Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Gladenbach lässt zum Impfen fahren
Landkreis Hinterland Gladenbach lässt zum Impfen fahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:58 09.03.2021
Als die Koordinatorinnen und Fahrer den Bad Endbacher Bürgerbus im September 2016 in Empfang nahmen, ahnte niemand etwas von dem Streit, der sich nun zuträgt.
Als die Koordinatorinnen und Fahrer den Bad Endbacher Bürgerbus im September 2016 in Empfang nahmen, ahnte niemand etwas von dem Streit, der sich nun zuträgt. Quelle: Archivfoto: Peter Piplies
Anzeige
Gladenbach

Für einige Menschen ist es nicht einfach, einen Termin im Marburger Impfzentrum wahrzunehmen. So wandte sich zum Beispiel eine Gladenbacherin an die OP, die ihre pflegebedürftige 101-jährige Mutter nicht nach Marburg bringen kann, weil der Rollstuhl nicht in das Auto passt. Dem Wunsch eines Impftermins im Hause entsprach das Kreisgesundheitsamt nicht, weil dies in der Impfverordnung nicht vorgesehen ist.

Einige Kommunen organisieren Fahrdienste

Kommunen wie Biedenkopf, Breidenbach und Dautphetal reagierten auf solche Fälle und organisierten einen Fahrdienst mit dem gemeindeeigenen Bürgerbus. Einen ähnlichen Service für die Mitbürger regten die Freien Wähler auch für Gladenbach an.

Ihrem Antrag stimmten die Stadtverordneten am 18. Februar einstimmig zu, nun ist es soweit: Der Fahrdienst nimmt heute (9. März) mit seinen ersten beiden Fahrgästen den Dienst auf. Insgesamt haben sich schon drei Interessenten gemeldet, berichtet Matthias Becker, Geschäftsführer der SEB. Der Stadtmarketing-Energie-Bäder-Gladenbach übertrug die Stadt die Organisation, erklärt Bürgermeister Peter Kremer.

Jugendpflege-Fahrzeug fährt nun zu Impfungen

Da die Stadt keinen Bürgerbus hat, wird das Gefährt der Jugendpflege genutzt. Da ungewiss ist, wie viele Fahrten zu bewältigen sind, kooperiert Becker mit der Gladenbacher Arbeiterwohlfahrt. Die AWO betreibt seit langer Zeit einen Fahrservice, erklärt Andrea Dörr-Silvestri. Laut der Quartiersmanagerin bringt dieser Fahrdienst zum Beispiel Menschen aus den Stadtteilen nach Gladenbach zum Einkaufen oder auch zu Arztterminen bis nach Biedenkopf.

Der Grund für dieses Serviceangebot war, dass die Bürgerbusse die Interessenten „nicht von zu Hause abholen“. Nun vernetze man das eigene Angebot mit dem der Stadt Gladenbach. Der Fahrdienst sei für Menschen gedacht, die keine andere Möglichkeit haben, zum Marburger Impfzentrum zu kommen, betont Andrea Dörr-Silvestri.

Vier ehrenamtliche Fahrer

Matthias Becker weist zudem darauf hin, dass „ein Impftermin vorhanden sein muss“. Die Touren zum Impfzentrum mit dem Bus der Jugendpflege übernehmen vier ehrenamtliche Fahrer. Pro Fahrt wird eine Person oder maximal ein Hausstand transportiert.

Die Anforderung erfolgt über die SEB unter der Telefonnummer 0 64 62 /­ 20 16 12 oder über Andrea Dörr-Silvestri unter 0151/741 199 77. Der Kontakt über E-Mail ist ebenfalls möglich unter den Adressen seb@­gladenbach.de oder andrea.doerr-silvestri@­awo-nordhessen.de

Bürgerbus von Bad Endbach ist umstritten

Seit Mitte Februar bietet die Gemeinde Bad Endbach an, Menschen im Alter von mehr als 80 Jahren zum Impfzentrum nach Marburg zu fahren. Doch der Einsatz des Bürgerbusses ist umstritten. Der Erste Beigeordnete Arndt Räuber weist darauf hin, dass der Beschluss der Gemeindevertretung, einen Bürgerbus zu installieren, unter der Bedingung getroffen wurde, dass dieser keine kostenlosen Fahrten über die Gemeindegrenzen hinaus unternehmen dürfe.

Dies stieß auf die Zustimmung privater Transport-Unternehmer, die sich nun nicht öffentlich äußern wollen.

Keine Konkurrenz für Privat-Unternehmer

Die Vereinbarung zielt darauf ab, mit dem kostenlosen Angebot der Gemeinde den Privat-Unternehmern keine Konkurrenz zu machen. Immerhin kostete eine Fahrt von Bad Endbach zum Marburger Impfzentrum inklusive Wartezeit nach Recherchen der OP 70 bis 80 Euro. Für Patienten ab Pflegegrad 3 übernehmen die Krankenkassen diese Kosten nur nach vorhergehendem Antrag.

Arndt Räuber (FWG), der nach eigenen Angaben im Jahr 2015 den Kauf des Bürgerbusses initiierte, forderte Bürgermeister Julian Schweitzer schon mehrmals auf, diesen „einseitig und ohne Rücksprache beschlossenen Einsatz des Bürgerbusses rückgängig zu machen“.

Montag bis Mittwoch eine Stunde erreichbar

Das sei mittlerweile geschehen, erklärt Sozialdemokrat Schweitzer. Man habe die Vereinbarung nicht so interpretiert, dass in einer extremen Situation wie dieser Pandemiezeit überhaupt keine Fahrten des Bürgerbusses außerhalb der Gemeinde möglich seien.

Da wegen der Pandemie der Bürgerbusbetrieb derzeit ruhe, boten einige der ehrenamtlichen Fahrer an, die Fahrten zum Impfzentrum zu übernehmen. Diese erfolgen nun mit anderen Fahrzeugen der Gemeinde, erklärt Schweitzer. Denn obwohl es noch keine Anfrage für eine Fahrt gab, „halten wir das Angebot aufrecht“. Die Kontaktaufnahme ist einfach: Wer einen Transport benötigt, wendet sich an das Bürgerbus-Koordinationsteam. Andrea Richhardt ist Montag und Mittwoch von 13 bis 14 Uhr unter der Telefonnummer 0160/992 147 93 erreichbar.

Von Gianfranco Fain