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Hinterland Weniger Plastik – mehr Blühflächen
Landkreis Hinterland Weniger Plastik – mehr Blühflächen
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17:06 27.07.2020
Bewusst mit Spaß nachhaltiger leben – dafür macht sich die Projektgruppe „Plastikfrei“ des Zukunftsforums Gladenbach stark. Ihr Tipp: auf Müllbeutel und Flaschen aus Plastik verzichten und stattdessen mehr Blühwiesen für Insekten anlegen. Quelle: Michael Tietz
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Gladenbach

Ob beim Einkaufen, Erfrischen oder Gassigehen – Plastikmüll ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und könnte doch an vielen Stellen vermieden werden. Darauf verweist die Projektgruppe „Plastikfrei“ des Zukunftsforums Gladenbach. Sie gibt deshalb regelmäßig Tipps für ein nachhaltigeres Leben.

Der Name ihrer Projektgruppe sei schon ein wenig provokant, geben die Initiatorinnen zu. Denn plastikfrei spiele sich auch ihr Alltag nicht ab. „Aber wir wollen Anregungen geben, wo jeder Plastik vermeiden kann – ohne dabei belehrend zu sein“, erklärt Alexandra Manns.

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Nach einem Informationsabend des Gladenbacher Zukunftsforums zum Thema „Plastikarm leben – aber wie?“ im September 2019 bildete sich die Projektgruppe. Ihr gehören derzeit Alexandra Manns, Regina Reinfeldt, Stefanie Burk und Ulrike Hamel an.

„Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, Hilfestellungen zu geben, Projekte zu starten, zu informieren und Veranstaltungen anzubieten“, berichtet Edith Müller-Zimmermann vom Organisationsteam des Zukunftsforums.

Einsatz für müllarmen Einkauf

Mit ihrer Arbeit möchten die vier Frauen Impulse setzen und praktikable Lösungsvorschläge für ein plastikärmeres Leben geben. Dazu veröffentlichen sie seit Januar alle zwei Wochen einen Nachhaltigkeitstipp im Amtsblatt der Stadt – zuletzt zum Thema „Plastikfrei Gassigehen“. Dabei warb die Gruppe für Hundekotbeutel aus Bioplastik – Kunststoffe, die auf Basis nachwachsender Rohstoffe erzeugt werden.

Zuvor hatten die Initiatorinnen Wege aufgezeigt, wie auf Müllbeutel und Wasserflaschen aus Plastik verzichtet und wie beim Kauf von Reinigungsmitteln ebenfalls Kunststoffmüll reduziert werden kann. Die Projektgruppe erstellte außerdem Rezepte für selbstgemachte Allzweckreiniger oder Deosticks und gab Hinweise, wie insektenfreundliche heimische Gewächse im Garten oder auf dem Balkon angepflanzt werden können.

Anerkennung aus Umweltlotterie

„Jeder bringt seine Ideen und eigene Erfahrungen aus dem Alltag ein“, beschreibt Alexandra Manns den Entstehungsprozess für die Nachhaltigkeitstipps. Der nächste Ratschlag dreht sich um das Thema Fahrrad. Dieser entsteht in Zusammenarbeit mit der Projektgruppe „Radverkehr“ des Zukunftsforums. „Wir würden uns sehr über Rückmeldungen und Anregungen von interessierten Bürgern freuen“, sagt Stefanie Burk.

Eine neue Aktion haben sich die vier Frauen bereits fest vorgenommen: ein Einkaufszettelblöckchen mit Erinnerungshilfen für einen plastikärmeren Einkauf. Der sollte ursprünglich im Frühjahr in Umlauf gebracht werden. Corona-bedingt musste der Start aber verschoben werden. Erfolgreich beworben hat sich die Projektgruppe für den „Ideenwettbewerb Plastikvermeidung“ des hessischen Umweltministeriums. Als Anerkennung für ihre Arbeit erhielt die Initiative 500 Euro aus der Umweltlotterie.

Treffen mit dem Bürgermeister

Zweites Standbein des Zukunftsforums ist die Projektgruppe „Radverkehr“. Hier wirken Hermann Schulz, Ralf Williges und Bernd Südekum mit. Sie wollen im August und September wieder Radtouren anbieten – zum Rimberg und nach Kehna. Ein Themenabend „Mobilität“ ist für den 20. November geplant. „Unser Ziel ist es, Gladenbach und die Stadtteile fahrradfreundlicher zu gestalten“, erklärt Ralf Williges.

Dazu trifft sich die Gruppe noch mit Bürgermeister Peter Kremer. Ihm wollen die Pedaleure einige Verbesserungsvorschläge zum Radverkehr in Gladenbach mit auf den Weg geben. Dazu gehört, dass die Einbahnstraßen-Regelung in der Ringstraße für Radfahrer aufgehoben werden sollte. Eine barrierefreie Auffahrt auf den Radweg am Ende der Gießener Straße in Richtung Erdhausen steht ebenfalls auf der Wunschliste.

Corona bremste Standortsuche für Blühflächen

Dringenden Handlungsbedarf sieht die Projektgruppe beim Ausbau des Radwegenetzes im Stadtgebiet und darüber hinaus. So fehlt eine Anbindung in die Nachbargemeinde Dautphetal. Einen Radweg oberhalb des neuen Baugebiets „Lammerich“ – vom oberen Schulstandort nach Erdhausen – regt die Gruppe ebenfalls an. Außerdem möchte sie in die Konzeptentwicklung für ein „radfreundliches innerstädtisches Gladenbach“ eingebunden werden, erklärt Williges.

Eine dritte Projektgruppe möchte die Initiative zum Thema „Blühwiesen und Naturgärten“ ins Leben rufen. Wegen der Corona-Pandemie konnte die für das Frühjahr geplante Standortsuche für Blühflächen im Stadtgebiet bisher nicht stattfinden. Fest eingeplant ist noch eine Exkursion in einem Drei-Zonen-Garten im Siegerland.

Dort wollen sich die Teilnehmer die unterschiedlichen Elemente in einem Naturgarten anschauen. „Wir möchten interessierten Bürgern die Arbeitsschritte aufzeigen, wie sie aus einem langweiligen Rasen einen vielfältigen Naturgarten machen können“, erklärt Marion Klein vom Organisationsteam des Zukunftsforums.

Das Zukunftsforum

„Nachhaltigkeit liegt uns am Herzen“: So überschreibt das Zukunftsforum Gladenbach seine Arbeit. Es versteht sich als eine offene, parteipolitisch nicht gebundene Initiative von Bürgern aus Gladenbach und den umliegenden Kommunen, die sich mit Zukunftsthemen beschäftigt und Projekte entwickelt.

Das Zukunftsforum wird vom Ideenwettbewerb „Miteinander reden“ der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Zum Organisationsteam gehören Marion Klein, Edith Müller-Zimmermann und Ralf Williges. „Wir könnten noch Mitstreiter gebrauchen und sind offen für neue, nachhaltige Themen. Wer sich einbringen möchte, kann sich gerne per E-Mail melden“, sagt Marion Klein.

Neben den Aktionen der Projektgruppen „Plastikfrei“ und „Radverkehr“ bietet das Zukunftsforum weitere Veranstaltungen an. Dazu gehören die Klima-Mahnwache. Außerdem beteiligt sich die Initiative am hessenweiten „Tag der Nachhaltigkeit“ am 19. September.

Von Michael Tietz

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