Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Gladenbach fehlen Kita-Plätze
Landkreis Hinterland Gladenbach fehlen Kita-Plätze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:58 14.02.2020
Der Bau eines Kindergartens „Im oberen Haumbach“ in Weidenhausen hätte laut Bürgermeister den Vorteil, nah am Waldkinder­garten gelegen zu sein. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archiv
Gladenbach

Der Ältestenrat hat getagt. Ihm gehören die Fraktionsvorsitzenden und der Parlamentschef an – und der Magistrat. In der Sitzung ging es um die Kindergarten-Prognose für dieses Jahr. Die aktuellen Zahlen zeigen, für wie viele Kinder Betreuungsplätze benötigt werden.

„Die Hoffnung, dass sich die Lage etwas entspannt, erfüllt sich leider nicht. Im Gegenteil: Es sind weitere Plätze notwendig – sowohl für über dreijährige Kinder als auch für die Jüngeren. Wir müssen dringend handeln“, erklärte Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) im Gespräch.

Sein Vorschlag: In Runzhausen könnte eine Übergangslösung für eine Regelgruppe – 25 Kinder ab drei Jahre – geschaffen werden. In der dortigen Kindertagesstätte „Pusteblume“ in Runzhausen laufen in Kürze die Bauarbeiten an.

Mehr U3-Plätze für die Kernstadt

Die Folgen des Wasserschadens müssen behoben werden. Außerdem wird das Dach saniert. Deshalb wird der Betrieb der drei Gruppen ausgelagert – in das benachbarte Dorfgemeinschaftshaus und danebenstehende Container.

Ist die Sanierung abgeschlossen, könnten die Container – so Kremers Idee – ab dem Spätsommer noch ein Jahr länger stehenbleiben. „Es macht wohl wenig Sinn, in Runzhausen alles abzubauen und an anderer Stelle wieder neu aufzubauen“, sagte der Bürgermeister.

Parallel zu dieser Übergangslösung soll die evangelische Kindertagesstätte „Regenbogen“ in Gladenbach erweitert werden. Dort gibt es bisher keine Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren.

Beschlüsse des Parlaments stehen aus

Angedacht ist, in einem Anbau Platz für eine U3-Gruppe und eine altersübergreifende Gruppe zu schaffen. Aus Platzgründen ist es nicht möglich, ­einen Container auf dem „Regenbogen“-Gelände aufzustellen und gleichzeitig mit der Baumaßnahme zu beginnen.

Für beide Vorhaben braucht es zunächst einmal entsprechende Beschlüsse durch das Parlament. Kremers Idee wird nun in den Fraktionen beraten. Außerdem muss die Verwaltung das Kinderzentrum „Weißer Stein“ dafür gewinnen. Der Bürgermeister möchte in einem Gespräch mit der Geschäftsführung des freien Kindergartenträgers abklären, ob dieser die zusätzliche Gruppe vorübergehend betreuen kann.

Anbau könnte 750.000 Euro kosten

Nach dem Übergangsjahr würden die Kinder dann in den evangelischen Kindergarten in Gladenbach umziehen. „Mit dieser Lösung könnten wir auf die Schnelle 25 weitere Betreuungsplätze für Kinder über drei Jahren schaffen“, sagte Kremer.

Das Finanzielle könnte ­ohne größere Probleme über den städtischen Haushaltsplan 2020 geregelt werden. Denn den hat das Parlament bisher noch nicht beschlossen. 50.000 Euro für die Planung und eine Verpflichtungsermächtigung für 2021 wären wohl nötig. Dann könnte die Stadt die Ausschreibungen und Aufträge unmittelbar nach der Genehmigung des Etats angehen. Nach Auskunft eines Planungsbüros verursacht der Kindergarten-Anbau Kosten von etwa 750.000 Euro.

„Nur ein Neubau macht Sinn“

„Angepackt werden muss mittelfristig auch der Evangelische Kindergarten Weidenhausen“, erklärte Kremer. Für eine Sanierung des alten Gebäudes soll kein Geld mehr ausgegeben werden. „Nur ein Neubau an anderer Stelle macht Sinn – mit zwei U3-Gruppen und mindestens zwei, besser noch drei Ü3-Gruppen“, so der Bürgermeister. Damit hätte Gladenbach das gröbste Problem der fehlenden Betreuungsplätze wohl beseitigt.
Kremer will Projekt 
bis 2023 angehen

Wie schon der Ortsbeirat Weidenhausen schlägt auch Kremer als Standort für den neuen Kindergarten das Baugebiet „Im oberen Haumbach“ vor. Dies soll in diesem Jahr erschlossen werden. Drei oder vier Grundstücke würde die Stadt dann nicht verkaufen und für die Kita nutzen.

Gladenbach hofft auf Landeszuschuss

„Die Lage ist dort ideal – auch wegen der Nähe zum Waldkindergarten und der verkehrlichen Anbindung“, sagte der Bürgermeister. Der Verwaltung liegen zwar einige Kaufanfragen für die Bauplätze vor, aber längst nicht für alle Grundstücke. Bis zum Jahr 2023, so Kremers Vorstellung, sollte das Projekt in Weidenhausen angegangen werden.

Bei Bedarf könnte anschließend noch ein Kindergarten-Neubau auf der grünen Wiese in der Kernstadt realisiert werden – mit zwei oder drei U3-Gruppen und einer altersübergreifenden Gruppe. Ein solches Vorhaben hat die Stadt nun ebenfalls vorsorglich beim Land Hessen für eventuelle Zuschüsse angemeldet.

von Michael Tietz