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Hinterland Zehn Änderungswünsche zum Regionalplan
Landkreis Hinterland Zehn Änderungswünsche zum Regionalplan
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18:32 21.04.2022
Die Radmobilität soll in Gladenbach gefördert werden – das ist der einmütige Wille der Fraktionen.
Die Radmobilität soll in Gladenbach gefördert werden – das ist der einmütige Wille der Fraktionen. Quelle: Michael Tietz/Archiv
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Gladenbach

Die Stadt will auch in den nächsten Jahren wachsen. Wo sich Häuslebauer ihren Wunsch vom Eigenheim erfüllen können und sich Firmen ansiedeln dürfen, zeigt unter anderem der Regionalplan Mittelhessen auf. Dieser wird derzeit überarbeitet. Die Gladenbacher Politik schickte nun zehn Änderungswünsche für den Entwurf an das Regierungspräsidium in Gießen.

Im Gegensatz zu anderen Hinterland-Kommunen sorgte der neue Regionalplan in Gladenbach für wenig Zündstoff. Die Stadtverordneten beschäftigten sich in ihren Fachausschüssen eingehend mit den Entwicklungschancen ihrer Kommune. Kritische Stimmen gab es nur am Rande. Eine „große Einmütigkeit“ bescheinigte Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) den Stadtverordneten noch vor der Abstimmung. Ohne größere Diskussion verabschiedete diese dann ihre Stellungnahme zum Regionalplan.

CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Runzheimer wertete das Arbeitspapier als „sehr guten Kompromiss“. In dem Prozess waren auch alle Ortsbeiräte eingebunden. „Das war ein Schlüssel zum Erfolg“, betonte Runzheimer.

Bauplätze in Belln- und Frohnhausen

Fünf der zehn Änderungswünsche betreffen mögliches Bauland in den Stadtteilen. Damit dieses bei Bedarf ausgewiesen werden kann, sollen bisher noch als „Vorranggebiete Landwirtschaft“ eingestufte Flächen in niederklassige „Vorbehaltsgebiete Landwirtschaft“ umgewandelt werden. Letztere ermöglichen einen Abwägungsspielraum bei der weiteren Planung, während Vorranggebiete bindende Ziele der Raumordnung sind.

In Bellnhausen – so die Idee – bietet sich dafür eine rund ein Hektar große Fläche im Südwesten des Ortes an. Diese liegt zwischen dem derzeitigen Siedlungsrand und der Gärtnerei und grenzt direkt an die Runzhäuser Straße.

Bauplätze möchte die Stadt auch in Frohnhausen schaffen. Die mangelnde Verkaufsbereitschaft der Grundstücksbesitzer verhinderte dies bisher. Nun könnte am östlichen Ortsrand ein kleines Wohngebiet entstehen. Dieses ist jedoch im Regionalplan noch als „Vorranggebiet für Landwirtschaft“ ausgewiesen.

Radwegenetz ab Runzhausen im Blick

Das gleiche Problem stellt sich in Mornshausen dar: Für eine bedarfsorientierte Baulandentwicklung kommt hier eine Fläche am nördlichen Siedlungsrand infrage. Hervorragende Voraussetzungen für die Erschließung eines kleinen Baugebietes gibt es aus Sicht der Stadt auch im Osten von Runzhausen.

Die ausgewählte Fläche befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ortsdurchfahrt, der Bundesstraße 453, und der Kreisstraße in Richtung Bellnhausen. In Rachelshausen würden sich insbesondere die Randbereiche im Nordosten und Süden für einige Baugrundstücke anbieten. In das regionale Radwegenetz soll der Lückenschluss zwischen Runzhausen und der Nachbargemeinde Dautphetal aufgenommen werden. Das Projekt ist bereits Bestandteil des Radverkehrsentwicklungsplans des Land­kreises.

Aufwertung für bedeutsame Orte

Außerdem sprachen sich die Stadtverordneten dafür aus, dass die Felslandschaft der „Hinterländer Schweiz“ in die Liste der regional bedeutsamen Erholungsschwerpunkte und die historische Landheege in Rachelshausen in die Liste der regional bedeutsamen Bodendenkmäler aufgenommen wird: Oberhalb des Steinbruches befindet sich die hochmittelalterliche Wallanlage, die einst die Grenze zwischen Nassau und Hessen bildete. Die Heege ist mehr als 700 Jahre alt und dürfte das bedeutendste Bodendenkmal in ganz Gladenbach sein.

Zwei kleinere Änderungswünsche beziehen sich auf das Areal der ehemaligen Tennishalle im Norden der Kernstadt. Der Entwurf des neuen Regionalplans weist dieses als ein landwirtschaftliches Vorbehaltsgebiet aus. Dort hat sich aber längst ein großes Unternehmen angesiedelt und das Vorkaufsrecht für weitere Flächen für eine Betriebserweiterung gesichert. Dieser Weiterentwicklung hin zu einem Gewerbestandort soll nun durch eine redaktionelle Anpassung Rechnung getragen werden.

Am Bauhof könnte ­Gewerbegebiet entstehen

Drei Entwicklungsschwerpunkte sieht der neue Regionalplan bereits für die Kernstadt vor. Für die Wohnbebauung kann das 26 Hektar große Areal – dies entspricht in etwa der Größe von 36 Fußballplätzen – entlang der B255 zwischen Gladenbach und Erdhausen genutzt werden. Die Stadt lässt für den ersten Bauabschnitt auf der „Lammerich“ bereits einen Bebauungsplan erstellen.

Ein fünf Hektar großes Siedlungsgebiet könnte laut Regionalplan zwischen dem Sinkershäuser Weg und der Marburger Straße (B255) oberhalb der Rettungswache entstehen. Für die Ansiedlung von Gewerbe kommt eine 4,2 Hektar große Fläche am Bauhof mit direkter Anbindung an die B453 infrage.

Bestandteil des neuen Regionalplans ist auch eine Trassensicherung für die Salzbödebahn. Ob die Strecke irgendwann einmal reaktiviert wird, ist bisher völlig offen. Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie liegt noch nicht vor. Die angedachte Bahntrasse soll nun vorerst freigehalten und nicht für andere Zwecke überplant werden. „Das ist ein Hemmschuh für die Entwicklung dieser Stadt“, merkte Klaus Bartnik (FW) kritisch an.

Regionalversammlung berät über Wünsche

Wie weit sich die Stadt Gladenbach in den nächsten Jahren entwickeln darf, ist im Regionalplan ebenfalls festgeschrieben: Für neue Wohngebiete stehen bis 2035 insgesamt 28 Hektar zur Verfügung, der maximale Bedarf an Gewerbeflächen ist auf sieben Hektar festgesetzt worden.

Über alle von den mittelhessischen Kommunen eingereichten Änderungswünsche berät schließlich die Regionalversammlung. Das 31-köpfige Gremium entscheidet dann über den neuen Regionalplan. Wann dies sein wird, ist derzeit noch unklar.

Von Michael Tietz