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Hinterland Denkmalschutz bremst Brückenbau in Gladenbach
Landkreis Hinterland Denkmalschutz bremst Brückenbau in Gladenbach
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16:46 21.06.2022
Am Ostermontag stürzten in Bellnhausen große Steine der Stützmauer in die Allna – der Schaden ist mittlerweile behoben. Wann und wie die marode Brücke und die Uferwände saniert werden, steht noch in den Sternen.
Am Ostermontag stürzten in Bellnhausen große Steine der Stützmauer in die Allna – der Schaden ist mittlerweile behoben. Wann und wie die marode Brücke und die Uferwände saniert werden, steht noch in den Sternen. Quelle: Michael Tietz
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Gladenbach

Die erste Hälfte des Jahres ist fast Geschichte. Doch der Stadt fehlt noch ein wichtiges Werkzeug, um handeln und gestalten zu können. Anfang Februar legte Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) den Stadtverordneten den Haushalt der Kommune vor. Das 527 Seiten umfassende Zahlenwerk soll diesen Donnerstag, 23. Juni, beschlossen werden. Derzeit beschäftigen sich die Ausschüsse damit.

In den vergangenen Monaten suchte die Arbeitsgruppe Finanzen mit Vertretern von CDU, SPD, Freien Wählern und Grünen nach Wegen, wie Gladenbach aus der prognostizierten finanziellen Schieflage herauskommen kann. Konkrete Änderungswünsche für den Etat brachten die Fraktionen allerdings nicht vor.

In den Beratungsrunden zeigte der Bürgermeister auf, dass sich die Voraussetzungen für einige im Investitionsprogramm aufgeführten Projekte grundlegend geändert haben. Dies betrifft unter anderem die bröckelnde Brücke und Natursteinmauer an der Allna in Bellnhausen. Fast eine Million Euro hat die Stadt für die fällige Sanierung eingeplant. Doch „die weiteren Abstimmungsgespräche mit der Denkmalschutzbehörde werden sich mindestens bis Ende des Jahres hinziehen“, erklärte Kremer.

Dass in Bellnhausen Handlungsbedarf besteht, beweisen die seit eineinhalb Jahren in der Allnastraße aufgestellten Absperrungen. Die Gewichtsbeschränkung für die denkmalgeschützte Brücke wurde auf dreieinhalb Tonnen herabgesetzt, außerdem gilt ein Tempolimit von zehn Stundenkilometern. Im Februar vergab der Magistrat die ersten Planungsaufträge für die Sanierung an ein Fachbüro.

Ostermontag stürzten Steine ins Bachbett

Ein Zwischenfall am Ostermontag schreckte alle Beteiligten auf: Mehrere große Natursteine der Ufermauer stürzten ins Bachbett. Dieser Schaden ist mittlerweile behoben. Es folgten umgehend Gespräche mit dem Denkmalschutz und der Wasserbehörde. Die Stadt und die Wasserbehörde liegen laut Kremer auf einer Wellenlänge: „Am liebsten wäre uns, die alte Brücke abzureißen und einen zweckmäßigen Neubau hinzusetzen.“ Die Statik der modernen Überführung sollte das Befahren von Lkw ermöglichen. Außerdem sollte der Wasserdurchfluss so dimensioniert werden, dass die Brücke bei einem „hundertjährigen Hochwasser“ kein großes Hindernis darstellt. Der Denkmalschutz plädiere aber dafür, die Brücke zu erhalten. Die Stadt muss nun prüfen, in welchem Umfang die Belastungsgrenze des Bauwerks durch eine Reparatur erhöht werden kann.

Nach Einschätzung des Bürgermeisters steht fest, dass auch künftig kein Baustoff-Lkw oder großes Müllfahrzeug die Brücke benutzen kann. Somit müsste eine tragfähige Überführung neben dem denkmalgeschützten Bauwerk errichtet werden. Gegen diesen Vorschlag spricht sich allerdings die Wasserbehörde aus, denn: Ein zweites Hindernis an der Allna würde die Hochwassergefahr erhöhen. Kremer berichtete von einer „zweiten schlechten Nachricht“. Das beauftragte Planungsbüro habe darauf hingewiesen, dass der Haushaltsansatz für die Sanierung von Brücke und Mauer nicht ausreiche. Mit einem Zuschuss vom Landesamt für Denkmalpflege kann die Stadt nach Angaben des Bürgermeisters wohl auch nicht rechnen. „Wenn sie nichts geben können, dürfen sie auch nichts fordern“, kommentierte Roland Döhler (SPD).

Zumindest bei der Reparatur der Stützmauer deutet sich ein Kompromiss an. Diese muss wohl nur auf einem etwa zwei Meter langen Abschnitt links und rechts der Brücke wieder mit Natursteinen hergestellt werden. Der übrige Teil könnte in einer günstigeren Bauweise saniert werden.

490.000 Euro für barrierefreie Bushaltestellen

Für den barrierefreien Ausbau von Bushaltestellen plant die Stadt in diesem Jahr 490.000 Euro ein. Der Umbau der ersten fünf Bushaltestellen mit zehn Haltepunkten würde 1,2 Millionen Euro kosten. „Das haut einen um – da reichen unsere Ansätze bei Weitem nicht aus. Wir werden nun mit dem Planungsbüro besprechen, wie wir damit umgehen“, sagte Kremer.

Gestrichen werden könnten im Haushaltsplan die 100 000 Euro, die für das Baugebiet am Mornsweg in Rüchenbach vorgesehen waren. Zwei Eigentümer lehnen es ab, ihre Flächen an die Stadt zu verkaufen. Nicht mehr benötigt werden auch die 20 000 Euro für die Boule-Bahn in Weidenhausen. Das Projekt wird über Spenden und Ortsbeiratsmittel finanziert.

Unklar ist, ob die erste Rate von 200 000 Euro für einen angedachten Umbau des alten Bahnhofs in eine Kindertagesstätte gebraucht wird. Die Stadtverordneten müssen zunächst entscheiden, ob dieses Projekt überhaupt umgesetzt oder stattdessen eine neue Kita auf der grünen Wiese entstehen soll.

Auf Anregung des Bauausschusses will die Verwaltung zur September-Sitzung der Stadtverordneten ein Faktenpapier mit allen bisher erstellten Kostenschätzungen vorlegen. Dieses dient den Politikern dann als Grundlage für die weiteren Debatten über den Kindergarten-Bau.

Das Stadtparlament tagt am Donnerstag, 23. Juni, ab 19 Uhr im Haus des Gastes.

Von Michael Tietz