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Hinterland Gladenbach hat Saisonstart im Blick
Landkreis Hinterland Gladenbach hat Saisonstart im Blick
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14:58 09.05.2021
In frischem „Lichtblau“ erstrahlen nun wieder die Becken im Freibad Weidenhausen: Mitarbeiter des Gladenbacher Bäderbetriebes bringen bei den Reparaturarbeiten Farbe ins Spiel. 
In frischem „Lichtblau“ erstrahlen nun wieder die Becken im Freibad Weidenhausen: Mitarbeiter des Gladenbacher Bäderbetriebes bringen bei den Reparaturarbeiten Farbe ins Spiel. Quelle: Michael Tietz
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Gladenbacher

Seit sechs Monaten befindet sich das Freizeitbad „Nautilust“ im Wartemodus. „Schwimmen verboten“ lautet wegen der Pandemie die Devise. Die technischen Anlagen laufen auf Sparflamme. Nun bereitet die Stadt den Neustart vor. Auch das Freibad in Weidenhausen wird fit für die neue Saison gemacht. Wann diese beginnt, ist aber noch unklar.

Aufgrund der damals steigenden Zahl der Neuinfektionen mit Corona schloss das Land Hessen am 2. November unter anderem alle Schwimm- und Spaßbäder, Saunen und Fitnessstudios. „Mit so einer langen Zwangspause hat wohl niemand gerechnet“, sagt Bürgermeister Peter Kremer (parteilos).

Einfach den Stecker ziehen, das Wasser ablassen und zuschließen – das ist im „Nautilust“ nicht möglich. „Wir können den Betrieb nicht komplett runterfahren“, betont Matthias Becker, Geschäftsführer der Gladenbacher Gesellschaft „Stadtmarketing – Energie – Bäder“ (SEB). Auch wenn kein Besucher das Bad betreten darf, muss ein Teil der Technik – wie Lüftung und Wasseraufbereitung (Umwälzung) – weiterlaufen. Nur so kann eine reibungslose Wiederinbetriebnahme gewährleistet werden.

Das Schwimmerbecken und das Vier-Jahreszeiten-Becken plätschern deshalb munter vor sich hin. In der Halle herrschen sommerliche Temperaturen. „Das ist aber keine gekaufte Wärme, sondern die Abwärme des Blockheizkraftwerkes“, erklärt der Bürgermeister. Im Vollbetrieb liegt der Stromverbrauch im Freizeitbad bei 220 Kilowatt pro Stunde, derzeit sind es 50. Der Umwälzbetrieb läuft nicht einmal mit halber Kraft. „Die Motoren fahren so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig“, berichtet Enrico Cechol, Leiter des Badebetriebs.

35 Beschäftigte in Kurzarbeit

Jeden Tag schaut ein Mitarbeiter im „Nautilust“ nach dem Rechten und kontrolliert die Technik. Regelmäßig werden die Duschen angeschaltet, damit sich keine Legionellen bilden. Auch die Toiletten müssen gespült werden.

Die 35 Beschäftigten des Bäderbetriebs befinden sich in Kurzarbeit. Seit rund vier Wochen gibt es für sie im „Nautilust“ allerdings wieder etwas zu tun. Die SEB hat die sonst im September anstehende Revisionswoche vorgezogen. „Damit wir im Herbst nicht schon wieder zumachen müssen“, erklärt Cechol. Einige Arbeiten, die während des Normalbetriebs Fremdfirmen übernehmen, erledigen die Angestellten nun selber.

Wartungsarbeiten gehen weiter

Derzeit wird das Freizeitbad generalüberholt. Dazu gehören auch alle vertraglich vereinbarten Wartungsarbeiten – zum Beispiel für das Blitzschutzsystem und die Brandmeldeanlage. Bei größeren Baustellen im Bad sind ebenfalls Fachfirmen im Einsatz. So muss die sechs Meter hohe Wand am Ende der Rutsche neu gefliest werden. Im kleinen Wohlfühlbereich neben dem Schwimmerbecken werden sämtliche Pflanzen ausgetauscht.

