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Hinterland Weidenhausen bietet Elektrolastenrad zum Ausleihen an
Landkreis Hinterland Weidenhausen bietet Elektrolastenrad zum Ausleihen an
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12:00 29.04.2022
Einkauf erledigt: Markus Wege erklärt Melanie Wege-Pfeifer und Gudrun Herbener die Gangschaltung des Elektroantriebs und die Beladungsmöglichkeiten des Lastenrades, das bis Ende Juni in Weidenhausen kostenlos ausgeliehen werden kann.
Einkauf erledigt: Markus Wege erklärt Melanie Wege-Pfeifer und Gudrun Herbener die Gangschaltung des Elektroantriebs und die Beladungsmöglichkeiten des Lastenrades, das bis Ende Juni in Weidenhausen kostenlos ausgeliehen werden kann. Quelle: Foto: Michael Tietz
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Weidenhausen

Das Gerät ist fast 2,5 Meter lang, wiegt 34 Kilo, transportiert problemlos vier Getränkekisten und trägt den Namen „Tatatuk“. Steigungen meistert die neueste Errungenschaft im umweltfreundlichen Fuhrpark des Vereins „Freie Räder“ mit Leichtigkeit. Bis Ende Juni ist das Elektrolastenrad in Weidenhausen stationiert und kann dort kostenlos ausgeliehen werden.

„Es macht tierisch Spaß, mit dem Rad unterwegs zu sein – eine tolle Alternative zum Auto“, erzählt Ortsvorsteher Markus Wege. Er holte „Tatatuk“ in Marburg ab und spulte die 26 Kilometer bis nach Weidenhausen dank des zeitweiligen Einsatzes des Elektroantriebs locker in einer Stunde ab. „Ich bin gechillt den Strohberg hochgefahren“, erzählt Wege mit einem Schmunzeln.

Vor einem Jahr sprach sich der Ortsbeirat für eine Kooperation mit dem Marburger Verein „Freie Räder“ aus. Die 2017 gegründete Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Lastenfahrradverleih in und um Marburg aufzubauen – klimagerecht, für alle, kostenlos, solidarisch organisiert und selbst verwaltet. Ihr Motto: „Wir nehmen die Mobilitätswende selber in die Hand!“.

Mit Hilfe der finanziellen Unterstützung des Landkreises, der Stadt Marburg und des Bundesumweltministeriums wuchs die Flotte von „Freie Räder“ auf 27 Fahrzeuge an. „Tatatuk“ kommt nun erstmals in Weidenhausen zum Einsatz. Das zweispurige Lastenrad verfügt dank eines 500-Wattstunden-Akkus und eines Ersatzakkus über eine hohe Reichweite. Die Elektrounterstützung kann bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde genutzt werden. Bei einem Leergewicht von 34 Kilogramm können auf der vorderen Ladefläche weitere 100 Kilo transportiert werden. Mit Hilfe der Anhängerkupplung zieht es außerdem bis zu 200 Kilo schwere Lasten. Vier Unterstützungsstufen bietet der Elektroantrieb: Eco, Trail, Boost und Gehen. Letztere ermöglicht es, das beladene Rad zum Beispiel in engeren Passagen leicht zu schieben. Auf der Ladefläche ist außerdem ein kleiner Sitz mit Gurt montiert – somit kann auch ein Kind mitgenommen werden.

Das Lastenrad hat eine indirekte Lenkung. Deshalb erhält der Ausleiher zu Beginn auch eine kurze Einweisung, um das Gefühl für das 2,43 Meter lange und 46,6 Zentimeter breite Gefährt zu bekommen. „Man gewöhnt sich aber schnell an das neue Lenkverhalten“, betont Ortsvorsteher Wege.

Wer das Lastenrad nutzen möchte – für maximal drei Tage –, muss sich online unter www.freie-lasten.org/tatatuk oder über einen QR-Code registrieren. Dazu ist die Angabe des eigenen Namens, eine E-Mail-Adresse, ein Passwort und ein Nutzername erforderlich. Anschließend wählt der Ausleiher einen Termin aus, bucht diesen und erhält die Kontaktdaten des Weidenhäuser Ortsvorstehers. Die Schlüsselübergabe wird dann persönlich vereinbart.

Vor Ort muss dann nur noch ein Kärtchen mit Namen, Adresse und Telefonnummer ausgefüllt werden. Die Daten werden einmalig mit dem Personalausweis abgeglichen. Zum ausgemachten Abgabetermin erfolgt eine Funktionskontrolle. Sollte etwas am Fahrzeug kaputtgehen, übernimmt ein Techniker von „Freie Räder“ die Reparatur.

„Wichtig ist, dass das Rad nachts in einer abschließbaren Garage steht, da es schon einen gewissen Wert hat“, betont Wege. Wer „Tatatuk“ an anderer Stelle unbeaufsichtigt abstellt, sollte unbedingt das hintere Rad mit dem Kettenschloss sichern.

Die Ausleihe ist kostenlos, Spenden sind allerdings willkommen. Mit diesen will das Projekt „Freie Lasten“ unter anderem die Kosten für Reparaturen, Ersatzteile und Versicherungen decken.

In Weidenhausen kümmert sich bisher der Ortsvorsteher um die Regularien. „Es wäre toll, wenn wir noch engagierte Bürger finden, die eine Patenschaft für das Rad übernehmen und beim Verleihen helfen möchten“, sagt Ortsvorsteher Wege. Sein Ziel ist es, dass ein Lastenrad auch über die Testphase hinaus in Weidenhausen für alle Bürger zur Verfügung steht. Für den Kauf könnte ein Zuschuss (80 Prozent) aus dem Regionalbudget der Region Lahn-Dill-Bergland fließen. „Dazu müssten wir einen Gewerbetreibenden oder Verein finden, der den Förderantrag stellt und die Restfinanzierung übernimmt“, erklärt Wege.

Beim Weidenhäuser Dorffest am 21. und 22. Mai will der Ortsvorsteher das neue Lastenrad noch einmal vorstellen und für die Aktion werben. „Selbstverständlich dürfen auch Nicht-Weidenhäuser das Rad ausleihen“, betont Wege.

Von Michael Tietz