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Hinterland Gladenbach verzichtet auf Kita-Gebühren
Landkreis Hinterland Gladenbach verzichtet auf Kita-Gebühren
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10:00 09.07.2020
Die Eltern von Kindergartenkindern in Gladenbach brauchen für ein Vierteljahr keine Gebühren zahlen. Quelle: Monika Skolimowska/dpa
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Gladenbach

Eltern brauchen für die sechs Kindergärten im Gladenbacher Stadtgebiet drei Monate lang keine Beiträge zahlen. Dies hat das Parlament nun einstimmig entschieden. Der Gebührenerlass gilt für April, Mai und Juni.

Wegen der Corona-Pandemie mussten die Kindertagesstätten auf Anordnung der Landesregierung am 16. März schließen. Lediglich für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen (wie Ärzte, Polizisten oder Krankenpfleger) arbeiten, war anfangs eine Notbetreuung in Kleingruppen angeboten worden. Diese Leitlinie wurde später um andere Berufsgruppen und soziale Härtefälle erweitert.

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Nach weiteren Lockerungen galt seit Anfang Juni eine eingeschränkte Regelbetreuung in den hessischen Kindergärten. Diese konnten unter anderem auch die Kinder nutzen, die ab Mitte August die Schule besuchen werden. Mit Beginn der Sommerferien sind die Kitas nun wieder für alle Kinder geöffnet.

CDU zog Antrag zurück

In Gladenbach hatte die CDU-Fraktion bereits im März eine Initiative gestartet, mit der die Kindergartengebühren während der Corona-Krise ausgesetzt beziehungsweise komplett erlassen werden sollten. Ihren parlamentarischen Antrag zogen die Christdemokraten dann aber auf Bitten der übrigen Parteien zurück.

Zunächst sollte abgewartet werden, welche Entscheidung die Landesregierung zu den Kita-Gebühren trifft. Der Gladenbacher Magistrat hatte am 30. März bereits eine vorläufige Stundung der Elternbeiträge beschlossen.

Im vergangenen Monat gab es dann eine Rückmeldung aus Wiesbaden. Sozialminister Kai Klose (Grüne) teilte mit, dass das Land zumindest die Förderung der Betriebskosten für die Betreuungseinrichtungen ungekürzt gewährt. Die Ausgestaltung der Kita-Finanzierung über von Eltern zu zahlende Beiträge falle jedoch in die Zuständigkeit der Kommunen, so der Minister. Hessen hat allerdings bereits ab August 2018 flächendeckend den Besuch der Kitas für Kinder ab drei Jahren beitragsfrei gestellt – für sechs Stunden täglich. Laut einer Berechnung des Gladenbacher Ordnungsamtes für den Monat März übernimmt das Land 73,5 Prozent der Kindergartenbeiträge für die sechs Einrichtungen im Stadtgebiet – insgesamt 52.560 Euro.

„Richtiges Zeichen“

Der Landkreis überwies weitere 2.317 Euro. Diese Unterstützung wird gewährt, wenn Erziehungsberechtigte entsprechende Anträge nach dem Sozialgesetzbuch gestellt haben. Der Anteil der Eltern an den Kindergartenbeiträgen liegt bei 23,3 Prozent. Sie steuerten im März insgesamt 16.622 Euro für die Betreuung ihrer Sprösslinge bei.

Für April, Mai und Juni müssen sie gar nichts zahlen – egal ob sie in systemrelevanten Berufen tätig sind oder nicht. Darauf einigten sich nun die Gladenbacher Parlamentarier in einem gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, Freien Wählern und Grünen. Der Gebührenerlass gilt für alle Kinder, also auch für jene aus dem vom Land bisher nicht bedachten U3-Bereich.

Als „richtiges Zeichen der Solidarität in dieser so schwierigen Zeit“ werten die vier Fraktionen ihre Initiative. Viele Eltern hätten die Notbetreuung in den Kindergärten nicht nutzen können.

Sie mussten deshalb zu Hause bleiben, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Deshalb wollen die Parlamentarier die betroffenen Familien nun zumindest ein wenig finanziell entlasten.

Von Michael Tietz

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