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Hinterland Kein Ersatz für kranke Tagesmütter
Landkreis Hinterland Kein Ersatz für kranke Tagesmütter
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19:21 01.10.2019
Tagesmutter Hannelore Schmidt aus Rauschenberg betreute im Januar dieses Jahres ihre kleinen Schützlinge Thies (von links), ­Merle und Fiona. In Gladenbach fehlen ab nächstem Jahr Tagesmütter. Quelle: Nadine Weigel
Gladenbach

Das Wichtelhaus in Mornshausen, in dem Kinder unter drei Jahren betreut werden, schließt zum Jahresende. Das stellt die Eltern vor Probleme. Die Freien Wähler hatten Ende August eine Anfrage gestellt, um zu erfahren, ob es Möglichkeiten gibt, die Kinder in Kinderkrippen der Kindergärten in Gladenbach unterzubringen oder ob ein Fahrdienst infrage kommt.

Die Tagesmutter aus Mornshausen zieht ab Januar 2020 in den Marburger Stadtteil Cappel. Eine Nachfolgerin ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Nach Informationen von Margarete Kuhrt (FW) verleiben von ehemals fünf nur noch drei Tagesmütter im Stadtgebiet Gladenbach. Eine könnte 2021 in den Ruhestand gehen, eine zweite wechselt wie erwähnt nach Cappel.

Kremer: Konzept wird 
in Kürze vorgestellt

In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung gab Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) bekannt, dass die Zuständigkeit beim Landkreis liegt. Aufgrund der aktuellen Situation habe die Stadtverwaltung das Gespräch mit den Verantwortlichen gesucht. Derzeit werden Lösungen gesucht, um den Eltern, einen Betreuungsplatz anzubieten. „Ein Konzept wird in Kürze vorgestellt“, sagte Kremer.

Auf OP-Anfrage bestätigte­ Landkreis-Pressesprecher Sascha Hörmann, dass daran gearbeitet wird, finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen zu schaffen, die Anreize zum beruflichen Einstieg in die Tagespflege bieten. Auf diese Weise soll der Ausbau des Betreuungsangebots in Gladenbach vorangetrieben werden.

Um Kindern des Wichtelhauses in Mornshausen eine Lösung zu bieten, stand zur Diskussion, ob die Betreuung der unter Dreijährigen über einen Fahrdienst gewährleistet werden könnte. Der Vorschlag lautete, dass die Tagesmutter für sieben Monate ein Mietfahrzeug erhält, um Kinder von Gladenbach nach Cappel und wieder zurückzubringen. Kosten und Versicherung wären noch zu klären. Ob dies, insbesondere im Hinblick auf die Betreuungszeiten, realisierbar sei oder nicht, entscheide sich letztlich an der Vereinbarung zwischen Eltern und Tagespflegeperson, erklärte Hörmann. „Zur Schaffung einer Alternative werden wir ­Gespräche mit den Eltern, der ­Tagesmutter, der Stadt Gladenbach und den örtlichen Kita-Trägern führen“, ergänzte er.

Planungssicherheit soll gestärkt werden

Vor allem auch an einem Vertretungskonzept ist den Eltern gelegen. Bislang würden notwendig gewordene Vertretungen so gelöst, dass freie Plätze ad hoc abgefragt und so kurzfristig individuelle Lösungen angeboten werden können, die in aller Regel auch angenommen werden, erklärte Hörmann. In den vergangenen 21 Monaten sei dies fünf Mal der Fall gewesen. Entweder sei eine Vertretung für den aktuellen Tag oder die kommenden Tage notwendig gewesen.

Für Eltern gibt es bei der aktuellen Praxis ein Manko. Liegen die Betreuungszeiten zwischen 7 und 16 Uhr, dann ist es für die Eltern nicht möglich, um 7 Uhr beim Jungendamt des Landkreises einen Ansprechpartner zu erreichen, um eine Verabredung über eine Vertretung zu treffen. „Zur Planungssicherheit für die Kinder, Eltern wie auch Tagespflegepersonen arbeiten wir an Strukturen, die über die bisherige Praxis hinausgehen werden. Ein erstes Pilotprojekt wird derzeit final abgestimmt. Parallel hierzu wird an Lösungen unter Einbeziehung von Kindertagesstätten und sogenannten Freihalteplätzen, also reservierten Betreuungsplätzen, gearbeitet“, erklärte Hörmann.

Von Silke Pfeifer-Sternke