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Hinterland Bauherren drohen Auflagen
Landkreis Hinterland Bauherren drohen Auflagen
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12:18 18.06.2020
Die Baugrunduntersuchungen förderten keinen erhöhten Arsengehalt im geplanten Baugebiet ans Tageslicht. Quelle: Michael Agricola
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Gladenbach

Sowohl in der Stadtverwaltung als auch bei den Kommunalpolitikern, vor allem die der Zählgemeinschaft aus Freien Wählern und SPD, dürften die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen im geplanten Baugebiet Niemczastraße/Am Hainpark Erleichterung hervorgerufen haben. Doch so gut, wie die Stellungnahme vom am 8. Juni der von der Stadt beauftragten Baugrundberatung GmbH aus Ober Ramstadt auf den ersten Blick klingt, ist es offenbar aus Sicht der zuständigen Prüfer im Regierungspräsidium (RP) Gießen offenbar nicht.

Die „Baugrundberatung“ untersuchte auf Veranlassung des RP im Auftrag der Stadt Gladenbach Bodenproben aus dem Baugebiet auf deren Arsengehalt. Dabei fassten sie insgesamt 34 Teilproben zu 8 Mischproben zusammen, zwei davon bestanden aus natürlichem Boden, der Rest aus aufgefüllten Flächen. Laut Ergebnis lag der Arsengehalt, gemessen in mg pro Kilogramm Bodenmasse, was einem Millionstel entspricht, nur beim natürlichen Boden mit 11 unter dem Prüfwert von 25mg/kg. Die weiteren Proben erreichten Werte von 25, 27, 29, 33 und 47 mg/kg, wobei die höchste Belastung im südlichsten Teil der Auffüllfläche liege.

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RP: Mögliche Gefährdung von Kindern ist zu bewerten

In seiner Bewertung kommt die „Baugrundberatung“ zu dem Ergebnis, dass im Oberboden bei Tiefen bis zu 10 Zentimetern mit Ausnahme einer Probe aus den Auffüllungsbereichen „deutlich geringere Arsengehalte festgestellt wurden. Zum Teil liegen diese unter beziehungsweise nur geringfügig über dem Grenzwert von 25 mg/kg. Somit würden im natürlichen Boden die Prüfwerte gemäß Wirkungspfad Boden-Mensch und Boden-Nutzpflanze eingehalten. Im Bereich der Auffüllfläche liege der Arsengehalt für den Wirkungspfad Boden-Nutzpflanze unterhalb des Prüfwertes.

Also alles in Ordnung für potenzielle Bauherren? Nicht ganz, erklärt RP-Pressesprecher Thorsten Haas, denn bei dem Wert von 25 mg Arsen/kg handelt es sich um einen sogenannten Prüfwert zur Beurteilung einer möglichen Gefährdung spielender Kinder. Beim Überschreiten des Wertes steht eine nähere Prüfung der Gefährdung im Einzelfall an. Bei den Werten 27, 29, 33 und 47 mg Arsen/kg liege der absolute Wert der Überschreitung im unkritischen Bereich. Demgegenüber stehe aber die Giftigkeit von Arsen. Laut Haas habe nun das Gesundheitsamt des Kreises zu beurteilen, ob eine Gesundheitsgefährdung vorliegt.

Unabhängig davon würden die Prüfergebnisse anhand dieser Daten „voraussichtlich bodenschutzrechtliche Empfehlungen sowie gegebenenfalls abfallrechtliche Auflagen im Baugenehmigungsverfahren zur Folge haben“. Dass das RP aufgrund der Altablagerung bei den Bauanträgen ohnehin zu beteiligen wäre, darauf wurde unter anderem schon in einem Schreiben der Aufsichtsbehörde an die Stadtverwaltung hingewiesen (OP berichtete). Die Bekanntgabe der Warnhinweise des RP durch den parteilosen Bürgermeister Peter Kremer während der letzten Stadtverordnetenversammlung, rief den Protest des Vorsitzenden der Freien-Wähler-Fraktion hervor. Helmut Brück monierte, dass im Ältestenrat Stillschweigen über das Schreiben des RP vereinbart worden sei. Die Zählgemeinschaft forcierte das Zustandekommen des Baugebiets Niemczastraße/Am Hainpark.

Tödliches Halbmetall Arsen

Arsen ist ein Halbmetall, das vor allem wegen seiner Giftigkeit bekannt ist. Im Boden ist vorwiegend die giftigere Form, das anorganische Arsen, zu finden.

Eine akute Arsenvergiftung führt zu Krämpfen, Übelkeit, Erbrechen, inneren Blutungen, Durchfall und Koliken, bis hin zu Nieren- und Kreislaufversagen. Bei schweren Vergiftungen fühlt sich die Haut feucht und kalt an und der Betroffene kann in ein Koma fallen. Die tödliche Dosis für einen Menschen ist schwer zu schätzen, die niedrigste tödliche Dosis wird aber mit 1,429 mg/kg angegeben. Quelle: Wikipedia

von Gianfranco Fain

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