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Hinterland Serviceleiter arbeitet in die eigene Tasche
Landkreis Hinterland Serviceleiter arbeitet in die eigene Tasche
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19:58 23.02.2021
Durch nicht ordnungsgemäß abgerechnete Autoreparaturen hat sich ein Mann illegal bereichert (Themenfoto).
Durch nicht ordnungsgemäß abgerechnete Autoreparaturen hat sich ein Mann illegal bereichert (Themenfoto). Quelle: David Ebener/dpa
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Marburg

Wegen Untreue und Betrugs in mindestens 220 Fällen hat das Marburger Amtsgericht den ehemaligen Serviceleiter eines Gladenbacher Autohauses zu einer Bewährungsstrafe von 19 Monaten verurteilt.

Der 50-Jährige hatte zugegeben, unter anderem mittels manipulierter Reparaturaufträge größere Summen in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, zwischen 2013 und 2016 die Kulanzregelung des Autoherstellers gegenüber Kunden für sich genutzt zu haben.

Vorwürfe weitgehend korrekt

70 Prozent erstatte dieser bei den Kosten, erläuterte der Inhaber des Autohauses als Zeuge, 30 Prozent müsse sein Unternehmen tragen. Und dieses knappe Drittel hat der Angeklagte laut Staatsanwältin Kathrin Ortmüller jedoch zusätzlich in bar von den Fahrzeughaltern kassiert und sich so bereichert.

„Ja, ich habe Geld unterschlagen“, gestand der Mann. Die Vorwürfe seien weitgehend richtig, allerdings nicht in der Anzahl. In vielen angeklagten Fällen seien die Vorgänge regelgerecht abgewickelt worden. Weil der 50-Jährige dies nach Ansicht von Gericht und Staatsanwaltschaft glaubhaft machen konnte und die genauere Aufklärung sehr kompliziert geworden wäre, wurden viele Fälle eingestellt, sodass von ursprünglich 144 nur noch 35 übrig blieben.

Die selbe Grundlagen für Strafmaß

Auf derselben Grundlage und im Hinblick darauf, dass es für das Strafmaß nicht wesentlich war, wurde auch beim zweiten eingestandenen Tatkomplex, von 251 Taten blieben 185 übrig, so verfahren.

Nach Überzeugung aller Beteiligten und laut Geständnis hat der Angeklagte einem Unternehmen, das gebrauchte Leasingautos zur Generalüberholung in die Werkstatt gab, Ersatzteile in die Rechnungen geschrieben, die nicht verbaut wurden. Die Teile nutzte er dann für sein eigenes Fahrzeug oder verkaufte sie gewinnbringend an Kunden, wie er selbst berichtete.

Um plausibel zu wirken, habe er vorwiegend gängige Verschleißteile aufgeführt. Oft sei aber von ihm auch etwas ganz anderes, im Preis nahe liegendes, bestellt worden.

Schaden von mehr als 60.000 Euro

Dem Leasingunternehmen sei laut Ortmüller so ein Schaden von mehr als 60.000 Euro entstanden, 43.000, so der Geschäftsinhaber, hätte er davon beglichen. Sein ehemaliger Mitarbeiter, darauf habe man sich in einem Vergleich geeinigt, habe ihm seinerseits 40.000 Euro zurückgezahlt.

Aufgeflogen war die Betrugsserie, als ein Mitarbeiter des Leasingunternehmens die Rechnungen genauer unter die Lupe nahm und feststellte, dass die dort aufgeführten Artikelnummern zu einem ganz anderen Produkt, als dem aufgeführten Ersatzteil gehörten.

Er sei deshalb zu seinem Kunden zitiert worden, so der Autohausinhaber, und habe auch den Mitarbeiter hinzugerufen. Der habe den Betrug mit den Worten „jetzt ist alles vorbei“ dann sofort zugegeben.

Geständnis berücksichtigt

Der Mann, zu dem er zuvor vollstes Vertrauen hatte, so mutmaßte der Zeuge, könne aber nicht alles alleine gemacht haben; er vermute einen Mittäter bei seinem Kunden, denn in einem Autohaus in Gießen sei Ähnliches mit der gleichen Firma passiert. Verteidiger Thomas Diek verwies jedoch darauf, „dass es das ganze System meinem Mandanten sehr leicht gemacht hat“, was die Taten aber nicht entschuldige.

Mit dem Strafmaß blieb das Schöffengericht unter Vorsitz von Melanie Becker genau zwischen den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die einen Monat mehr beziehungsweise weniger gefordert hatten. Zugunsten des Angeklagten wurden sein frühzeitiges und umfassendes Geständnis und dass er nicht vorbestraft ist, berücksichtigt.

Drei Monate sind bereits verbüßt

Auch sei in der langen Zeit seit der letzten Tat nichts mehr passiert und seine Reue sei aufrichtig, Bewährung also die logische Folge in der Überzeugung eines weiteren straffreien Lebens. Wegen der langen Verfahrensdauer, die dem 50-Jährigen nicht angelastet werden könne, sondern den Justizbehörden, gelten drei Monate schon als verbüßt.

Als Bewährungsauflage muss der Mann innerhalb eines Jahres 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das reiche, so Becker, schließlich habe er auch schon mit der Zahlung an seinen ehemaligen Arbeitgeber Schadenswiedergutmachung betrieben. Und weil alle Verfahrensbeteiligten Rechtsmittelverzicht erklärten, ist das Urteil rechtskräftig.

Von Heiko Krause