorlage kurzfristig von der Tagesordnung nehmen, entscheidet sich erst während der Sitzungen.

Antrag sollte längst in Wiesbaden sein

Kremer verfasste seine Beschlussvorlage am 15. Juni. Drei Tage zuvor war ein Schreiben des hessischen Innenministeriums im Gladenbacher Rathaus eingegangen. Darin macht die Landesregierung die Kommune darauf aufmerksam, dass sie noch keinen detaillierten Zuschussantrag für die geplante Sanierung des Weidenhäuser Freibads eingereicht hat.

Dazu braucht es unter anderem eine verbindliche Zusage des Stadtparlaments, ob die Kommune eigenes Geld für das Projekt zur Verfügung stellt. Ursprünglich hätte der Förderantrag mit Bau- und Finanzierungsplänen bereits bis zum 15. Juni in Wiesbaden vorliegen sollen.

Rund 15.000 Euro Reparaturen pro Jahr

Seit mehr als zwei Jahren wird nach Möglichkeiten gesucht, das Anfang der 1960er-Jahre gebaute Bad wieder auf Vordermann zu bringen. Dazu riefen die Weidenhäuser Schwimmbadfreunde im März 2018 eine Ideenbörse ins Leben. Bürger konnten Vorschläge zur Modernisierung der Anlage einreichen.

Die Kosten für die jährlich anstehenden Reparaturen im Freibad bewegen sich laut Kremer in einem „vertretbaren Rahmen“. In den vergangenen 15 Jahren fielen dafür durchschnittlich 15.000 Euro an.

Einen kompletten Neubau schlugen zwei von der SEB beauftragte Planer von der „Deutschen Gesellschaft für das Badewesen“ Ende 2018 vor. Sie taxierten die Bruttokosten auf 4,1 bis 4,9 Millionen Euro. Für dieses Gutachten ernteten die Planer viel Kritik. Denn sie hatten keine Wege für eine kostengünstige Modernisierung des Freibads aufgezeigt.

Ministerium wartet auf den Zuschussantrag

Im Juni 2019 fasste das Parlament einstimmig den Grundsatzbeschluss für eine „nachhaltige Sicherung des Betriebes des Freibades Weidenhausen durch die Aufstellung und Umsetzung eines detaillierten Maßnahmenplanes“. Diesem Arbeitsauftrag nahm sich die SEB im September an. Architekt Helmut Brück sollte eine Mängelliste samt Kostenschätzung erstellen.

In Zusammenarbeit mit der freien Architektin Stefanie Benner entstand ein Umbau- und Sanierungskonzept, das Aufsichtsrat und Gesellschaftern der SEB im Februar präsentiert wurde. Die Planer beziffern die Nettokosten mit 2,64 Millionen Euro. Mögliche Eigenleistungen von Bauhelfern sind in dem Betrag noch nicht berücksichtigt.

Kremers Bedenken zu Millioneninvestition

„Was soll konkret gemacht werden?“, fragt nun der Bürgermeister in seiner Beschlussvorlage. Wird die Kostenschätzung der Architekten Brück und Benner als Grundlage genommen, müsste die Stadt Eigenmittel in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro beisteuern. Kalkuliert wird mit Zuschüssen vom Land über 790.000 Euro und vom Kreis über 150.000 Euro.

Kremers persönliche Zielvorgabe wird in der Vorlage deutlich. Denn sein erster Beschlussvorschlag lautet sinngemäß: Alles bleibt, wie es ist. Die SEB soll weiterhin jedes Jahr zwischen 10 .000 und 20.000 Euro für Reparaturarbeiten bereitstellen.

Bürgermeister appelliert an Parlament

Unter der Überschrift „Alternativ“ bietet der Bürgermeister den Parlamentariern aber eine zweite Beschlussvariante an. Damit könnte die SEB „mit einer grundhaften Sanierung und umfangreichen Modernisierung des Freibades Weidenhausen unter weitgehender Beibehaltung der Beckenkonstruktion als auch des Gebäudetraktes“ beauftragt werden. Die Eigenmittel der Stadt sollen maximal 2,5 Millionen Euro betragen.

Seine Bedenken zu einer Millioneninvestition hat der Bürgermeister bereits in der Vorlage aufgeführt: „Der Bau eines neuen Freibades, der über die finanzielle Ebene der normalen Instandhaltung weit hinausgeht, bedeutet eine neue freiwillige Leistung.“

Dabei würden schon jetzt die Ausgaben für Pflichtaufgaben die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt übersteigen. „Auch sollte die aktuelle, turbulente Weltlage in die Überlegungen mit einbezogen werden“, so Kremers Rat an die Parlamentarier.

Von Michael Tietz

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