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Hinterland Gladenbach lindert Notstand
Landkreis Hinterland Gladenbach lindert Notstand
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18:00 19.10.2021
Mit einem modularen Baukastensystem aus 20 Containern ist die neue Außenstelle der evangelischen Kindertagesstätte „Regenbogen“ in Gladenbach geschaffen worden. Zwei Krippengruppen finden dort Platz.
Mit einem modularen Baukastensystem aus 20 Containern ist die neue Außenstelle der evangelischen Kindertagesstätte „Regenbogen“ in Gladenbach geschaffen worden. Zwei Krippengruppen finden dort Platz. Quelle: Foto: Michael Tietz
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Gladenbach

Zu viele Kinder, zu wenige Betreuungsplätze: So sah es vor den Sommerferien in den Kindertagesstätten im Gladenbacher Stadtgebiet aus. Auf den Wartelisten standen dutzende Namen von Familien. Die Lage hat sich mittlerweile entspannt. Vier zusätzliche Gruppen gingen an den Start. Diese sind als Übergangslösung gedacht – bis ein neuer Kindergarten in der Kernstadt bezugsfertig ist.

„Wir haben den Zeitplan eingehalten, die Plätze stehen zum Start des neuen Kindergartenjahres zur Verfügung“, stellt Bürgermeister Peter Kremer zufrieden fest. In der Hoherainstraße in Gladenbach entstanden zwei Krippengruppen. Die in Modulbauweise errichtete Einrichtung für 24 Kinder unter drei Jahren ist der evangelischen Kita „Regenbogen“ angeschlossen.

In Runzhausen nahm die Kindertagesstätte „Löwenzahn“ ihre Arbeit auf. Im Dorfgemeinschaftshaus (DGH) ist eine Regelgruppe für 25 Kinder über drei Jahren untergebracht, im angrenzenden Container zog eine Krippengruppe (zwölf Plätze) ein. Diese Einrichtung wird vom Kinderzentrum „Weißer Stein“ betreut, das auch Träger der benachbarten Kita „Pusteblume“ ist. Bei Bedarf kann im Dorfgemeinschaftshaus noch eine altersübergreifende Gruppe für Kinder ab zwei Jahren eingerichtet werden.

„Dieses zusätzliche Angebot nimmt natürlich gewaltig Druck vom Kessel“, betont Peter Kremer. Weil es vor allem an Krippenplätzen im Stadtgebiet mangelte, hatte sich im Vorjahr eine Elterninitiative formiert. Die forderte Verwaltung und Politik zum schnellen Handeln auf.

Die Stadtverordnetenversammlung stimmte im Januar 2021 den neuen Betriebsverträgen mit Kinderzentrum und Kirchengemeinde für die beiden Übergangslösungen in Runzhausen und Gladenbach zu. Am 30. März vergab die Stadt die Aufträge für die Krippengruppen in der Hoherainstraße. Eine heimische Baufirma brachte das Grundstück nahe dem Reitplatz in Form, ein Unternehmen aus Frankfurt lieferte 20 Container. Am 23. Juli stand die Einrichtung, die ersten Kinder zogen am 1. September ein.

Die Investitionskosten für die Stadt belaufen sich auf 200 000 Euro. Hinzu kommen die Ausgaben für die Miete der Container und den laufenden Betrieb der beiden Gruppen. „Ein schönes Gebäude – hier gibt es nichts, was irgendwie an Container erinnern würde“, lobt der Bürgermeister die Raumqualität. Lediglich ein Baufachmann würde vielleicht anhand der Verbindungsleisten auf dem Kautschukboden erkennen, dass es sich hier um ein modulares Baukastensystem handelt.

Viel Lob kommt auch vom Träger der Einrichtung. „Wir freuen uns sehr über die zwei neuen Krippengruppen für unsere Kita ‚Regenbogen’. Sie sind eine sinnvolle und auch notwendige Ergänzung zum Kindergartenangebot der evangelischen Kirchengemeinde Gladenbach“, betont Pfarrer Matthias Ullrich. Das Erscheinungsbild und die Funktionalität der Container hätten auch ihn positiv überrascht. Besonders die Lage am Waldrand werde von allen Beteiligten sehr geschätzt. „Mit Petra Langenheim haben wir auch eine sehr erfahrene Leiterin für die Krippengruppe gefunden“, freut sich Matthias Ullrich. Als Stellvertreterin der Kita-Leiterin Danielle Da Lozzo übernimmt sie die Führungsaufgaben in der neuen Außenstelle der Kindertagesstätte „Regenbogen“. Wer sich die Kinderkrippe einmal von innen anschauen möchte, ist zum Tag der offenen Tür am 19. November ab 15 Uhr eingeladen.Peter Kremer

Parallel zum Kita-Projekt in der Hoherainstraße musste die Stadt auch in Runzhausen nachbessern. Nach einem Wasserschaden im Hauptgebäude der „Pusteblume“ wurden das Dorfgemeinschaftshaus und der Container bereits als Übergangslösung genutzt. Im Juli zogen die drei Gruppen wieder in die modernisierte Kindertagesstätte.