„Wir sind mit dem Bad im zwölften Betriebsjahr – die Wehwehchen fangen jetzt an“, sagt Cechol mit Blick auf die fälligen Reparaturen. Davon gibt es auch einige im Sauna-Paradies. Einige Fliesen im Becken des Sauna-Gartens haben sich gelöst. Außerdem war ein Holzsteg verwittert. Für eine höhere Haltbarkeit wurden Dielen aus einem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff eingebaut.

Umstellung des Kassensystems

Zum Standard gehört die Grundreinigung der Außenanlage. Mitarbeiter bringen die Edelstahlbecken mit Hochdruck zum Glänzen. Um die Pflege der großen Liegewiese und den Außenbereich der Sauna samt Teich kümmern sie sich ebenfalls. Einige Sitzbänke in den Sauna-Kabinen müssen geschliffen und poliert werden.

Das Kassensystem im „Nautilust“ ist auf die technische Sicherheitseinrichtung (TSE) umgestellt worden. Damit sollen Manipulationen an digitalen Aufzeichnungen verhindert werden. Außerdem hängt ein großer QR-Code im Eingangsbereich. Besucher können diesen künftig über die Corona-Warn-App scannen, um so ihre Anwesenheit zu registrieren. Wird eine eingecheckte Person später positiv auf das Coronavirus getestet, können andere Besucher gewarnt werden, die sich zur selben Zeit im Schwimmbad aufgehalten haben.

Interne Zielsetzung

„Intern haben wir uns eine Frist gesetzt, dass wir zwischen dem 15. und 20. Mai mit allen Vorbereitungen fertig sein wollen“, erklärt Matthias Becker. Wenn dann das Land Hessen das Okay geben würde, braucht es in Gladenbach etwa fünf Tage, bis das „Nautilust“ an den Start gehen kann. Diese Zeit ist nötig, um unter anderem das Wasser auf Betriebstemperatur zu bekommen.

„2020 kommen wir halbwegs noch mit einem blauen Auge davon“, sagt der SEB-Geschäftsführer mit Blick auf die Finanzen. Für November und Dezember gab es 90.000 Euro als Ausgleich für entgangene Einnahmen. In diesem Jahr muss die SEB wohl ohne Überbrückungshilfen auskommen.

Erstrahlt in Lichtblau

Im Vorjahr war das „Nautilust“ an 169 Tagen geöffnet, etwa 84.000 Besucher kamen – rund 100.000 weniger als während eines „normalen“ Betriebsjahres. Die SEB rechnet in ihrem aktuellen Wirtschaftsplan mit Umsatzeinbußen beim Freizeitbad von 150.000 Euro. Der Bürgermeister geht allerdings davon aus, dass sich dieser Betrag aufgrund der andauernden Zwangspause noch erhöht.

Die Becken im Freibad Weidenhausen erstrahlen mittlerweile in Lichtblau. ­Mitarbeiter des Bäderbetriebes übernahmen den Anstrich. Dafür waren 20 Eimer, gefüllt mit jeweils elf Kilo Schwimmbadlack, nötig. Nun muss die Farbe ein paar Tage trocknen.

Pandemie ist einziger Grund

Einer Öffnung des Freibades steht dann nur noch die Pandemie im Weg. „Wir wollen auch hier alles Mögliche vorbereiten, damit wir zeitnah starten können, wenn wir das Go aus Wiesbaden bekommen“, sagt Becker. Eine große Unbekannte gibt es allerdings: die Auflagen. Der SEB-Geschäftsführer hofft, dass die Landesregierung in Kürze zumindest eine Perspektive für einen Saisonstart gibt.

„Wir hatten diesmal nur geringere Schäden – trotz des langen und relativ harten Winters“, erzählt Christof Weber, Fachkraft für Bäderbetriebe. Im Vorjahr waren die Wände der Becken noch mit einer Deckschicht grundiert worden, bevor die Farbe aufgetragen wurde. Deshalb platzte der Putz im Winter nicht großflächig ab.

Defekter Filterkessel

Am letzten Tag der Freibad-Saison 2020 ging der große Filterkessel kaputt, in dem das Wasser durch mehrere Reinigungsschichten gepumpt wird. Dieser musste nun innen mit glasfaserverstärktem Kunststoff neu abgedichtet werden.

Von Michael Tietz