Anschließend erfolgten Umbauarbeiten im und am DGH. Toiletten für Kinder und eine Telefonanlage mussten installiert und der Schallschutz musste verbessert werden. „Das waren auch Auflagen des Jugendamtes, weil das Dorfgemeinschaftshaus nun länger als Kindergarten genutzt wird“, erklärt Peter Kremer. Die Modernisierung wertet das Gebäude gleichzeitig auf.

Benutzung des Parkplatzes ist nun neu geregelt

Für die Krippengruppe gibt es nun ein kleines Spielgelände im Außenbereich. Außerdem steht den „Löwenzahn“-Kindern der Spielplatz neben dem DGH zur Verfügung. Dieser ist tagsüber für den Kindergarten reserviert.

Veränderungen gibt es auch auf dem Parkplatz davor, der nun tagsüber allein der Feuerwehr und dem Kindergarten zur Verfügung steht. Bring- und Holparkplätze für Eltern sollen noch ausgewiesen werden. Außerdem gilt auf dem Gelände eine Einbahnstraßenregelung. Dank spricht der Bürgermeister in diesem Zusammenhang der Evangelischen Kirchengemeinde Runzhausen aus. Die stellt ihre Parkplätze am Gemeindehaus – direkt gegenüber dem DGH – ebenfalls zur Verfügung.

Kremer sieht Bedarf weitgehend gedeckt

„Schon in den Wochen vor der Eröffnung haben die pädagogischen Fachkräfte an der Konzeption gearbeitet und die Gruppen liebevoll eingerichtet, damit die Kinder einen guten Start in den Kindergartenalltag haben und sich wohlfühlen“, erzählt „Löwenzahn“-Leiterin Christina Heuser.

Anfang September gab es dann einen Kennenlern-Vormittag für die Mädchen und Jungen und ihre Eltern. Die Räume konnten erkundet sowie Spiel- und Bastelangebote ausprobiert werden.

Seit dem 6. September werden nun nach und nach die Kinder aufgenommen und eingewöhnt. „Wir freuen uns sehr, dass die Kinder da sind und das Haus mit Leben füllen“, sagt Christina Heuser. Sie verweist darauf, dass die Kita noch Kapazitäten frei hat. Der zweite Gruppenraum im DGH wird derzeit nicht genutzt. Anmeldungen seien deshalb jederzeit möglich.

„Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist mit diesen neuen Einrichtungen weitestgehend gedeckt, ein bisschen müssen wir noch nachjustieren“, erklärt Peter Kremer. Im November erfolgt der Kindergarten-Abgleich – dann liegen aktuelle Zahlen zu Angebot und Nachfrage von Plätzen vor.

Auch Rüdiger Götze, Leiter des städtischen Ordnungsamtes, ist zufrieden: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Bei Betreuungsplätzen für Kinder über drei Jahre gebe es „fast keine Warteliste“ mehr. Der Bedarf würde sich lediglich noch durch Zuzüge von Familien oder durch Anfragen vom Jugendamt ergeben. „Im Krippenbereich stehen nur noch sehr wenige Namen auf der Liste“, erklärt Rüdiger Götze. Dies seien ausschließlich Wünsche von Eltern für einen Betreuungsplatz in einer bestimmten Einrichtung.

Wie lange die Übergangslösungen in der Hoherainstraße und im DGH Runzhausen betrieben werden, hängt davon ab, wann ein neuer, fünfgruppiger Kindergarten in der Kernstadt bezogen werden kann. Dazu muss die Gladenbacher Politik zunächst die Standortfrage klären: Neubau auf der grünen Wiese oder Umbau des alten Bahnhofs?

Entscheidend sind hierbei die Kosten. Ein von der Stadt beauftragtes Planungsbüro hat dazu eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorgenommen. Die ersten Zahlen liegen nun vor – „und die sind einiges von dem entfernt, was wir bisher auf dem Schirm hatten“, erklärt Peter Kremer. Die Details des Gutachtens will die Firma demnächst im kleinen Kreis für die Verantwortlichen im Rathaus und anschließend der Politik vorstellen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass es dazu eine Sondersitzung der Stadtverordneten im November geben wird.

Auf dem Plan steht außerdem die Erweiterung der Kita „Regenbogen“ in Gladenbach. „Hierzu warten wir auf eine Kostenschätzung des Architekten“, erklärt Peter Kremer.

Von Michael Tietz

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